Erster Entwurf: So soll das von Gemeinderäten und Jugendlichen für „cool“ befundene Erlebnisgelände aussehen. Einwände gab es aber wegen Kosten, Lautstärke und Parkplätzen.
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Erster Entwurf: So soll das von Gemeinderäten und Jugendlichen für „cool“ befundene Erlebnisgelände aussehen. Einwände gab es aber wegen Kosten, Lautstärke und Parkplätzen.

Eine Autobahn für Mountainbiker und Co.

Pumptrack-Pläne begeistern Hohenkammers Räte - Entscheidung aber wegen Kosten vertagt

  • vonNico Bauer
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Eine Pumptrack-Anlage der Extraklasse könnte Hohenkammer heuer bekommen. Die Gemeinderäte sind begeistert, wollen aber noch einmal über die Kosten schlafen.

Hohenkammer - Die Präsentation in der jüngsten Gemeinderatssitzung hatte einen richtigen Wow-Effekt. Die Firma Radquartier hat mittlerweile schon eine Reihe besonderer Freizeitanlagen in Süddeutschland errichtet und präsentierte der Gemeinde Hohenkammer einen Plan, wie die Pumptrack-Anlage an der Pfarrer-Egger-Straße aussehen könne. Die Räte und auch die Jugendlichen in den Besucherreihen waren begeistert von den Plänen. Eine Entscheidung wurde aber auf die kommende Sitzung vertagt, damit sich bei den Ratsmitgliedern die Kosten setzen können. Die Anlage ist knapp 200 000 Euro teuer, im Haushalt waren eigentlich nur 50 000 eingestellt worden.

„Das wird wie eine Autobahn gebaut“

Im vergangenen Jahr hatte sich der Gemeinderat ein ungenutztes Grundstück ausgesucht, das bereits eingegrünt ist und in der Verlängerung von Schule, Sportgelände und Spielplatz liegt. Eigentlich sollten nach dem Antrag von Jugendlichen aus dem Ort auf dem Gelände Erdhügel modelliert werden, damit sie mit dem Fahrrad ihren Spaß haben können. Doch in der Planung tauchten neue Fragen auf, beispielsweise nach der Haftung durch die Gemeinde. Diese nahm sich dann Robin Specht und dessen Firma Radquartier ins Boot – mit dem veränderten Plan, eine asphaltierte Runde zu schaffen.

Auf diesem Gelände an der Pfarrer-Egger-Straße in Hohenkammer soll die Pumptrack-Anlage realisiert werden.

„Das wird wie eine Autobahn gebaut“, sagte Specht und machte deutlich, dass die Anlage vom TÜV abgenommen werde. Gegenüber der Erdvariante habe die Gemeinde mindestens zehn Jahre lang keine Unterhaltskosten und Wartungsarbeiten außer dem Rasenmähen neben der Strecke.

Specht stellte eine Anlage vor, die es in vergleichbarer Form bereits in Aschheim im Kreis München gibt. Die Anlage besteht aus einer großen Runde, die von „Fünf- bis 99-Jährigen“ gefahren werden könne, sowie einer zweiten, kleineren Strecke für Kleinkinder. Specht machte deutlich, dass 16 verschiedene Sportarten von verschiedenen Mountainbike-Disziplinen über Skateboard bis Inline, Rollstuhl oder Laufrad auf der Bahn möglich seien.

Sorgen wegen Lautstärke und fehlender Parkplätze

Die Gemeinderäte waren sehr angetan von der Idee, eine spektakuläre Einrichtung für die Jugendlichen aus dem Ort zu schaffen. „Ich bin begeistert“, sagte etwa 2. Bürgermeister Michael Loy. „Wir nehmen hier Groß und Klein mit ins Boot.“  

Einwände wurden jedoch laut, dass die Anlage direkt neben dem Wohngebiet zu laut werden könnte, und auch fehlende Parkplätze wurde bemängelt. „So laut sind die Kinder nicht“, sagte Ernst Kauer (SPD). „Bei der Dimension habe ich etwas Angst“, gab CSU-Rätin Gertraud Wagatha zu. Sie wünschte sich eine neuerliche Standortsuche und dachte an Bereiche nahe dem Gemeindestadl mit Distanz zum Wohngebiet. Dazu entgegnete Bürgermeister Mario Berti, dass diese Flächen im Überschwemmungsgebiet liegen und nicht versiegelt werden dürfen. Zum Argument fehlender Parkplätze sagte Berti, „dass die Nutzer mit dem Fahrrad kommen“. Außerdem habe man wenige Meter entfernt am Sportgelände reichlich Parkflächen.

Entscheidung auf nächste Sitzung vertagt

Alexander Stampfl stellte dann den Antrag auf Vertagung, weil die Kosten der Anlage mit 183 000 Euro deutlich über den Planungen der Gemeinde liegen würden. Ortschef Berti sagte hier, dass die Kommune in einem anderen Bereich bereits sichere Mehreinnahmen habe und sich die Anlage deshalb in dem großen Volumen leisten könne. Mit 8:6 Stimmen wurde die Entscheidung auf die nächste Sitzung vertagt.

Die Gemeinde Hohenkammer wird finanziell stressfrei durch die Pandemie kommen. Der Gemeinderat verabschiedete einen soliden Haushalt, von dem anderen Kommunen nicht einmal zu träumen wagen.

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