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Portrait eines Künstlers

Holzbildhauer aus Fürholzen: Eine Odyssee zum Traumberuf

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Fürholzen - Manuel Lindermeier aus Fürholzen ist 27 Jahre alt – und Holzbildhauer. Bis er sich über seinen Berufsweg sicher war, dauerte es aber. Er hat sich lange nicht getraut, diesen Weg einzuschlagen.

Vom Abiturient zum Holzbildhauer – nicht unbedingt ein Weg, den viele gehen. Aber der, den Manuel Lindermeier (27) aus Fürholzen eingeschlagen hat.

Es ist das Jahr 2008: Der junge Mann mit den kurzen, lockigen Haaren hat’s geschafft – Schulbank adé. Den lockeren Lebensstil eines Abiturienten kann er aber nicht lange pflegen: Es geht zum Bund nach Dillingen, dann nach Erding. Gesamtdauer: neun Monate. Nicht viel Zeit, um sich selbst zu verwirklichen, seinen Hobbys nachzugehen.

Ende 2009 startet er dann seine Ausbildung zum Fischwirt in Eching. In jeder freien Minute zückt er aber sein Schnitz-Messer, gestaltet seine ersten kleinen Werke. Auch an Workshops nimmt er in seiner Freizeit teil – „was für andere das Skifahren ist, ist für mich das Schnitzen“, sagt Lindermeier. Und genau wie zum Skifahren fährt er für Lehrgänge nach Österreich. Er bezahlt alles aus eigener Tasche. Der erste Schritt zum großen Traum. Seine Ausbildung schließt er nach zwei Jahren ab – trotzdem traut er sich immer noch nicht, Holzbildhauer zu werden.

Er setzt auf ein Studium der Agrarwissenschaften. Aber tief im Innern sträubt sich etwas. Eine leise Stimme flüstert ihm zu, dass er eigentlich etwas anderes machen, seinen Traum verwirklichen möchte: Holzbildhauer zu werden. Die üblichen Zweifel nagen an ihm: „Ist das ein Beruf mit Zukunft? Soll ich es riskieren?“ In Zeiten von großen Möbelhäusern, die alles mögliche von Couch, Tisch und Dekoration haben und zu Dumpingpreisen anbieten, haben es Bildhauer, Schreiner und Co. schwer. Nach zwei Semestern traut er sich aber trotzdem. Und erhält eine Chance, die sich ihm wohl nicht mehr bieten wird.

Er darf auf die Landesberufsschule für das Kunsthandwerk Gröden in St. Ulrich (Südtirol) – der Heimat der Schnitzer und Bildhauer. Er bricht das Studium ab und sagt zu. Eine regelrechte Odyssee beginnt.

Er kann direkt in die vierte Klasse einsteigen. Der Grund: Die Stufen eins bis drei sind mehr eine schulische Grundausbildung – eine Art Mittlere Reife. In der vierten Jahrgangsstufe ist das Holzschnitzen im Fokus, in der fünften dann das Holzbildhauen. Und das Niveau ist richtig hoch: „Ich habe schon eine Eingewöhnungszeit gebraucht.“ Grund: Er hatte nur die Vorkenntnisse, die er sich selbst beigebracht hatte. Ein Rohdiamant, ungeschliffen.

Von 40 Wochenstunden sind 25 Schnitzen, fünf Modellieren, zwei Zeichnen und nur acht Theorie. Darauf legen die Lehrer, die auch meist selbst als Bildhauer noch aktiv sind, sehr viel wert. Und es zahlt sich aus: In der Prüfung ist er einer der besten in der Klasse, die sich aus Schülern aus Serbien, Frankreich, Österreich, Italien, England und Deutschland zusammensetzt. Ein erster großer Erfolg, der ihn in seiner Entscheidung bestätigt. Allerdings läuft im zweiten Jahr nicht alles wie geplant – er muss die Prüfung zweimal absolvieren. Das geht aber nicht sofort. Ein Jahr muss er wieder pauken, dann, im September 2015, klappt es allerdings mit Leichtigkeit.

Lindermeier ist ein Idealist, ein Träumer, aber auch ehrgeizig. Er weiß: Macht man sein Hobby zum Beruf, „hört der Spaß irgendwann auch einmal auf“. Er sieht sich selbst zwar als Künstler, muss aber auch seine Brötchen verdienen. Sein Ziel ist, irgendwann einmal seine Werke zu verkaufen. Und zwar nicht nur die, die er nach Aufträgen herstellt – sondern vor allem die, die er in kreativen Phasen herstellt. Die, für die er Holzbildhauer und im September selbstständig geworden ist.

Seit einigen Wochen hat er neben der Arbeit noch eine viel größere Aufgabe: Seine Freundin Sabine hat gesunde Zwillinge zur Welt gebracht. Ob sich Manuel Lindermeier da mit dem „Zurechtschnitzen“ ähnlich leicht tun wird, ist allerdings fraglich.

Gut zu wissen

Wer Interesse an Lindermeiers Arbeiten hat, erreicht ihn über die Mail-Adresse manuel_lindermeier@web.de.

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