Mario Berti, Bürgermeister in Hohenkammer, steht auf der Glonnbrücke in Schlipps.
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Die Brücke über die Glonn in Schlipps weist so viele Schäden auf, dass die Gemeinde gezwungen war, schnell zu reagieren. Mario Berti erklärte dem FT, wo es überall hakt. 

Sanierungsplan

Hohenkammer leitet Sofortmaßnahme ein, damit Glonnbrücke nicht komplett gesperrt wird

  • vonNico Bauer
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Die Untersuchung der vier Glonnbrücken durch den TÜV hat in Hohenkammer nichts Gutes ans Tageslicht gebracht. Die Gemeinde krempelt die Ärmel hoch.

Hohenkammer – Der Brückenschock ist verarbeitet, und nun geht die Gemeinde Hohenkammer ihre neue Herausforderung an. Nach den festgestellten Schäden an den vier Glonnbrücken der Gemeinde durch den Brücken-TÜV starteten diese Woche die Reparaturmaßnahmen. An der Brücke in Schlipps gilt es nun sogar, die Gefahr einer Vollsperrung zu verhindern. Die Steinbrücke in Schlipps könnte viele Geschichten erzählen. Davon zeugt die in den Stein eingelassene Tafel. Sie erinnert an den Bau in den Jahren 1919 und 1920. Beauftragt wurde die Maßnahme vom Kulturbauamt München und ausgeführt wurde sie von J. A. Weißmann & Co. aus München. Die wichtigste Info der Tafel war die Gewichtsangabe für die Belastung: „1 Wagen mit 160 Zentnern“. Umgerechnet sind das 16 Tonnen und genau diese Option soll die Brücke genau 100 Jahre nach der Einweihung wiederbekommen.

Schäden am Fundament

Bei der routinemäßigen, alle sechs Jahre vorgeschriebenen Überprüfung der Brücke wurden größere Schäden am Fundament festgestellt. Wenn man neben der Brücke die Böschung zur Glonn herunterklettert, dann sieht man herausstehende Eisenträger. Deshalb darf die Brücke nun mit maximal drei Tonnen befahren werden. Das hat weitreichende Folgen – für den öffentlichen Personen-Nahverkehr ebenso wie für die Landwirtschaft. Da die in der Nähe gelegene Brücke bei Deutldorf im Rahmen der Überprüfung auf sechs Tonnen beschränkt wurde, müssen Landwirte nun tatsächlich den ganz großen Umweg über Hohenkammer fahren, um zu den Feldern im südöstlichen Gemeindegebiet zu kommen.

„Wir wollen die Brücke so schnell wie möglich wieder ohne Tonnagebeschränkung freigeben“, sagt Bürgermeister Mario Berti. Gutachter und Planer sind bereits dabei, die Schäden zu analysieren und einen Katalog benötigter Sanierungen zu erstellen. Berti hofft, im Herbst 2021 die Aufträge für Arbeiten im Gemeinderat vergeben zu können.

Die in Stein eingelassene Tafel an der Brücke in Schlipps gewährt einen Blick in die Geschichte des Bauwerks.

In den letzten Sitzungen war man sich im Gemeinderat schon einig, dass die Sanierung der Brücken bei den nächsten Investitionen allerhöchste Priorität haben muss. Für den Bürgermeister reicht es aber nicht, im Rathaus auf das Ergebnis der Untersuchungen zu erwarten. „Wenn wir gar nichts tun würden, dann müsste die Brücke vielleicht sogar komplett gesperrt werden“, sagt Berti. Schließlich besteht für Benutzer auch die Gefährdung durch das nach 100 Jahren morsche Holzgeländer.

Die Brücke und die Glonn geben ein harmonisches Bild ab, sodass Radfahrer hier gerne anhalten und Pause machen. Die Geländer kann die Gemeinde ohne fremde Unterstützung erneuern und deshalb rückte der Bauhof bereits am Montag an.

Organisatorisch war der Busverkehr nach Schlipps in den vergangenen Tagen eine Herausforderung. Der Gelenkbus des MVV beispielsweise fährt nun über Unterkienberg nach Allershausen. Dafür wurde in Schlipps auch die Bushaltestelle verlegt.

Deutlich komplizierter wurde der Schulweg der Mittelschüler aus dem Ortsteil, die nach Allershausen kommen müssen. Hier fährt der Schulbus nach Eglhausen und dort müssen die Jugendlichen in Kleinbusse umsteigen, mit denen sie die letzten zwei Kilometer bis nach Schlipps gefahren werden. Kleinbusse haben unter drei Tonnen Gewicht und dürfen hier die Glonn überqueren. Rein rechtlich hat auch die Feuerwehr Schlipps ein Problem. Das Feuerwehrhaus liegt neben der Glonn. Im Notfall im Ort müssen die Retter immer über die Brücke fahren. Die Tonnagebeschränkung muss aus vielen Gründen so schnell wie möglich weg.

Irritierende Beschilderung

Der Weg von Eglhausen nach Deutldorf wurde wegen Brückenschäden auf sechs Tonnen beschränkt, aber die Beschilderung sorgt für Irritationen. Im Gemeinderat mahnte Susanne Hartmann, dass der Schwerlastverkehr erst nach dem Abbiegen von der Staatsstraße (Allershausen – Hohenkammer) das Schild sehe. Das habe zur Folge, „dass manche illegal über die Brücke fahren“. Die andere Option, rückwärts in die Staatsstraße zurückzufahren, hätte ein gefährliches Wendemanöver zur Folge. Die Gemeindeverwaltung will nun die Versetzung des Schilds überprüfen. Gemeinde-Geschäftsführer Marco Unruh machte deutlich, dass die Kommune kein Recht habe, an der Staatsstraße Beschilderungen anzuordnen. Ideal wäre an der Stelle der Hinweis, dass Abbieger auf sechs Tonnen beschränkt sind. 

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