Drei Männer der FFW Hohenkammer grillen Gyros.
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Gyros to go gab es zum 150-jährigen Jubiläum der Feuerwehr in Hohenkammer. Ein großes Fest konnte wegen Corona leider nicht stattfinden.

Wegen Corona war Improvisation gefragt

Neue Fahne und Gyros to go: Feuerwehr Hohenkammer feiert 150-jähriges Jubiläum im kleinen Kreis

  • VonNico Bauer
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Gyros to go statt großem Fest: Wegen Corona konnte die Feuerwehr Hohenkammer ihr 150-jähriges Bestehen nur klein feiern.

Hohenkammer – Wer bei der Feuerwehr anfängt, der lernt ganz schnell zu improvisieren. Das 150-jährige Bestehen der Feuerwehr Hohenkammer wurde am Sonntag wegen der Pandemie im kleinen Rahmen gefeiert, aber die restaurierte Fahne hat nun wieder ihren Segen.

Eigentlich wurde das 151-jährige Bestehen gefeiert, weil die Wehr ihren runden Geburtstag schon 2020 hatte. Mit Beginn des ersten Corona-Lockdowns wurde das Fest um ein Jahr verschoben in der Hoffnung, diesen Sommer im großen Stil feiern zu können. Dieser Wunsch ging nicht in Erfüllung, aber zumindest verkaufte die Feuerwehr Rollbraten und Gyros zum Abholen. Bei einem Fest rund um das Feuerwehrhaus wäre die Gefahr einfach zu groß gewesen, dass viel mehr Gäste kommen könnten, als erlaubt.

Nachdenkliche Stimmung nach Hochwasserkatastrophe

Der einzige echte Festteil war ein Gottesdienst in der Kirche mit der offiziellen Fahnenweihe. Rund 8000 Euro aus den Ersparnissen investierte die Feuerwehr, um die 1970 zum 100. Gründungstag hergestellte Fahne zu restaurieren. Kommandant Friedrich Luginger war der Segen wichtig in der Hoffnung, dass seine 61 Aktiven und die sieben Mitglieder der Jugendgruppe unversehrt von Einsätzen nach Hause kommen. Die jüngsten Hochwasserkatastrophen aus mehreren Teilen Deutschlands, bei denen auch Einsatzkräfte ihr Leben lassen mussten, stimmten ihn sehr nachdenklich, „weil wir es genauso gemacht hätten wie die Kollegen in den betroffenen Gebieten“.

Erinnerungsfoto: Die Aufnahme vom 31. August 1930 dokumentiert das 60-jährige Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Hohenkammer mit der neuen, geweihten Fahne.

Pfarrer Dr. Knut Backhaus dankte den Mitgliedern der Feuerwehr für ihre Bereitschaft, anderen Menschen zu helfen. Er segnete die Fahne und sorgte für einen der großen Lacher des Tages: Denn der Geistliche sagte, dass Feuerwehrler immer in den Himmel kämen, weil Petrus viel zu viel Angst habe, dass sie das Feuer in der Hölle löschen würden.

In den Tagen vor dem kleinen Fest waren die Kräfte der Feuerwehr Hohenkammer von Haus zu Haus gegangen und hatten die zum Jubiläum zusammengestellte Chronik verteilt. Diese beinhaltet unter anderem einen Artikel des Freisinger Tagblattes aus dem Jahr 1870 – von der Stunde Null. Darin heißt es: „Nachdem Bürgermeister Michael Ritzer einen längeren Vortrag über die Nützlichkeit und Notwendigkeit eines geordneten Feuerlöschwesens gehalten hat, erklärten sofort 40 Männer den Beitritt. Es steht zu erwarten, dass noch weitere Anmeldungen folgen.“

Eine der ältesten Wehren im Landkreis Freising

1871 trat die Wehr als eine der ältesten Feuerwehren im Landkreis dem Bezirksverband Freising bei. Als technisches Gerät wurde eine Druckmaschine angeschafft, die 1879 weitergegeben wurde an die Feuerwehr Schlipps in der seinerzeit noch eigenständigen Gemeinde Schlipps. Diese Feuerwehr ist heute Patenverein, und beide Einrichtungen aus der Gemeinde Hohenkammer arbeiten sehr gut zusammen. Die Feuerwehr Hohenkammer bekam 1877 noch besseres Gerät mit einer Druck- und Saugspritze aus der königlichen Hoflöschmaschinenfabrik in München. Das seinerzeit sehr moderne Gerät war ein Geschenk des Schlossbesitzers Baron Gottfried von Vequel-Westernach. Die Geschichte der Feuerwehr zeigt, dass die Helfer immer gut ausgerüstet wurden. 1894 bekamen die Helfer beispielsweise eine größere Spritze, und 1931 schaffte die Gemeinde eine neue Motorspritze an. So konnte Wasser auch über größere Entfernungen gepumpt werden. 1964 kaufte man für 12 000 Mark das erste Feuerwehrauto.

Heute sind die Aktiven der Feuerwehr Hohenkammer sehr gut ausgebildet, und sie haben vielfältige Aufgaben. Während man von 1939 bis 1945 noch elf Einsätze in der Landeshauptstadt München hatte, sind heute die stark befahrene Bundesstraße B 13 oder der örtliche Recyclingbetrieb Einsatzorte.

Anno dazumal: Dieses Mannschaftsfoto der Hohenkammerer Wehr ist das älteste Bild, das im Feuerwehrarchiv existiert. Von wann es datiert, ist aber nicht überliefert.

Die Unwetterlage in Deutschland thematisierte auch Friedrich Luginger, der seit 2009 Kommandant der Feuerwehr ist. Er erinnerte sich an drei Hochwasserkatastrophen an der durch den Ort fließenden Glonn. Gerade dieser Tage beobachteten Feuerwehren mit Schrecken, was bei Verknüpfungen von unglücklichen Umständen heute passieren könne. Luginger ist für Hohenkammer auch so etwas wie der Hochwasserwachdienst. Er weiß, dass die Glonn bei einem bestimmten Pegel in Odelzhausen wenige Stunden später auch in Hohenkammer Probleme bringen wird. Der zweite neuralgische Punkt ist die Mündung der Glonn in die Amper bei Allershausen. Wenn die Amper mit hohen Wasserständen eine sehr langsame Fließgeschwindigkeit hat, bilde sich ein gefährlicher Rückstau.

Abschließend wünschte sich Kommandant Luginger zum Jubiläum „seiner“ Wehr nichts mehr als die Gesundheit der ehrenamtlichen Helfer. Dazu solle auch der Segen der Fahne beitragen. Und der zweite Wunsch ist mehr Interesse von jungen Menschen, die man über die Jugendgruppe an die Feuerwehr heranführen möchte.

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