Mit seinen via YouTube und Facebook live gestreamten Auftritten von Zuhause aus erreicht der Musiker trotz Ausgangsbeschränkung ein breites Publikum.
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Mit seinen via YouTube und Facebook live gestreamten Auftritten von Zuhause aus erreicht der Musiker trotz Ausgangsbeschränkung ein breites Publikum.

Hohenkammer

Per Livestream: Musiker Andy Nickel bringt New-Country-Fans in ihren Wohnzimmern zum Tanzen

New Country made in Hohenkammer: Musiker Andy Nickel liefert den Sound für Line Dancer – via Internet-Livestream auch in Zeiten der Corona-Krise.

Hohenkammer – Zurzeit haben es natürlich auch die Musiker schwer: Sämtliche Konzerte wurden aufgrund der Corona-Krise abgesagt. Immer häufiger wird deshalb die Möglichkeit genutzt, auf Facebook oder YouTube Songs oder gleich ganze Konzerte live zu streamen. Einer dieser Musiker ist Andy Nickel mit seiner One-Man-Band – allerdings präsentiert er etwas ziemlich Außergewöhnliches: Nickel bietet mit New-Country live den Soundtrack für Line Dancer.

Line Dance ist eine Form des choreografierten Gruppentanzes, den man vor allem als amerikanisches Show-Element kennt; Westernhut, Fransen-Jacke und Stiefel – Stars and Stripes forever. Kurioserweise ist dieser Tanz mit den verschiedensten Einflüssen in Amerika so gut wie ausgestorben, weiß Nickel zu berichten. In Europa aber gibt es nach wie vor eine gut vernetzte Fan-Gemeinde, die nun auch auf Nickel in Hohenkammer gestoßen ist.

Einmal die Woche werden Musikwünsche geäußert – und erfüllt

Aktuell streamt der Musiker einmal pro Woche, jeden Freitag, eine über zwei Stunden lange Show. Wenige Tage zuvor können Tanzbegeisterte auf einer Song-Liste online ihre Musikwünsche aus 138 Vorschlägen aussuchen – und da ist vieles dabei: von Garth Brooks über Johnny Cash bis hin zu Lynyrd Skynyrd. Das Besondere: Jeder Song hat im Grunde seinen eigenen Tanz, auf der Set-Liste gibt es dazu ebenfalls Vorschläge. „Das ist wirklich crazy“, sagt Nickel und betont: „Die Tänze sind unglaublich komplex.“

Wenn der Country-Man aus Hohenkammer online geht, wird in so manchem Wohnzimmer der Teppich aufgerollt. Sein Publikum, die meisten eher im reiferen Lebensalter, schicken ihm nach den Online-Gigs Fotos, Videos und Nachrichten. „Die Leute werfen sich in Schale und tanzen einfach los“, erzählt Nickel und man merkt, wie sehr ihn dieses Feedback freut – auch weil er während des Auftritts keine visuelle Verbindung zu seinen Zuschauern hat. 

Es lief sehr gut an - aber dann kam die Corona-Krise

Nickel, der hauptberuflich als Selbstständiger im Bereich Online-Consulting arbeitet, macht eigentlich schon seit seiner Kindheit Musik. „Ich komm von den Tasten“, so der 39-Jährige, der über die Orgel zur Gitarre fand. Die Entdeckung der Country-Musik dann am Ende der Teenagerzeit war eine Liebe, die bis heute hält. Nickel ist sicher: „Diese Art der Musik wird unterschätzt – Country ist faszinierend und sehr facettenreich.“ Der geborene Unterfranke probierte sich in verschiedenen Bands aus, auch bei der Partyband Get up. Diese Zeit habe ihm viel Spaß gemacht, wie auch die Auftritte mit den Hawkhunters, mit denen er viel in der Szene herumgekommen sei. 

Auf der Bühne steht Andy Nickel als Solo-Artist erst seit diesem Jahr – doch dann machte auch ihm die Corona-Krise einen Strich durch die Rechnung.

2014 dann die Reise zum Heiligen Gral der Country-Szene: Zur Grand Ole Opry nach Nashville: „Sagenhaft, es ist einfach das Epi-Zentrum dieser Musik – überall grandiose Musiker“. Nach dem Ausstieg bei den Augsburger Hawkhunters nahm Nickel erst wieder 2019 die Gitarre in die Hand, 2020 folgten die ersten kleinen Auftritte als Solo-Artist. Es lief sehr gut an, aber dann kam die Corona-Krise. 

Sogar aus Frankreich und Italien schalten sich die Fans online zu

Nickel ist ein überaus positiv denkender Mensch: Er nutzte den Shut-Down, um über das Streaming ein neues Publikum zu finden. Für ihn war es eine gute Möglichkeit, viele Leute kennenzulernen: „Die Line-Dance-Gemeinschaft ist eine sehr dankbare Szene und hat ein treues Publikum – auch, weil es so wenige Musiker dafür gibt.“ Es schalten sich sehr viele Begeisterte online zu, sogar einige aus Frankreich und Italien. 

Über „Backing-Tracks“ spielt Nickel live Gitarre und singt die gewünschten Songs – eine Art Karaoke plus Gitarre. Das sei in dieser Situation viel einfacher, als mit einer ganzen Band zu spielen – außerdem genießt der Musiker aktuell die Freiheit des Alleinunterhalters, ganz in bester Tradition der mitreißenden Show der formidablen Soggy Bottom Boys aus dem Film „O Brother, Where Art Thou“: Ein Nashville-Herz schlägt in Hohenkammer.

Benefiz-Stream am 8. Mai geplant

Die nächste Line-Dance-Party per Livestream gibt‘s am Freitag, 1. Mai, ab 20 Uhr. Am Freitag, 8. Mai, ist bei Andy Nickel einen Charity-Stream für mehr Aufmerksamkeit für das 5p-Syndrom geplant, dem sogenannten „Katzenschrei-Syndrom“ – eines sehr seltenen Gen-Defekts, der Behinderungen nach sich zieht.

Hier geht‘s zu den Kanälen von Andy Nickel auf der Video-Plattform YouTube sowie im Sozialen Netzwerk Facebook.

Richard Lorenz

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