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Lebensgefahr: Der Isarradweg darf auf Höhe Volkmannsdorf nicht mehr befahren werden - sehr zum Leidwesen von Rupert Oberpriller (l.) und Eduard Beubl.

Ein Isarradweg fernab der Isar: Bürger kämpfen für Erneuerung der Uferroute

Wang/Volksmannsdorf - Ein Radweg wird zum Politikum: Der Isar-Wirtschaftsweg bei Volkmannsdorf erfreute sich bei Radfahrern größter Beliebtheit - bis die Renaturierung des Flusses beschlossen und die Strecke langsam von der „Reißenden“ vereinnahmt wurde. Das Thema sorgt seitdem für Zündstoff. Jetzt scheint jedoch ein Kompromiss in Sicht.

Wenn er eine Ungerechtigkeit wittert, wird Rupert Oberpriller aktiv. Schreibt Leserbriefe, erhebt das Wort bei Bürgerversammlungen, lässt bei Entscheidungsträgern die Telefone klingeln. Seine Herzensangelegenheit - nur wenige Minuten von seiner Wanger Haustüre entfernt - ist so ein Fall: der gesperrte Isarradweg bei Volkmannsdorf.

Die Sperrung hat eine lange Vorgeschichte. Oberpriller kennt sie auswendig, er interessiert sich für seine Heimat. „Etwa in den 20er Jahren hat man bei uns das Isarufer mit großem Aufwand befestigt, weil ein mäandernder Fluss sonst irgendwann außer Kontrolle gerät.“ Dann, so Oberpriller, kam nach dem Pfingsthochwasser 1999 das große Umdenken mit dem Gewässerentwicklungsplan - und die Ufersteine wurden wieder entfernt. Seitdem ist die Isar ihrer „eigendynamischen Entwicklung“ überlassen, wie es das Wasserwirtschaftsamt formuliert. Konsequenz: Der Isarradweg entlang des Prallufers auf der flussabwärts linken Seite fiel regelmäßig bei Hochwasser den Naturkräften zum Opfer und wurde Stück für Stück abgetragen. Bis die Strecke schließlich so nah am Steilufer verlief, dass sie gesperrt werden musste. „Lebensgefahr“ heißt es dort jetzt, Verbotsschilder und Schlagbäume versperren den Weg, auch für Fußgänger.

Doch die vom Wasserwirtschaftsamt ausgewiesene weitläufige Umleitung über die Staatsstraße 2045 und im weiteren Verlauf durch den Wald empört Rupert Oberpriller: „Familien mit kleinen Kindern werden sich zweimal überlegen, diesen gefährlichen Weg zu fahren. Und wenn man dann endlich wieder von der Staatsstraße runterkommt, geht es nur noch durch den Wald - fernab jeglicher Ufernähe.“ Der Isarradweg verdiene dann seinen Namen gar nicht mehr, so das Fazit des 68-Jährigen. Dabei sei die Route in unzähligen Radwegkarten eingezeichnet und werde auch regelmäßig vom Landshuter Tourismusamt angepriesen - „wie erst kürzlich auf der Isar-Vils-Messe“, weiß Oberpriller.

Zusammen mit seinem Spezl Eduard Beubl aus Bruckberg, ebenfalls leidenschaftlicher Fahrradfahrer, startete der Wanger im vergangenen Sommer eine Unterschriftenaktion, pro Uferradweg. Mit überwältigender Resonanz: „600 Unterschriften in nur drei Wochen sprechen eine deutliche Sprache“, fühlt sich das Duo bestätigt. „Wir müssen uns eben so behelfen, eine Lobby haben wir Bürger hier draußen ja nicht“, sagt Oberpriller und gibt einen Seitenhieb in Richtung Landeshauptstadt: „In München wurden 35 Millionen Euro für lächerliche sieben Flusskilometer verpulvert. Damit dort die Leute an die Isar können. Oberpriller macht „diese Ungleichbehandlung narrisch“. Er sagt: Uns würden schon 5000 Euro reichen. Mit dieser Summe ließe sich in wenigen Tagen mit einem Bagger ein frischer Radweg in sicherer Distanz zum Uferabbruch anlegen.“

Im Landshuter Wasserwirtschaftsamt weiß man um die Forderungen der Radfreunde. Abteilungsleiterin Antje Uhl erteilt einem Neubau dennoch eine kategorische Absage: „In diesem Fall ist die Flussentwicklung vorrangig. Die frühere Strecke war ja auch in erster Linie ein Gewässerunterhaltungsweg, den brauchen wir jetzt nicht mehr - die Isar wird ja nun ihrer Eigendynamik überlassen.“

Weil Oberpriller mit seinem Anliegen bei den Behörden auf Granit beißt, hat er den Kontakt zur Politik gesucht. Der Landshuter Bundestagsabgeordnete Thomas Gambke (Grüne) versucht nun, in der Sache zwischen den Parteien zu vermitteln. „Die Renaturierung ist wichtig und wird von meiner Partei unterstützt. Gleichermaßen müssen aber auch die Interessen der Bürger berücksichtigt werden.“

Ausgerechnet das geplante Kraftwerk ebnet den Weg zum Kompromiss

Nach zahlreichen Gesprächen und Ortsterminen scheint nun ein Kompromiss greifbar. Der geplante Neubau des Restwasserkraftwerks an der Ampermündung zur Isar macht es möglich. Weil die Gerätschaften dort nämlich eine Zufahrt zur Baustelle benötigen, wird ein Erschließungsweg angelegt, der die fehlenden 150 Meter einer ufernahen Umgehung des Radwegs ermöglicht. Damit kann auf die Umleitung über die Staatsstraße verzichtet werden, immerhin einige hundert Meter führt der Weg dann wieder am Ufer entlang, danach geht es weiter durch den Wald.

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Für Rupert Oberpriller ist das nur ein schwacher Trost. „Ein Radweg am Fluss entlang ist einfach das non plus ultra - durch den Wald kann man auch woanders fahren. Eigentlich wollte ich irgendwann einmal mit meinen Enkeln an der Isar langradeln, um ihnen die traumhafte Schönheit unserer Heimat zu zeigen.“ Für ihn zudem Ironie des Schicksals: Den „Kompromiss“ macht ausgerechnet das neue Kraftwerk der Stadtwerke München möglich, das Oberprillers geliebte Amperkaskaden zerstört. Auch zu dieser Herzensangelegenheit hat er schon unzählige Leserbriefe verfasst. Ebenfalls vergeblich.

von Armin Forster

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