Impfkritik kostet Apothekensprecher sein Amt

Freising - Weil er sich öffentlich kritisch zum Thema "Impfen" äußerte, musste Apothekensprecher Thomas Bauer jetzt seinen Posten räumen.

Die Wirksamkeit so mancher Impfung bezweifelt der Inhaber der „Klosterapotheke“, dafür würden seiner Meinung nach die Nebenwirkungen heruntergespielt. Komplikationen würden den Nutzen überwiegen. Fazit seiner Erkenntnisse: „Die nicht geimpften Kinder sind auf Dauer die gesünderen Kinder.“

Damit steht er allerdings im Gegensatz zur offiziellen, amtlichen Position. Im Gesundheitsamt Freising etwa ist man tief besorgt über die Impfmüdigkeit vieler Bürger, die auf diese Weise ihre und die Gesundheit ihrer Kinder aufs Spiel setzen würden (wir berichteten). Bauers Kritik kommt dem Bemühen der Amtsärzte, die Impfrate etwa bei Mumps oder Masern deutlich zu erhöhen, nicht gerade entgegen.

Nicht zuletzt, weil der Betreiber der „Klosterapotheke“ seine Meinung auch öffentlich vertreten hat. Im September vergangenen Jahres etwa in einem Vortrag. Als das Freisinger Tagblatt darüber berichtete, war der Ärger in der Landesapothekerkammer enorm. „Der Präsident rief mich an und bat mich, mein Amt als Kreissprecher der Apotheker niederzulegen“, berichtet Bauer auf Anfrage. Er sei dem Wunsch nachgekommen. Kaum ein Jahr hatte er das Amt inne gehabt. Kurz darauf folgte noch ein Brief der Landesapothekenkammer. Der impfkritische Vortrag wurde „aus berufsrechtlicher Sicht“ als „Fehlverhalten“ gewertet - Konsequenzen wie etwa eine Rüge würden aber nicht folgen.

Die Kammer wies Bauer jedoch darauf hin, dass er künftig klarstellen müsse, dass es sich bei seiner Ansicht um eine wissenschaftliche Minderheiten-Meinung, nicht um die offizielle Lehre handle.

Damit hat Bauer grundsätzlich kein Problem: „Ich akzeptiere, dass das viele anders sehen - wenn man auch mich und meine Arbeit akzeptiert.“ Er betont, dass er seinerzeit den Vortrag „als Privatperson“ gehalten habe, nicht in seiner Funktion als Apothekersprecher. Bauer jedenfalls hat seinen Sprecherposten aufgegeben - er sei seit Anfang 2011 vakant.

„Wir suchen gerade einen neuen Sprecher“, bestätigte Katrin Gast, Pressesprecherin der Bayerischen Apothekenkammer. Die „fundamental“ andere Sicht der Dinge sei mit Bauers Posten als Vertreter von Verband und Kammer unvereinbar gewesen. „Für uns ist Impfen eine wichtige Präventionsaufgabe“, betont Gast: „Das ist Vorsorge im besten Sinne.“

Aber eben nicht für Apotheker Bauer. Der ist vor kurzem an Mumps erkrankt. Und mit ihm in dichter Folge weitere sechs Familienmitglieder, Freunde und Mitarbeiter. „Dabei“, sagt der Apotheker, „wurde ich als Kind geimpft“.

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