Das Kabarett von der Glocke: Karsten Kaie beehrt in seinem neuen Programm Friedrich Schiller.

Kabarettistische Kreuzfahrt: Karsten Kaie begeistert Attenkirchen

Attenkirchen - Er ist ein Entertainer der Extraklasse: An Bord der „MS Europa“ reist Kabarettist Karsten Kaie zwischen Weihnachten und Silvester um die halbe Welt. Sehr zum Vergnügen der Zuschauer in Attenkirchen.

Mit seinem neuen Soloprogramm „Ne Million ist so schnell weg“ brillierte der Vollblut-Schauspieler am Samstagabend im Attenkirchener Bürgersaal. Das „all-inclusive“-Paket, das das Publikum zwei Stunden lang genießen durfte, beinhaltete Captain’s Dinner, Tanz und „Gute-Laune-Feuerwerk“, das ein „Team“ aus „Unterhaltungskünstlern“ für den „normalen Luxusmillionär“ zusammengestellt hatte. Da waren der schmierige Bord-Entertainer Henri Schmock, der einsame Gästebetreuer Gorki, der leicht nasal klingende Schriftsteller Helmut Kasarek, der in einer erotischen Lesung sein Bestes gab, und der bayerische Fitnesstrainer, der die Zuschauer zum „emotion hopping“ und digitalem Training nach dem Motto „Samsung öffne dich“ aufforderte. Zwölf verschiedene Rollen waren es, die Karsten Kaie blitzschnell und mühelos bewältigte. Die „Zwiegespräche“ mit „Panikrocker“ Udo Lindenberg, der sich ebenfalls als Unterhalter auf dem Schiff befand, kamen ebenso glaubhaft rüber wie die Arie des niederländischen „C-Tenors“ Frisko van der Valk und das unsäglich schmachtend gesungene Liebeslied des betrunkenen Käpt’n. Kaies Fähigkeit, Stimmen zu imitieren, ist unglaublich.

Beim „Gedichteworkshop“, den Gästebetreuer Gorki angeregt hatte, durfte auch das Publikum mitmachen. Auszüge aus Goethes Ballade „Der Erlkönig“ wurden rezitiert. Auch Friedrich Schiller kam zu fabelhaften Ehren. Weil „Starfriseur“ Udo Walz ebenfalls auf der MS Europa mitreiste, verwandelte sich das „Lied der Glocke“ zu „Schillers Locke“. Flapsig und frech imitierte das Multitalent Kaie auch die verschiedensten Charaktere des „Millionen schweren“ Kreuzfahrerpublikums.

Eine witzige Idee hatte sich der Kabarettist bis zum Schluss aufbewahrt: Die deutsche Sprache sei „reich“, erklärte er und bewies dies beim Rezitieren verschiedener Texte, denen er jeweils einen Buchstaben entzog. Zwei Stunden lang spielte, tanzte, sang und jonglierte sich Kaie durch sein anspruchsvolles Programm. Und als er sich zum Schluss noch die Ehre gab, das im Saal anwesende Publikum imaginär zum „Lombada-Abend“ auf die Bühne zu bitten, waren sich die Besucher einig: das war Comedy vom Feinsten. Ein toller Erfolg für die Kultur-Initiative „Katti“, der es geglückt war, den viel gebuchten Kabarettisten in den Landkreis Freising zu holen.

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