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Jein zum Handyverbot für Schüler: Im Landkreis Freising sind die Schulleiter geteilter Meinung.

Das sagen die Schulleiter aus dem Landkreis

Handyverbot an bayerischen Schulen - bald Geschichte?

Das Handynutzungsverbot an bayerischen Schulen gehört abgeschafft – das fordern diverse Lehrer- und Elternverbände sowie Schülerräte. Doch ist das wirklich sinnvoll? Die Schulleiter im Landkreis Freising sind geteilter Meinung.

Landkreis Sofern sie nicht zu Unterrichtszwecken benutzt werden, müssen die Smartphones der Kinder und Jugendlichen im Schulgebäude und auf dem kompletten Gelände ausgeschaltet sein. Seit elf Jahren gibt es das Handyverbot an bayerischen Schulen schon – hauptsächlich, um Cybermobbing zu verhindern. Wer heimlich am Handy erwischt wird, muss das Gerät abgeben und darf es erst am Nachmittag wieder abholen. Lehrer- und Elternverbände fordern nun aber das Ende des Verbots, das es deutschlandweit bisher nur im Freistaat gibt. „Man sollte Mobbing bestrafen, nicht das Medium verbannen“, sagte Florian Schwegler vom Landesschülerrat Bayern gegenüber Spiegel Online. Ralph Müller-Eiselt von der Bertelsmann-Stiftung erklärte, dass man die Schulen in der heutigen Zeit nicht von der Digitalisierung ausschließen dürfe.

Und wie sehen es die Schulleiter im Landkreis Freising? Marietta Hager, Schulleiterin der Jo-Mihaly-Mittelschule in Neufahrn, ist eine Gegnerin der Handynutzung in der Schule. „Sobald die Schüler ihre Smartphones zu Recherchezwecken im Unterricht nutzen und nicht in unser WLAN eingeloggt sind, verbrauchen sie ihr eigenes Datenvolumen und müssen das am Ende selbst zahlen.“ Zudem erhöhe es das Risiko von Mobbing erheblich – damit seien die Rechte der Schüler gefährdet. Es ermögliche den Kindern und Jugendlichen, kleine Filme oder Bilder ihrer Mitschüler ins Netz zu stellen. In Notfällen sei es natürlich in Ordnung, das Handy zu nutzen – doch generell steht Marietta Hager der Forderung der Verbände mit einem klaren „Nein“ gegenüber.

„Man braucht klare Regeln“

Christine Obermaier, Schulleiterin der Karl-Meichelbeck-Realschule in Freising, stimmt zu: „Man braucht klare Regeln, wenn es um die Handynutzung geht.“ In ihrem Haus seien bereits Vereinbarungen getroffen worden. „Im Unterricht sollen die Schüler das Gerät durchaus für Recherchezwecke benutzen dürfen, solange der Lehrer es erlaubt.“ Obermaier ist aber gegen die Nutzung für private Zwecke – sowohl im Unterricht als auch in den Pausen. „Die Schüler wären zu abgelenkt, wenn sie ständig am Handy hängen.“

Wolfgang Korn (50), Schulleiter der Kastulus-Realschule in Moosburg findet es „absolut in Ordnung“, dass die Schüler die Handys benutzen, um für den Unterricht zu recherchieren oder um die Eltern zu kontaktieren. Ein Handy-Embargo könne man ohnehin nicht komplett durchsetzen. „Obwohl ich der Meinung bin, dass es den Schülern gut täte, wenn sie mal ihr Handy ausschalten würden, ist mir natürlich klar, dass es die meisten nur auf lautlos schalten.“ Auch aus diesem Grund sieht Korn das Verbot eher locker: Vor 8 Uhr und im Nachmittagsunterricht dürfen die Schüler ihr Handy benutzen. Man müsse aber ständig darüber diskutieren: „Ich denke, man muss mit den Schülern über die Situation reden und Kompromisse finden.“ Die Gefahren des Cyber-Mobbings sieht aber auch er.

In der Brust des Dom-Gymnasium-Rektors Manfred Röder schlagen zwei Herzen: Einerseits ist ihm bewusst, dass das Smartphone zum Leben der Kinder dazugehört – andererseits „geht das Miteinander, die direkte Kommunikation ein bisserl verloren“. Deshalb befürwortet er die Nutzung im Unterricht – nicht aber in der restlichen Zeit an der Schule: „Eine völlige Freigabe sehe ich kritisch.“

In den Grundschulen ist das Thema Handy noch nicht allzu präsent. Sigrid Heck, Schulleiterin der Grundschule am Jahnweg in Neufahrn, denkt, dass man das Smartphone – sofern schon eines vorhanden ist – höchstens herausholen müsse, um die Eltern zu erreichen. „Doch selbst das ist nicht zwingend nötig.“ Die Schüler können bei früherem Schulschluss ins Sekretariat kommen – „und dann rufen wir an“.

Inzwischen hat Kultusminister Ludwig Spaenle auf die Kritik am Handyverbot reagiert: Er kündigte einen Runden Tisch an, um zu klären, wie die Regelung nachjustiert werden kann.

Marie Oertel/Lena Hrodek

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