Das Warten zermürbt: Farid Khowhani erhält derzeit keine Ausbildungserlaubnis. fkn

Verzweiflung unter Asylbewerbern in Freising wächst

Lieber sterben, als nach Afghanistan zurückzugehen

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Hörgertshausen – Sie ist ehrenamtliche Flüchtlingsbetreuerin. Im FT-Interview berichtet Mandy Kronthaler aus Hörgertshausen von frustrierenden Behördengängen und wachsender Verzeiflung unter den Asylbewerbern.

Farid Khowhani ist am Boden zerstört: Der 23-jährige Afghane hat mehrere Sprachkurse bestanden und bei einem Unternehmen am Flughafen ein Praktikum erfolgreich absolviert. Die von der Firma angebotene Ausbildung kann er allerdings nicht beginnen, weil das Landratsamt die Genehmigung verweigert. Davon berichtet seine Flüchtlingsbetreuerrin Mandy Kronthaler im FT-Interview.
 

-Frau Kronthaler, wie hat das Ausländeramt begründet, dass Farid Khowhani keine Ausbildung erhält?

Das Gesuch wurde zweimal abgelehnt. Das erste Mal hat uns der Leiter des Ausländeramtes mit der klaren Botschaft „Nein!“ empfangen. Als junger, alleinstehender Mann sei seine Bleibeperspektive sehr gering. Es wurde aber weder seine Akte angeschaut, noch wurde durch Fragen ein Sachverhalt geklärt. Es kam einfach ein „Nein!“.

-Dabei gilt beim Kriterium der Bleibeperspektive die Gesamtschutzquote. Das Herausrechnen einer speziellen Quote für Männer etwa ist unzulässig.

Beim zweiten Mal wurde die Absage auch anders begründet: dass ein silberner Stempel auf den Papieren fehlt. Dem Landratsamt fällt immer eine neue Ausrede ein.

-Das Landratsamt Freising gilt als eines der rigidesten, was den Umgang mit Asylbewerbern angeht.

Ich habe von verschiedensten Anwälten gehört: „Ja, das Freisinger Landratsamt ist das Schlimmste.“ Vergangene Woche habe ich mit einem Pressesprecher des Innenministeriums gesprochen und ihm die Situation in Freising erläutert. Er hat erklärt, dass das Schreiben, auf das sich die Behörde bezieht, niemals die Absicht hatte, Arbeitserlaubnisse zu entziehen oder Ausbildungen zu verbieten. Er riet mir, an die Regierung von Oberbayern und an den Innenminister zu schreiben. Das habe ich getan, aber natürlich habe ich keine Antwort erhalten.

-Wie geht Herr Khowhani mit seiner Situation um?

Er kämpft stark mit sich. Er ist immer wieder am Boden zerstört, versucht dann wieder aufzustehen und weiterzumachen. Letzte Woche hat er alle seine Zertifikate verbrannt.

-So groß ist die Verzweiflung schon?

Es gibt noch Schlimmeres. Vor drei Tagen habe ich einen anderen afghanischen Flüchtling mit dem Krankenwagen ins Krankenhaus begleitet, weil er Tabletten geschluckt hat. Ich bekomme Sprachnachrichten von Flüchtlingen, dass sie sich lieber selbst töten, als nach Afghanistan zurückzugehen.

-Wie gehen Sie mit dieser Belastung um?

Es ist hart und sehr kräftezehrend. Am Montag gibt es eine Supervision im Kardinal-Döpfner-Haus. Da gehe ich hin, um das alles nicht zu sehr in die Familie hineinzutragen. Aber wie geht es erst den Betroffenen! Es ist Wahnsinn, was diese Menschen aushalten müssen, um in unserem Land nur etwas Sicherheit und Zukunftsperspektive zu bekommen.

Interview: Manuel Eser

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