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Public Viewing vor der Mehrzweckhalle: Kandidaten und Bürger verfolgten das Eintrudeln der Wahlergebnisse mit Spannung.

Krach hinter den Kulissen

Wahlnachlese Hohenkammer: Farbspiele, Logo-Debatte und eine Kampfansage

  • vonNico Bauer
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In Hohenkammer waren die Gemeinderatssitzungen bislang geprägt von Harmonie. Das könnte nun vorbei sein, denn in den zwei Wochen zwischen der nachgeholten Bürgermeisterwahl und der Stichwahl schepperte es dem Vernehmen nach hinter den Kulissen gewaltig.

Deutliche Worte fand Susanne Hartmann (hier mit ihrem Mann Siegfried) nach der Wahl.

Hohenkammer  Im Mittelpunkt des Zwistes standen die in der Stichwahl mit 70 Stimmen unterlegene Susanne Hartmann (FDP) und die zuvor bereits ausgeschiedene Marina Brandstetter (BvHo). Ein großer Aufreger war eine Anzeige von Wahlunterstützern für Susanne Hartmann, die farblich von der FDP so weit entfernt war wie die Erde vom Mond. Marina Brandstetter warf daraufhin Susanne Hartmann vor, bewusst Farben nahe der Bürgervereinigung verwendet zu haben, um eine Wahlempfehlung der mit der CSU stärksten Gruppierung im Gemeinderat vorzugaukeln. Dabei hatte Brandstetter vor zwei Wochen sofort betont, dass die BvHo sich aus der Stichwahl komplett heraushalten wolle und keine Wahlempfehlung abgebe.

Hartmann kündigt Nachspiel an

Susanne Hartmann weist die Vorwürfe zurück: Die Anzeige sei nicht von ihr, sondern von ihren Unterstützern geschaltet worden. „Ich wusste davon nichts.“ Weiter betont sie, selbst eine „Rot-Grün-Schwäche“ zu haben und farblich das Problem selbst auch gar nicht zu sehen. Hartmann wurde auf Nachfrage noch deutlicher: „Das sind infame Unterstellungen von Frau Brandstetter. Sie hat bei der Wahl haushoch verloren und kartet nun nach.“ Weiter deutet die FDP-Gemeinderätin an, dass die vergangenen Tage in den kommenden sechs Jahren Gemeinderat ein Nachspiel haben werden.

Und der neue Bürgermeister? Mario Berti hat sich aus dem Streit im gar nicht mehr so harmonischen Hohenkammer herausgehalten. Jetzt räumt er aber ein, in dieser Sache „schon auch bei Frau Brandstetter“ zu sein. Grundsätzlich seien laut Berti „die letzten zwei Wochen hart und nicht schön“ gewesen. Er hofft nun, dass „der Zirkus“ mit der nun abgeschlossenen Wahl ebenfalls wieder beendet ist.

Mario Berti muss die Gräben nun zuschütten

Berti hat durchaus eine Aufgabe vor der Brust, die Gräben, die sich da in den vergangenen zwei Wochen aufgetan haben, im Gemeinderat als Moderator an der Spitze des Gremiums wieder zuzuschütten.

Deutliche Worte fand Susanne Hartmann (hier mit ihrem Mann Siegfried) nach der Wahl.

Was im Wahlkampf ebenfalls aufgefallen war: Susanne Hartmann verzichtete während des Wahlkampfs weitestgehend auf das FDP-Logo etwa auf den Wahlplakaten. Nach der Stichwahl deutete Mario Berti auf den CSU-Anstecker an seiner Jacke und zeigte den Stolz auf seine politische Herkunft. „Kandidaten und Mitglieder der CSU haben sogar die Pflicht, das Logo zu verwenden“, sagt Berti. Er könne da schon verstehen, dass die Menschen darüber verärgert seien. Konkret darauf angesprochen, ob sie als Bürgermeisterkandidatin die FDP-Zugehörigkeit verschwiegen habe, antwortet Hartmann mit einem energischen: „Nein!“ Vielmehr habe sie „bewusst auf das FDP-Logo verzichtet, weil es nicht um Parteien ging, sondern um Personen. Das war die Wahl zwischen Frau Hartmann, Herrn Berti, Frau Brandstetter und Herrn Kopp.“

In ihrem ersten Statement nach der Wahl („Man hat meine Arbeit nicht wertgeschätzt“) kann man so auch zwischen den Zeilen lesen, dass bei der Stichwahl manche Bürger nicht nach Personen, sondern traditionell nach der Partei gewählt haben. „Wenigstens waren es 70 und nicht sieben Stimmen Unterschied“, sagt die Gemeinde- und Kreisrätin. Zur Debatte zum „unterschlagenen FDP-Logo“ meint sie abschließend: „Ich bin Susanne Hartmann und nicht Christian Lindner…“

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