Junger Langfinger verspielt Chancen

Ampertal - Nach einem Fahrraddiebstahl wäre ein 21-Jähriger aus dem Ampertal beinahe wieder mit einem blauen Auge davongekommen – wäre er nicht in mehrere Diebstähle gleichzeitig verwickelt. Das wurde ihm vor Gericht zum Verhängnis.

Die Prozessbeteiligten waren eigentlich milde gestimmt und wollten einem 21-jährigen Azubi aus dem Ampertal eine erneute Strafhaft wegen eines gestohlenen Radls ersparen. Als dann allerdings im Verlauf der Beweisaufnahme die Verstrickung in einen weiteren Diebstahl aufflog, war der Ofen aus.

Unbestritten hatte der 21-Jährige alles andere als eine behütete Kindheit und Jugend, war zunächst mit seinem Zwillingsbruder allein bei seiner Mutter aufgewachsen, wie der Vertreter der Jugendgerichtshilfe bestätigte. Der Azubi glitt nicht nur in die Drogenszene ab, sondern wurde auch „Stammkunde“ beim Jugendrichter. Es kam zu Verurteilungen wegen illegalen Drogenbesitzes, aber auch wegen Diebstählen, Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung und mehr. 2011 handelte er sich schließlich beim Freisinger Jugendrichter eine Jugendstrafe von 15 Monaten ein, die er in der Jugendstrafanstalt Laufen zu verbüßen hatte. Dort holte er seinen Hauptschulabschluss nach, machte einen Schweißerlehrgang und einen Gabelstaplerkurs.

Allerdings wurde er dann auch renitent, mobbte Mitgefangene und wurde handgreiflich. Das brachte ihm beim Laufener Jugendrichter eine neue Gesamt-Jugendstrafe von zweieinhalb Jahren ein, die er allerdings nicht vollständig verbüßen musste. Rund 300 Tage blieben offen, als er Ende 2013 auf Bewährung aus der Haft entlassen wurde. Das hinderte ihn aber nicht daran, sich in der Nacht zum 25. Februar 2014 an der U-Bahn-Station Münchner Freiheit ein dort abgestelltes Fahrrad im Wert von 350 Euro zu schnappen, um damit die Heimfahrt anzutreten. Auf der Leopoldstraße fielen sie einer Polizeistreife auf und wurden kontrolliert, wobei bei ihnen auch noch geringe Mengen Marihuana gefunden wurden. Für den Fahrraddiebstahl landete der Azubi wieder auf der Anklagebank vor dem Freisinger Jugendrichter. Dort wurde ihm zwar wegen Reifeverzögerungen noch einmal Jugendstrafrecht zugebilligt, allerdings die Einheitsjugendstrafe wegen Diebstahls in besonders schwerem Fall auf drei Jahre erhöht.

Dagegen legte er Berufung ein und hatte vor der Jugendkammer beim Landgericht gute Karten. Der Grund: Er hatte einen Ausbildungsvertrag als Metallbauer in der Tasche. Die Lehre habe er im Februar dieses Jahres angetreten und mache ihm Spaß. Außerdem sei er inzwischen „trocken“ und was das geklaute Fahrrad angehe, sei das Schloss kaputt gewesen. Nachdem ihm auch noch die Bewährungshelferin eine positive Entwicklung bescheinigt hatten, signalisierten die Prozessbeteiligten zunächst, das man ihm die Zukunft nicht verbauen wolle. Für den Fahrraddiebstahl stand eine Geldstrafe im Raum.

Mit dem Wohlwollen war aber Schluss, als im Rahmen der Vernehmung eines damaligen Streifenbeamten bekannt wurde, dass gegen den 21-Jährigen ein weiteres Ermittlungsverfahren wegen Ladendiebstahls laufe. Der Azubi und ein Begleiter seien der Verkäuferin eines Supermarkts aufgefallen, als sie sich verdächtig intensiv für einem WLAN-Router interessiert hätten. Bei einer Kontrolle wurde dann im Rucksack des Azubi eine Spielekonsole im Wert von 199 Euro entdeckt, die in einem Elektromarkt geklaut worden war. Der 21-Jährige beschuldigte zwar seinen Begleiter als Dieb, musste aber einräumen, dass die Konsole in seinem Rucksack gefunden worden sei. Das Verfahren wurde letztlich im Hinblick auf die vorherige Verurteilung wegen des Radldiebstahls eingestellt.

Die Chance, mit einer Geldstrafe davonzukommen, war damit aber verspielt. Die Jugendkammer verhängte, wie vom Staatsanwalt beantragt, eine Gesamtjugendstrafe von zwei Jahren und acht Monaten, was bedeutet, dass der 21-Jährige noch rund ein Jahr absitzen muss.

Walter Schöttl

Rubriklistenbild: © dpa

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