Hohenkammers Ex-Rathauschef Johann Stegmair steht im Wald
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Natur pur: Johann Stegmair, leidenschaftlicher Jäger, hat den Wald direkt vor der Haustür.

Hohenkammers ehemaliger Rathauschef im Ruhestand

Für Johann Stegmairs Enkel gibt‘s jetzt Bürgermeister-Schnitzel

  • vonNico Bauer
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Seit über einem halben Jahr ist Johann Stegmair nicht mehr Bürgermeister von Hohenkammer. Im FT-Interview erzählt er von seinen neuen Tagesabläufen, der Natur vor der Haustür und der Zeit mit der Familie.

Herr Stegmair, Sie sind seit gut einem halben Jahr nicht mehr Bürgermeister. Ist Ihnen mittlerweile schon langweilig?

Nein, langweilig ist mir nicht. Ich habe viele Hobbys, die ich als Bürgermeister nicht so ausleben konnte. Da wäre das Reisen, was heuer aber unter den Tisch fiel. Zum Glück waren meine Frau und ich im Februar noch auf der Halbinsel Sinai in Ägypten und haben dort den Mosesberg bestiegen. Ich bin auch Jäger und habe weiter das Hobby Kommunalpolitik. Ich bin zwar nicht mehr Bürgermeister, aber noch Mitglied des Kreistages. Als stellvertretender Fraktionssprecher der CSU habe ich dort weiter eine Aufgabe.

Ist das wichtig, nicht von Hundert auf Null aus der Politik auszusteigen?

Ich bin sehr erfreut, dass es so geklappt hat. Ich war zwölf Jahre Gemeinderat, dann 24 Jahre Bürgermeister. Da wäre von 100 Prozent auf Null schon sehr hart. Im Kreistag ist es auch wie in Hohenkammer. Hier werden die besten Lösungen über Parteigrenzen hinweg gesucht. Das ist ein Miteinander, nicht Regierung und Opposition.

Wie verfolgen Sie die Kommunalpolitik in Hohenkammer?

Heute verfolge ich das aus der Zeitung und ich lese mir auch einmal die Sitzungsprotokolle durch. Ich bin froh, dass wir jetzt einen jungen Bürgermeister haben und bin überzeugt, dass er das Wohlergehen von Hohenkammer mit dem nötigen Engagement weiter anschiebt. Die Zusammensetzung des Gemeinderats mit erfahrenen und neuen Kräften tut der Gemeinde gut. Im Gemeinderat herrscht ein gutes Klima und das ist nicht überall so.

Was vermissen Sie aus Ihren 24 Jahren als Bürgermeister?

Am meisten vermisse ich meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Rathaus. Wir waren ein kleines und sehr familiäres Team. Außerdem vermisse ich die Kontakte zum Kinderhaus und der Schule. Diese beiden Häuser sind mir sehr ans Herz gewachsen.

Und gibt es Dinge, die Ihnen gar nicht fehlen?

Natürlich gibt es auch einmal in der Kommunalpolitik etwas Negatives. Aber ich habe das immer sehr gerne gemacht. Ich bin 24 Jahre lang jeden Tag gerne ins Rathaus zur Arbeit gegangen und habe den Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern sehr geschätzt.

Wie sieht Ihr Alltag als Pensionär aus?

Als Bürgermeister bin ich immer um 6 Uhr aufgestanden. Jetzt reicht es auch, wenn ich um 7 Uhr oder halb 8 aufstehe. Dann frühstücke ich in Ruhe und lese ausgiebig die Zeitung. Ich habe mich zu Hause auch mehr in die neuen Medien eingearbeitet. Und jetzt hat die Familie Vorrang. Früher hatte immer die Gemeinde die oberste Priorität und meine Familie musste hinter allen Terminen anstehen. Wir haben jetzt auch ein drittes Enkelkind. Ihn und meine Tochter, die in Weiden wohnt, besuchen wir regelmäßig. Ich genieße es schon sehr, dass wir auch dort mal in der Stadt spazieren gehen können. Die Fernreisen sind durch Corona ausgefallen, aber ich hoffe, dass es im Sommer wieder so weit geht, dass ich wie geplant mit ein paar Freunden zum Hochseefischen nach Island fahren kann. Dann haben wir noch Haus und Garten, wo es auch immer etwas zu tun gibt. Da kann ich auch meine Frau entlasten. Auch beim Kochen ist das so – ein weiteres Hobby. Jetzt macht der Opa den Enkeln die Schnitzel.

Das heißt, Sie sind froh, nicht mehr kandidiert zu haben?

Ja, es war die richtige Entscheidung. Aber das Aufhören war für mich schwerer als das Anfangen. Ich bin sehr stolz, dass ich eine gut aufgestellte Gemeinde hinterlassen konnte. Die finanziellen Ressourcen erleichtern schon einiges. Den politischen Abschied in einer Hochzeit selbst entscheiden zu können, ist schon ein Geschenk.

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