Nachbarschaftshilfe Hohenkammer 

Helfer vor Ort: „Irgendwann werde ich auch Unterstützung brauchen“

Hohenkammer –  Ob Fahrdienste, Unterstützung bei der Wohnungssuche oder einfach nur als seelischer Beistand – die Mitglieder der Nachbarschaftshilfe in Hohenkammer sind bei den verschiedensten Anliegen zur Stelle. Zwei Mal im Monat kommen sie für einen Strick- und Spielenachmittag zusammen.

„Eine rechte Masche, dann zwei linke Maschen und dann wieder eine rechte Masche“ – Katharina Geipel ist die Strickkönigin der Truppe und bringt zu jedem Nachmittag andere Strickmuster mit, die sie den befreundeten Damen beizubringen versucht. Heute strickt sie ein Paar bunte Socken, hat sich dafür extra neue Wolle gekauft. Begeistert schaut ihr Rose Höringer über die Schulter und bestaunt die flinke Strickgeschwindigkeit der Rentnerin. Früher haben noch mehr Mitglieder mit Geipel mitgestrickt, mittlerweile sind ihnen die Muster ein wenig zu schwierig und komplex. Tipps holen sie sich aber jedes Mal von ihr.

In einer anderen Ecke der Bäckerei Breitner, wo sich die Truppe immer trifft, sitzen Edith Hammerschmidt und Annemarie Finkel und sind in einem Gespräch vertieft. Man tauscht sich aus über das persönliche Befinden, Aktivitäten der Gruppe und natürlich wird auch der eine oder andere Tratsch innerhalb der Gemeinde besprochen. Irgendwann packt Finkel das Spiel „Triominos“ aus, einige Damen stoßen zu ihnen und dann kann auch schon eine lustige Spielrunde beginnen. Wenn sie keine Lust mehr haben, steigen die Seniorinnen auf Mühle oder andere Brettspiele um. Mittendrin sitzt Erika Matz. Die stellvertretende Leiterin der Nachbarschaftshilfe gesellt sich zu den einzelnen Grüppchen und unterhält sich mit jedem für mehrere Minuten. Ihr ist es wichtig, sich mit den eigenen Mitgliedern auszutauschen und auch für sie ein offenes Ohr zu haben.

Seit vier Jahren gibt es die Organisation, die der Caritas untersteht. In Hohenkammer gehören etwa 30 Ehrenamtliche der Nachbarschaftshilfe an, die sich als „Helfer vor Ort“ betrachten. „Wir sind für alle Bürger da, die Unterstützung jeglicher Art benötigen“, erklärt Matz. „Jeder kann sich an uns wenden, wir stehen mit Rat und Tat zur Seite.“ Alle Nachbarschaftshilfen in der Umgebung sind miteinander vernetzt. Dies ist für die stellvertretende Leiterin enorm wichtig. „Wir stehen beispielsweise im regelmäßigen Dialog mit unserem Pendant in Allershausen. So kann man sich einfach mal absprechen und gegebenenfalls auch unterstützen.“

Die Aufgaben der Organisation sind breit gefächert. Die Fahrt zu Arztbesuchen, die Suche nach einem geeigneten Babysitter oder als Publikum für die Lese-AG der Grundschule im Ort dienen, wie es im Januar der Fall sein wird – Matz und ihre helfenden Kollegen sind stets zur Stelle und helfen, wo sie nur können. Die Verschwiegenheit der Helfenden steht dabei an oberster Priorität: Die Sorgen, Nöte und Belange der Hilfesuchenden wird nicht nach außen getragen, das betonen alle.

Initiiert wurde die Nachbarschaftshilfe über Brigitte Geisenhofer. Sie trat mit dem Wunsch an die Caritas heran, für die Kommune eine solche Einrichtung zu schaffen und zu gründen. Mittlerweile hat sich ein fester Kern von Helfern gebildet, allein im vergangenen Jahr konnten die Ehrenamtlichen 1100 Stunden vorweisen. Auch die Gemeinde in Hohenkammer unterstützt den Vorstand und seine Mitglieder. „Bürgermeister Stegmair findet eigentlich immer Zeit für uns und hilft bei Problemen“, bestätigt Erika Matz.

Mitglied der ersten Stunde ist Annemarie Finkl. Die 62-Jährige ist vor mehreren Jahren wieder zurück in die Kommune gezogen. „Ich bin von allen hier in der Nachbarschaftshilfe gut aufgenommen worden“, erinnert sich die Rentnerin. Sie hat sich für eine ehrenamtliche Tätigkeit entschieden, weil sie sich damit identifizieren kann. „Ich habe keine große Verwandtschaft und werde sicherlich auch einmal Hilfe und Unterstützung benötigen“, so Finkl. Solange es die Gesundheit mitmacht, wolle sie sich innerhalb der Gemeinde engagieren. „Es ist eine gute Sache. Man hat immer einen Ansprechpartner, wenn man einen braucht.“

Zwei Mal im Monat trifft sich ein Kern der Mitglieder, der aus zehn bis 14 Leuten besteht, zum gemeinsamen Stricken, Ratschen und Spielen. Im Sommer werden regelmäßig Ausflüge gemacht und die Umgebung erkundet. „Wir haben schon Kirchen besichtigt, waren auf dem Bauernhof oder sind am See spazieren gegangen“, schildert Matz. Alle, die nicht mehr ganz so rüstig sind, werden einfach mit dem Auto oder dem Bus zum Ziel gebracht. „Selbst mit Rollator und Krücken wollen sie mitmachen“, meint die stellvertretende Leiterin lachend.

Mittlerweile haben sich die Damen wieder ihren Spielen oder Strickereien zugewandt. Annemarie Finkel und Edith Hammerschmidt haben bereits einige Partien „Triominos“ gegen Helga Schramm und Frieda Lehnardt gespielt und bauen nun alles Nötige für „Mensch ärgere dich nicht auf“. Katharina Geipel hingegen strickt seelenruhig an der Ferse ihres Sockens und begutachtet immer mal wieder das Ergebnis.

Anna Schledzinski

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