Die schlimmen "Spiele" des Stiefvaters

41-Jähriger wegen Missbrauchs verurteilt

Hallertau – Schamlos nutzte ein Hallertauer (41) die Sehnsucht seiner Stieftochter nach einem liebevollen Vater aus: Ab ihrem zehnten Geburtstag missbrauchte er sie über Jahre hinweg.

Vor Gericht kam er mit einer moderaten Strafe davon – wegen seines umfassenden Geständnisses.

 Nach der Heirat mit der Mutter des Mädchens im Jahr 2010 war der Handwerker so etwas wie der Ersatzvater. Ab dem zehnten Geburtstag der Stieftochter, von Ende 2011 bis Juli 2013, sei es dann laut Anklageschrift zu vielfachen sexuellen Übergriffen gekommen.

So sei er etwa am Geburtstag der Schülerin mit ihr im Bett gelegen. Dabei sei es laut Staatsanwaltschaft bei ihm zu einer Erektion gekommen, die die sexuelle Neugier des Mädchens weckte. Er habe dann die Zehnjährige dazu gebracht, ihn manuell zu befriedigen. In der Folgezeit hätten sich die Übergriffe wiederholt, wobei er seiner Stieftochter teilweise auch Pornofilme vorgeführt habe.

Es kam aber auch, wie die Anklage weiter aufführte, zu schwerem sexuellen Missbrauch. So habe sich der 41-Jährige einmal nach einem Bad vom Mädchen „abtrocknen“ lassen und sie dann, wie in zwei weiteren Fällen, zum Oralverkehr „angeleitet“. Mindestens zehn Mal habe er die Stieftochter an der Brust und im Intimbereich begrapscht und sei einmal auch mit dem Finger in sie eingedrungen.

Vor dem Landgericht Landshut legte der 41-Jährige über seinen Verteidiger ein umfassendes Geständnis ab – wie bereits bei der polizeilichen Vernehmung. Seinem Mandanten sei klar, dass es keinerlei Rechtfertigung für die Handlungen gebe. Durch sein Schuldgefühl sei er massiv belastet, leide an Depressionen und Schlafstörungen. Keinesfalls wolle er seiner Stieftochter, die er besonders lieb gehabt habe, eine Mitschuld anlasten. Er selbst habe keinerlei pädophile Neigungen. Es habe sich eine Art „Spiel“ entwickelt und dabei, so räume der Hallertauer ein, habe er die kindliche Neugier der Stieftochter ausgenutzt. Für sein Versagen entschuldige er sich bei der Stieftochter und der inzwischen getrennt von ihm lebenden Ehefrau.

Die Mutter (40) des Mädchens schilderte, wie ihre Tochter an einem Juliabend vergangenen Jahres bei der Begrüßung des Stiefvaters „komisch“ reagiert habe: „Schau mich nicht so an, ich mag das nicht.“ Später habe ihr die Zwölfjährige erzählt, dass sie der Stiefvater „angefasst“ habe. Als ihn die Mutter zur Rede stellte, habe ihr Mann die Übergriffe eingeräumt – zunächst allerdings nur Grapschereien. Sie habe sich daraufhin von ihrem Mann getrennt und sei in ein Frauenhaus gezogen. Dort habe die Tochter alle Details berichtet. Das Mädchen habe unter den Übergriffen schwer gelitten, sei in der Schule abgefallen und habe Albträume gehabt, sagte die Mutter aus. Mittlerweile habe sich ihr Zustand gebessert.

Das Gericht verhängte für schweren sexuellen Missbrauch von Kindern und Schutzbefohlenen in vier Fällen und „einfachen“ sexuellen Missbrauch in weiteren 19 Fällen eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten. Zugunsten des 41-Jährigen habe sich vor allem sein frühes, umfassendes Geständnis ausgewirkt und dass er sich der Polizei gestellt habe, argumentierte der Vorsitzende Richter. Strafmildernd falle auch ins Gewicht, dass sich der Maler zu einer Schmerzensgeldzahlung verpflichtet habe.

Walter Schöttl

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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