Verabschiedung von Hartmut Binner 

Hartmut Binner: Der Gepäckträger der Region

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Freising – Er habe das „Packerl“ des Startbahnwiderstands getragen wie der Bär das Bündel des Korbinian. Und er habe die Bürger „ermutigt, das Bündel weiter zu tragen, bis die dritte Startbahn endlich beerdigt ist“. Das Gesicht des Abwehrkampfes, über den „Frontmann“, über Mister Aufgemuckt – über Hartmut Binner.

Die Weihnachtsfeier von Aufgemuckt nutzte man, um dem Mann, der nicht nur mit Ministerpräsident Horst Seehofer auf Augenhöhe verhandelt, einen würdigen Abschied aus der vordersten Reihe des Widerstands zu bereiten. Und sogar Heimatminister Markus Söder tauchte auf.

Danke sagte der OB, danke für die Arbeit, die Binner als Aufgemuckt-Sprecher und eine der Galionsfiguren des Widerstands „für die ganze Region geleistet“ habe, danke, dass er der „Bewegung“ und dem Widerstand Respekt verschafft habe, danke, dass er das „Gepäck dieser Region“ viele Jahre getragen habe. Deshalb gab es für Binner einen Korbiniansbär aus weißem Porzellan.

Nein, nicht die unzähligen Gespräche mit Politikern, nicht die ungezählten Pressemitteilungen und Leserbriefe, die Demonstrationen, die Mahnwachen, das Bürgerbegehren oder vieles mehr wollte Binners Sprecherkollegin, seine „Zweitfrau“ Helga Stieglmeier, aufzählen. Nein, dem Menschen Hartmut Binner dankte sie, mit dem sie sich schon manchmal wie ein altes Ehepaar gefühlt habe – manchmal voneinander genervt, aber immer wissend, dass man zusammengehöre. Binner, „ein ziemlicher Dickschädel“, teilweise auch ein liebenswerter „Dipferlscheißer“, der sich um alles gekümmert habe, durch sein Engagement aber immer alle immer wieder mitgerissen habe.

Dass er bis zur endgültigen Entscheidung über den Startbahnbau trotz angeschlagener Gesundheit als Sprecher habe durchhalten wollen, sei ihm wegen der letzten „Seehofer-Pirouette“ nicht vergönnt gewesen. Stieglmeier: „Es war eine tolle Zeit!“ Alle Gäste im Viva Vita erhoben sich und spendeten Binner lange und laut Applaus.

Binner selbst sprach kurz über die, die ihn in den Jahren begleitet, ihn und den Widerstand unterstützt hätten. Und am Ende stand Binner da, sprach mit lauter und kräftiger Stimme: „Vergelt’s Gott! Ich umarme euch alle!“ Einen hat er nicht umarmt, wird ihn auch nicht umarmen, hat ihm jüngst sogar den Handschlag verweigert: Markus Söder. Doch der war zum Abschied Binners trotzdem gekommen – als eine der drei Figuren im kurzen Kabarett, das Johannes Becher geschrieben hatte, und in dem Hartmut Binner (Franz Spitzenberger im roten Sakko), seine Frau Veronika (Helga Stieglmeier) und eben Söder (gespielt von Becher) auftraten: Köstlich, wie die „optische Bearbeitung“ der elend langen Mails des Hartmut Binner karikiert wurde, wie der Leichtathlet, der Schandi, der „Waschi“, der kein Wischi-Waschi mag, mit Söder umgeht. Und hervorragend, wie Söder argumentiert: „Bedarf, Bedarf! Seit wann bestimmt eine Grafik über unseren Bedarf? Wir sind die Grafik. Und wenn ich sag, ich hab Bedarf, dann ist Bedarf“, fränkelt sich der „Heimatzerstörer, der greislige“ seine Startbahn zurecht. Doch das war Söder.

Die Aufgemuckt-Mitglieder übrigens sind auch nach dem Rückzug Binners in die zweite Reihe davon überzeugt, die dritte Piste zu Fall bringen zu können. Auch das war eine Botschaft dieses Abends im Viva Vita.  zz

Rubriklistenbild: © Lehmann

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