„Warum hängst du denn da“, wollte Augenzeugin Sylvia Zech von einem Aktivisten an der A92 wissen.
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„Warum hängst du denn da“, wollte Augenzeugin Sylvia Zech von einem Aktivisten an der A92 wissen.

Meinungen zur Aktion gehen auseinander

„Warum hängst du da?“: Nach spektakulärem IAA-Protest auf A92 - Augenzeugin erzählt von skurrilem Gespräch

  • Manuel Eser
    VonManuel Eser
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Die Protest-Aktion im Zuge der IAA auf den Autobahnen A92 und A9 hat für ein geteiltes Echo gesorgt. Die Bewertungen reichen von „ganz gut“ bis „grob“.

Landkreis – Mit Wut, Irritation, aber auch Verständnis haben Betroffene auf die spektakuläre Protestaktion gegen die Internationale Automobilmesse reagiert. Wie berichtet, hatten sich am Dienstagvormittag 15 Aktivisten von Autobahnbrücken abgeseilt und Schilder mit ihren Botschaften überklebt.

IAA-Proteste auf Autobahnen: Meinungen gespalten

„Verkehrskollaps“ und „NO IAA“ war etwa auf der A 9 bei Fürholzen zu lesen. Auch die A 92 bei Neufahrn wurde Schauplatz einer Aktion. Über Stunden wurden die Autofahrer ausgebremst.

IAA-Protest auf der A9: Feuerwehrkommandant berichtet - „Das war Wahnsinn“

Friedrich Moser hat als Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Allershausen schon einige knifflige Einsätze auf der A 9 erlebt. „So etwas aber noch nie“, berichtet er dem FT. Seine Leute waren am Dienstagmorgen ebenfalls alarmiert worden – ursprünglich „nur“, um den Verkehr von der Autobahn, die zum Schutz der Menschen komplett gesperrt werden musste, abzuleiten. „Dann wurden wir von der Polizei aber auch gebeten, unsere Drehleiter zur Verfügung zu stellen, um die drei Aktivisten vor Ort runterzuholen.“

Friedrich Moser, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Allershausen

Die Polizisten vom Spezialeinsatzkommando (SEK) wurden im Korb von den Allershausenern nach oben transportiert. Wie Moser mitteilte, ließen sich die Kletterer ohne Widerstand festnehmen. Für die Polizei sei es dennoch kein einfacher Einsatz gewesen. Denn von der Brücke aus hätten weitere Aktivisten mit dem Handy alles gefilmt – „um dann zu sagen: Schaut her, die böse Polizei!“

Die ließ sich nicht provozieren. Die Aktivisten hatten aber laut Moser auch so alles erreicht, was sie wollten: Kollaps und Chaos zu erzeugen. „Was die verursacht haben, war Wahnsinn. Familien mit kleinen Kindern sind festgesteckt, Menschen haben ihre Flüge verpasst, und vor allem auch Krankenwagen konnten nicht mehr weiterfahren.“ Die Feuerwehr habe es dann geschafft, zumindest Intensivtransporte, wo es um Menschenleben ging, durchzubringen. Umso schlechter ist Moser auf die Aktivisten zu sprechen. „Man kann eine andere Meinung haben und die auch vertreten, aber dann muss man das anders tun. Denn das war grob.“

Mit einer Drehleiter unterstützte die Feuerwehr Allershausen das SEK beim Einsatz auf der A 9.

Der Kommandant verhehlt auch nicht, dass sich bei seinen Leuten ob des Einsatzes „ganz schön Wut“ breitgemacht hat. Schließlich würden die freiwilligen Helfer aus ihrer Freizeit oder Arbeit gerissen. „Die Firmen sind da sehr kulant, und wir helfen gerne. Aber wenn das wegen solcher Chaoten passiert, ist das schon ein Problem.“

IAA-Protest auf der A92: Augenzeugin stellt klar - „Eine sinnfreie Geschichte“

Für Sylvia Zech endete die Routine um 9.10 Uhr. Die Neufahrerin wollte am Mittwoch wie so oft zum Mühlsee spazieren. Der Weg führte sie dabei über die Brücke der A 92, an der sich ebenfalls gerade Aktivisten zu schaffen machten. „Alles war schon abgesperrt“, berichtet sie dem FT. Fußgänger und Radfahrer durften dennoch passieren. Sylvia Zech aber blieb stehen.

Sie entdeckte einen der am Seil hängenden Aktivisten. „Da habe ich einen Polizisten gefragt, ob ich mich mit dem mal unterhalten darf. Und der hat geantwortet, dass das kein Problem ist, solange ich den Mann nicht beleidige.“ Angst oder Scheu davor, den Aktivisten anzusprechen, hatte Sylvia Zech nicht. „Wenn‘s sein muss, spreche ich jeden an, da bin ich schmerzfrei“, sagt sie. Und so entwickelte sich ein kleiner Meinungsaustausch zwischen der Neufahrnerin und dem Aktivisten.

Sylvia Zech aus Neufahrn unterhielt sich mit einem Aktivisten.

„Warum hängst du denn da?“, fragte Sylvia Zech ganz ohne Scheu. Der Mann antwortete, er wolle Aufmerksamkeit erzielen. Zech zurück: „,Man kann schon etwas erreichen, aber halt nicht mit solchen Aktionen. Die bewirken eher das Gegenteil, weil sie Ärger und Wut auslösen.“ Menschen würden sicher nicht wegen ihm aufs Fahrrad umsteigen.

Der Aktivist habe sich nicht nur bereitwillig fotografieren lassen, sondern sei insgesamt sehr redselig gewesen. „Und er war hörbar nicht aus Bayern“, berichtet die Neufahrerin. „Auf dem Fahrrad wird auch er nicht hierhergekommen sein.“ Auf ihre Frage, ob er denn nicht auch Auto oder Flugzeug benutzt habe, schwieg der ansonsten so Redselige aber. So lautet Sylvia Zechs Fazit tags darauf auch: „Diese Aktion war eine sinnfreie Geschichte.“

Protest gegen die IAA - der Klimaschützer: „Aus Verzweiflung gezwungen“

Möglicherweise, sagt Sepp Beck, würde er die Aktion anders bewerten, wenn er selbst im Auto gesessen und ausgebremst worden wäre. „Aber als Außenstehender habe ich die Aktion ganz gut gefunden.“ Er, der sich selbst in der Freisinger Agenda21-Gruppe „Energie und Klimaschutz“ engagiert, hat Verständnis für die Aktivisten.

„Dass Menschen, denen der Planet am Herzen liegt, sich aus einer gewissen Verzweiflung heraus zu solchen Aktionen gezwungen sehen, kann ich bestens nachvollziehen, wenn man sieht, wie wenig man mit den normalen Mitteln, die einem so zur Verfügung stehen, erreicht.“ Und man müsse auch sehen, dass Greenpeace für die Umwelt mit ihren Strategien deutlich mehr erreiche als andere mit einer braven Postkarten-Aktion.

Sepp Beck, Klimaschützer aus Freising

Für Beck haben die Autobahn-Kletterer den richtigen Nerv getroffen. Denn während alle anderen Sektoren den CO2-Ausstoß verringern würden, gehe er beim Verkehr immer noch weiter nach oben. „Und wenn ich sehe, welche Fahrzeuge auf der IAA so beworben werden, dann geht es da nicht um den Zweck der Personenbeförderung, sondern um größer, schwerer, schneller. Das sind vom Design her schon halbe Raketen.“

Lesen Sie auch: Als Experte möchte sich Hermann Mayr selbst nicht bezeichnen: „Ich hab sie halt.“ Sie – das sind rund 100 Kakteen, die bei Mayr im Allershausener Garten stehen. Noch mehr Nachrichten aus der Region Freising lesen Sie hier. Übrigens: Alle Entwicklungen und Ergebnisse zur anstehenden Bundestagswahl aus Ihrer Region sowie alle anderen wichtigen Geschichten aus der Region Freising gibt‘s jetzt auch in unserem regelmäßigen Freising-Newsletter.

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