Am Flughafen ins Netz gegangen

Italiener verhaftet: 820 Millionen Dollar außer Landes geschafft

Er war schon in den Vereinigten Staaten. Doch bei der Ankunft in Charlotte hat den Mitarbeitern der US-Immigration wohl sein Pass nicht gefallen und sie haben den Italiener postwendend zurück nach Europa geschickt. Jetzt sitzt er in München im Gefängnis und wartet auf seine Auslieferung nach Brasilien.

Bundespolizisten haben am Donnerstagmorgen einen italienischen Staatsangehörigen bei seiner Ankunft aus Charlotte festgenommen. Die Behörden in Brasilien hatten seit über zehn Jahren nach dem 60-Jährigen mit internationalem Haftbefehl gesucht.

Ein Richter im brasilianischen Curitiba hatte den 60-jährigen Italiener mit brasilianischer Staatsangehörigkeit bereits Ende September 2004 wegen Steuerhinterziehung und Bildung einer kriminellen Vereinigung zu zehn Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Das Gericht hatte es als erwiesen angesehen, dass der Italiener im Laufe des Jahres 1996 unter Verwendung falscher Personalien mehrere Bankkonten eröffnet und darüber 820 Millionen US-Dollar illegal außer Landes geschafft hatte. Da der Verurteilte offensichtlich das südamerikanische Land verlassen konnte, bevor die dortigen Strafverfolgungsbehörden seiner habhaft werden konnten, erließ ein Haftrichter in Brasilien Anfang Oktober 2004 Haftbefehl gegen den Verurteilten. Mit diesem Haftbefehl baten die Brasilianer die Polizeibehörden weltweit über Interpol nach dem Untergetauchten zu suchen, ihn festzunehmen und nach Brasilien auszuliefern.

Dieser Bitte kamen Bundespolizisten im Erdinger Moos jetzt nach. Sie verhafteten den Italiener am Donnerstagmorgen bei seiner Ankunft aus Charlotte/USA.

Der 60-Jährige war offensichtlich am 25. Januar aus Italien in Charlotte/North Carolina angekommen. Anscheinend wegen Dokumentenproblemen hatten ihm die Amerikaner die Einreise verweigert und ihn mit dem nächstmöglichen Flug zurück nach Italien geschickt. Dies sollte der Flug am Abend des 25. über München nach Venedig sein. Am Morgen des 26. ist der Gesuchte dann im Fahndungsnetz der Bundespolizei am Münchner Airport hängen geblieben, als er vom ankommenden Flug auf seinen gebuchten Weiterflug in die Lagunenstadt umsteigen musste. Der brasilianische Italiener wollte den Beamten nach seiner Festnahme noch erklären, dass er zwar der Gesuchte wäre, nach ihm aber gar nicht mehr gesucht würde. Die brasilianischen Strafverfolgungsbehörden hätten ihm eine Amnestie zugesagt. Allerdings konnten die deutschen Bundespolizisten nirgendwo eine Bestätigung für die vermeintliche Amnestie einholen.

Also führten die Beamten den Festgenommenen am Nachmittag dem Haftrichter vor und lieferten den Mann anschließend auf richterliches Geheiß in die Justizvollzugsanstalt in München-Stadelheim ein. Dort muss er das durch die Generalstaatsanwaltschaft München betriebene Auslieferungsverfahren abwarten.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: Flughafenpolizei

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