Das erwartet der Bürgermeister

Interview: Ausblick mit Freisings OB Tobias Eschenbacher auf das Jahr 2016

Freising - „Arbeiten ist angesagt.“ Freisings Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher (Freisinger Mitte) weiß, dass die kommenden zwölf Monate arbeitsreich werden. Selten in der Stadtgeschichte hatte man so viele Großprojekte gleichzeitig abzuwickeln. Er spricht von einem Jahr der Baustarts.

-Was wäre Ihre Lieblingsschlagzeile 2016?

Ich würde mir diesen Titel und Traumschlagzeile wünschen: „Freising jubelt – Ministerpräsident Seehofer erteilt 3. Startbahn klare Absage!“ Und wenn die Startbahn ad acta gelegt wird, dann gibt es wieder ein großes Fest, zu dem wir auch den Ministerpräsidenten einladen und ihn genauso herzlich empfangen werden wie Christian Ude nach dem Münchner Bürgerentscheid. Das wäre so wichtig, denn die Startbahn stellt eine permanente Bedrohung für die Stadt Freising dar.

-Aber im Jahr 2016 hat man ja eh viel vor.

Ja, das stimmt. Wir werden mit dem Bau des Kombibades beginnen, in der Unteren Haupstraße rollen die Bagger zur Umsetzung der Innenstadtkonzeption an, und mit dem Tunnelbau für die Westtangente geht es ebenfalls los.

-Hand aufs Herz: Was schätzen Sie denn? Wie teuer wird die Westtangente am Ende?

Einen Tipp abzugeben, ist schwierig. Aber ich kann so viel sagen: Es stimmt mich vorsichtig optimistisch, dass sich ein großes Portfolio an Firmen bei den Ausschreibungen gemeldet hat. Das ist ein gutes Zeichen dafür, dass wir gute Preise erzielen können. Uns wurden ja schon Kosten von 130 Millionen Euro prognostiziert. 2015 sind die Kosten um rund fünf Millionen auf 91 Millionen gestiegen. Das ist nicht schön, aber von 130 Millionen sind wir da schon noch weit entfernt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Millionenbetrag nicht dreistellig wird. Aber es ist halt eine emotionale Sache.

-Das Vöttinger Bürgerforum hat gegen den Stadtratsbeschluss, ein neuerliches Bürgerbegehren zur Westtangente nicht zuzulassen, geklagt. Ist das eine Gefahr?

Ich weiß nur von der Klage, eine Begründung dazu kenne ich noch nicht. Im schlimmsten Fall kann es uns halt passieren, dass die Bürger neuerlich über die Westtangente abstimmen müssen. Aber ich glaube, dass sich die Vöttinger damit einen Bärendienst erweisen würden. Denn das Bürgerbegehren würde die Anbindung der Angerstraße akzeptieren. Und diese Maßnahme – ohne Westtangente – würde ja erst recht den Verkehr nach Vötting und in die Neulandsiedlung ziehen.

-Wie ist das Verhältnis zu den Bürgern in der Hauptstraße, die vehement gegen die Umsetzung der Innenstadtkonzeption auf Kosten der Anlieger kämpfen?

Wir sind da in einem ständigen Austausch, die Gespräche sind konstruktiv. Auch da ist halt vieles emotional. Das darf man nicht persönlich nehmen.

-Das Landratsamt prüft auf Bitten der Stadt, ob die Hauptstraße als Hauptverkehrsstraße eingestuft werden kann, um die Beteiligung der Bürger an den Kosten geringer zu halten. Gibt’s da schon ein Ergebnis?

Ja. Aber ich darf und will das nicht sagen, bevor ich darüber nicht die Stadträte am Montag im Finanzausschuss informiert habe.

-Und noch ein Großprojekt gibt es: die Sanierung des Asamkomplexes.

Das passt aber nicht ganz ins Jahr der Baustarts. Denn da wird es 2016 noch nicht so richtig losgehen. Denn wir haben zwar eine gute Finanzlage, aber eben auch viele große Projekte. Die Sanierung des Asam dürfte 45 Millionen Euro kosten. Und da wird das Jahr 2016 dazu genutzt werden, die Zuschüsse zu verhandeln und zu klären.

-Wie sieht es mit der Luitpoldanlage aus? Sport- und Mehrzweckhalle sind nicht mehr die jüngsten.

Wir machen die notwendigsten Maßnahmen. Aber eine Überplanung und eventuell Neubauten werden erst in der nächsten Stadtratsperiode ab 2020 ein Thema sein. Erst müssen wir die laufenden Projekte abarbeiten. Ich habe ja jetzt schon manchmal das Gefühl, dass wir uns vielleicht zu viel vorgenommen haben.

-Vorgenommen hat man sich ja auch die Verbesserung der Wohnraumsituation in Freising. Wie schaut es da aus?

Der letzte Bauabschnitt im Steinpark wird demnächst begonnen. Und da wird es auch sozial geförderte Wohnungen geben. Ich bin da optimistisch, denn der Freistaat plant eine wesentliche Erhöhung der Zuschüsse für kommunalen Sozialwohnungsbau. Zudem haben wir noch die Seilerbrücklwiesen und das Areal an der Angerstraße als neue Baugebiete in der Planung.

-Wie beurteilen Sie die Lage bei den Asylbewerbern in Freising?

Zuständig ist das Landratsamt, nicht wir. Aber es ist ganz klar: Ohne die sehr engagierten Helferkreise ginge das alles in Freising gar nicht. Dass es Befürchtungen gibt, wo eine neue Flüchtlingsunterkunft gebaut werden soll, ist schon nachvollziehbar. Man darf diese Ängste auch nicht einfach wegwischen. Aber man muss schauen, ob es sich um berechtigte Sorgen oder subjektive und diffuse Ängste handelt. Und ganz persönlich finde ich es schon seltsam, wie auf internationaler Ebene mit dem Thema umgegangen wird: Zur Bankenrettung haben sich die Staatschefs damals alle vier Wochen getroffen. Das wäre zur Bewältigung der Flüchtlingskrise und vor allem ihrer Ursachen auch angebracht.

-2016 steht auch und gerade in Freising ein großes Jubiläum an: 500 Jahre Reinheitsgebot.

(lacht) So weit ich weiß, gilt das Reinheitsgebot in Freising erst seit 1803. Aber das darf man nicht so genau nehmen. Im Ernst: Zusammen mit den Brauereien arbeiten wir an Angeboten für das kommende Jahr. Da werden wir etwas Schönes auf die Beine stellen.

-Was haben Sie sich für 2016 vorgenommen?

Ich bin sehr zufrieden, wie es gerade läuft. Verwaltung und Stadtrat arbeiten gut zusammen. Das ist eine gute Mannschaft.

Andreas Beschorner

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