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Bäcker und bald Stadtrat: Thomas Grundner (Freie Wähler) gibt sich im FT-Interview als Macher und Mann der Zahlen.

Bäckermeister und FW-Nachrücker im Interview

Moosburgs neuer Stadtrat Thomas Grundner: "Ich will keine Streitpolitik"

Moosburg - Hinrich Groeneveld hat sein Stadtratsmandat niedergelegt - und macht den Weg frei für Nachrücker Thomas Grundner. Im Interview spricht der Bäckermeister über seine politischen Ziele.

Sein Lieblingsfilm ist Easy Rider, sein Motto lautet „Leben und Leben lassen. Er betreibt neun Bäckereifilialen in und um Moosburg – und ab 11. Januar wird Thomas Grundner, Jahrgang 1963, für die Freien Wähler im Stadtrat sitzen. Wir haben uns mit dem Mann, der bald Hinrich Groenevelds Platz einnimmt, unterhalten – über Grundners verspäteten Einzug, ein anspruchsvolles Zeitmanagement, seine Ziele – und die „H-Frage“: Was tun mit dem Hallenbad?

-Glückwunsch, Herr Grundner, Sie haben es von der Auswechselbank der Freien Wähler in den Stadtrat geschafft.

Danke, ja so könnte man sagen. (lacht) Aber es war damals auch knapp bei der Wahl: Mir haben nur 29 Stimmen gefehlt. 1531 Wähler wollten, dass ich in den Stadtrat ziehe, deshalb ist es jetzt auch eine Selbstverständlichkeit, dass ich antrete. Es ist mir eine Ehre. (Grundner spricht schnell, die exakte Zahl 1531 – wie auch alle noch folgenden Zahlen – sprudelt aus ihm heraus, obwohl die Wahl mittlerweile eindreiviertel Jahre zurückliegt.)

-Warum sind Sie der Richtige für den Stadtrat?

Ich führe ein Unternehmen mit 92 Mitarbeitern. Ich muss täglich mit dem Geld, das ich einnehme, auskommen – und zwar ohne einen Cent an staatlichen Zuschüssen. Wer so etwas noch nicht gemacht hat, kann sich das gar nicht vorstellen. Wie sagt man noch? Man muss den Bären erlegen, bevor man die Felle verteilt.

-Ist das jetzt eine Kampfansage an die bisherige Politik der Stadträte?

Nein. Ich will keine Streitpolitik, sondern eine gedeihliche Zusammenarbeit über die Parteigrenzen hinaus, um das Positive zu erreichen. Es ist schon sehr viel passiert unter Anita Meinelt, sie hat Moosburg definitv vorangebracht. Was ich damit sagen will: Wenn ich nicht mehr einnehme, kann ich auch nicht mehr ausgeben. Ich möchte keine Schulden auf Kosten der Generationen nach uns machen.

-Und schon sind wir bei einer derzeit drängenden Frage in Moosburg: Können wir uns bei dieser Finanzlage ein neues Hallenbad leisten?

Wenn die alte Schwimmhalle, für sagen wir 200.000 Euro saniert werden kann und das dann drei, vier Jahre hält, dann ist das besser, als sich zu verschulden. Über ein neues Bad kann gesprochen werden, wenn es die Haushaltslage wieder zulässt.

Schwerpunkte: Innenstadt und Kinderkrippen

-Wofür wollen Sie sich noch stark machen?

Wir brauchen in Moosburg eine vernünftige Innenstadtpolitik. Man sollte nicht zu viele Parkplätze am Plan komplett streichen, das würde dem Zentrum nicht gut tun. Und ich möchte mich auch dafür einsetzen, dass es in der Stadt genügend Kinderkrippenplätze gibt. Damit die Frauen wieder in die Arbeit gehen können, während ihre Kinder gut betreut sind.

-Als Bäcker müssen Sie früh raus. Wenn die Sitzung mal länger dauert: Werden Sie dann vom Feyerabendhaus direkt in die Backstube springen?

Nein. Ich habe zwei Bäcker- und einen Konditormeister im Betrieb. Wenn eine Sitzung ansteht, dann werde ich erst um 5 Uhr anstatt wie sonst um halb 3 Uhr früh in die Arbeit gehen.

-Das klingt immer noch ziemlich anstrengend...

Sechs Stunden bedeuten für mich Ausschlafen. Das bin ich seit 35 Jahren gewöhnt. Dafür leg’ ich mich täglich zwischen 12 und 14 Uhr nochmal hin. Außerdem sind Sitzungstermine für mich nichts Neues. Das ist jetzt mein drittes Ehrenamt.

-Welche bekleiden Sie denn sonst noch?

Ich bin einer von 15 Aufsichtsräten in einer großen Konditoren-Einkaufsgenossenschaft für München und Altbayern. Da vertrete ich 1255 Mitglieder. Und ich bin Obermeister der letzten zwölf verbliebenen handwerklich arbeitenden Bäckereien im Landkreis.

-Also haben Sie bald eine weitere anspruchsvolle Aufgabe.

Ich hoffe, ich werd’ nicht gleich ins kalte Wasser geworfen und bekomme noch etwas Schonfrist zum Start.

Interview: Armin Forster

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