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Schluss mit Freilauf: Auch im Landkreis Freising ist die Stallpflicht in Sicht

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Von: Andrea Beschorner

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Schluss mit Freilauf: So wie diesen Hühnern könnte es schon bald allen im Landkreis gehen. Die Halter sind bereits aufgefordert, sich auf eine Stallpflicht einzustellen.
Schluss mit Freilauf: So wie diesen Hühnern könnte es schon bald allen im Landkreis gehen. Die Halter sind bereits aufgefordert, sich auf eine Stallpflicht einzustellen. © dpa

Auf Geflügelhöfen und auch unter Hobbygeflügelhaltern und -züchtern geht gerade die Angst vor einer Seuche um: Die Vogelgrippe rückt näher.

Bereits seit Ende Oktober des vergangenen Jahres treten in zahlreichen Bundesländern bei Wasser- und Greifvögeln Erreger der hoch ansteckenden Geflügelpest auf. Jetzt hat das Virus Bayern erreicht. Derzeit sind vier Landkreise betroffen: Starnberg, Passau, Landsberg am Lech und Haßberge. Dort wurde der Erreger in Wildvögeln nachgewiesen. Zudem hat, laut Landratsamt Freising, das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) Ende Januar einen einzelnen Vogelgrippeausbruch in einem kleinen Hausgeflügelbestand mit rund 20 Hühnern im Landkreis Bayreuth bestätigt.

Seit dem 4. Februar hat nun das Landratsamt Freising eine Allgemeinverfügung erlassen, in der verstärkte sogenannte Biosicherheitsmaßnahmen angeordnet sind. Das bedeutet: konsequenter Kleider- und Schuhwechsel vor Betreten des Stalls, Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen sowie Sicherung gegen unbefugtes Betreten der Haltungen. „Dadurch können die Einschleppung des Erregers und die daraus resultierenden erforderlichen Maßnahmen, im schlimmsten Fall die Tötung des Bestandes, verhindert werden“, erklärt Landratsamts-Pressesprecher Robert Stangl. Zudem sind alle Geflügelhalter im Kreis dazu aufgerufen, sich auf eine Stallpflicht vorzubereiten und schon jetzt darauf zu achten, dass ein Kontakt zwischen Hausgeflügel und Wildvögeln unterbunden wird.

Kaum Veränderung bei Bodenhaltung

Das FT hat sich umgehört, was diese Allgemeinverfügung für die Geflügelhöfe bedeutet. Robert Kistler hat für seinen Geflügelhof in Untermarbach bei Hohenkammer keine großen Veränderungen zu befürchten: „Das kommt immer auf die jeweilige Haltungsform an. Da unsere Tiere von Haus aus in Bodenhaltung im Stall sind, ist der zusätzliche Aufwand für uns nicht so groß.“ Vor dem Betreten des Stalls werden eigene Stallkleidung angelegt und die Schuhe desinfiziert – „ich kann das durch eigene Hygienemaßnahmen beeinflussen, ob ich etwas einschleppe, das ist freilich ein Riesenvorteil gegenüber der Freilandhaltung.“

Viel zusätzliche Arbeit für Biobetrieb

Dass die näherrückende Vogelgrippe viel zusätzliche Arbeit bedeutet, weiß Christian Meidinger, der in Mintraching einen Biohof mit 660 Legehennen betreibt. „Wir haben das schon mal erlebt bei der letzten Geflügelpest und wissen daher, was das für ein Riesenaufwand ist.“ Rein rechtlich dürfte er die Tiere in dieser Situation einfach in den Stall sperren, ohne die Biozertifizierung zu verlieren. „Wir können ja nichts dafür, wir hätten theoretisch das Okay vom Bioverband.“ Da Christian Meidinger aber das Tierwohl am Herzen liegt, baut er seinen Hühnern für die drei mobilen Ställe Volieren, damit sie weiterhin genügend Auslauf haben. Es ist eine Art Zelt, das die Hühner vor Eintrag und vor Wildvögeln und deren Hinterlassenschaften schützt, erklärt Meidinger. In Kombination mit einem strengen Hygienekonzept sei das Risiko einer Verschleppung der Viren, wenn sie denn in der Nähe wären, äußerst gering. Und tatsächlich wirke sich die Stallpflicht auch auf das Legeverhalten der Hühner aus: „Wenn die Tiere sich weniger bewegen, verbrauchen sie weniger Energie, die sie dann zur Verfügung haben, um mehr Eier zu legen“, erklärt Hühnerexperte Meidinger. Deswegen sei auch die Käfighaltung die ertragreichere Haltungsform, die er seinen Tieren trotzdem nicht würde antun wollen.

Freiwillige Stallpflicht ohne große Folgen

„Wir haben das Glück, unseren Stall nur zu einem Viertel belegt zu haben, so dass unsere Tiere auch bei einer Stallpflicht noch Auslauf ohne Ende haben“, erklärt Landwirtschaftsmeister Helmut Steber vom Gut Eichethof am Schloss Hohenkammer. Seit der Allgemeinverfügung bedeutet das für die aktuell 250 Masthähnchen, die eigentlich ab der fünften Woche Auslauf genießen, schon jetzt Stallpflicht. „Bei dem Wetter gehen die Tiere ohnehin kaum raus – und da mehr als genügend Platz zur Verfügung steht, macht den Tieren das auch nichts aus“, erklärt Steber.

Anders sei das bei rein auf Geflügelmast ausgelegten Großbetrieben. Wenn die Tiere da durch eine plötzliche Stallpflicht weniger Platz und nicht mehr den gewohnten Auslauf hätten, würden sie schnell auch aggressiv.

Wintergarten statt Freilauf

Etwa 5000 Tiere leben auf dem Geflügelhof von Michael Riedl in Thurnsberg bei Kranzberg. Und eigentlich dürfen die Tiere auch raus – wäre da nicht die Vogelgrippe. Um die Zeit zu überbrücken, bis er seinen Tieren wieder ihren Freilauf gönnen darf, behilft sich Michael Riedl mit einem Wintergarten, einem überdachten Bereich mit Windschutznetz. Trotz dieser Alternative zum Freilauf merkt Riedl, dass die Tiere zu der Zeit, zu der sie eigentlich nach draußen dürfen, „schon ein wenig rebellieren“.

Die Vogelgrippe hat er auf seinem Familienbetrieb, der im Jahr 1965 auf Hühner umgestellt hat, schon dutzende Male erlebt, wie er sagt. Auf dem Hof selbst hat das Virus zum Glück noch nie um sich gegriffen. „Das wäre der absolute Supergau, der uns bisher zum Glück erspart geblieben ist.“

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