Der kalte April: Obstbauern und Landwirte bangen

Das große Zittern vor dem Frost

Der Ackerboden schwer, die Obstblüten weiß von überfrorenem Schnee – Landwirte und vor allem die Obstbauern zittern: Wenn klirrender Frost zurückkehrt, dann geht’s an Eingemachte. Dann drohen in manchen Bereichen Ernteschäden.

Freising – „Noch ist alles im grünen Bereich. Aber die nächsten Tage werden entscheidend“, sagt Michael Neumüller, der Chef des Bayerischen Obstzentrums in Hallbergmoos. Gleichzeitig blickt er sorgenvoll auf die Prognosen des Wetterdienstes und auf seine bewirtschafteten Flächen. Dort stehen derzeit (im Umgriff von 13 Hektar) die verschiedensten Apfelsorten im Vollblüte: „Bislang hatten wir nur etwa 0,5 Grad minus. Das können die Blüten schon ab. Aber wenn starker Frost kommt, wie vereinzelt prognostiziert wird, dann wird’s problematisch“. Vor allem fürchtet der Obstexperte eines: „Wenn in kalten Nächten die Bewölkung aufreißt, dann entsteht die sogenannte Strahlungskälte, die einen weiteren Temperaturabfall mit sich bringt.“ „Ungefiltert“ treffen dann hohe Minusgrade auf Blüten und – wie im Fall der Zwetschge – auf heranwachsende Jungfrüchte: „Im schlimmsten Fall führt das später zum Totalausfall der Ernte.“

Die Apfelblüten (l., Archivbild) waren bereits von einer leichten Schneekruste überzogen. Was die Obstexperten aber mehr fürchten, ist ein extremer Frosteinbruch.

„Die Bauern können derzeit nichts anderes machen als abwarten, meint Lorenz Oberndorfer vom Bayerischen Bauernverband (BBV) im Kreis Freising: „Die Boden sind vollgesogen mit Nässe und dadurch einfach zu schwer, um sie zu bearbeiten“. Wer voreilig mit Traktor oder Maschinen ausrücke, der werde nicht belohnt: „Der Druck würde den nassen Untergrund verschlammen und damit stark verdichten. So stirbt das Leben im Boden, denn die Durchlüftung funktioniert nicht mehr richtig.“ Und die daraus resultierenden Folgeschäden würden lange nachwirken: „Solche Strukturschädigungen vergisst der Boden über einige Jahre nicht.“

Derzeit hätten die Bauern in der Region „umsichtig gehandelt“: „Der Mais müsste jetzt in den Boden, aber da warten viele noch mit der Aussaat“. Und um Getreidearten wie Winterweizen oder Wintergerste, die bereits auf den Feldern sind, brauche man sich (noch) keine Sorgen machen: Die könnten solche Temperaturen aushalten.

Laut Peter Doleschel, Pflanzenexperte von der Landesanstalt für Landwirtschaft in Weihenstephan, bräuchte die Maissaat dringend Plusgrade. Zu lange Isolation im Boden sei nicht optimal.

In der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), Abteilung Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung, hat dessen Leiter Peter Doleschel auch die Wettersituation im Blick: „Von den Osterfeiertagen bis dato hatten wir einen Temperaturabfall von elf auf zwei Grad. Und wenn Sommergetreide ausgesät wurde, besteht ebenfalls noch kein Grund zur Panik. Das hält schon ein paar Minusgrade aus, ähnlich wie die Maissaat.“ Nur Bodenfrost wäre fatal. Doch beim Mais schränkt Doleschel ein: „Ist die Saat einmal im Boden, bräuchte sie bald Plusgrade, um keimen zu können. Wenn’s zu kalt ist, ist die Saat durch die Erde zwar geschützt, aber dieses isolierte Hindümpeln im Boden ist nicht optimal für die Entwicklung.“

Anni Baumgartner von der gleichnamigen Freisinger Gärtnerei hat weniger Sorgen mit der derzeitigen Kälte: „Der Kälteeinbruch ist zwar überdurchschnittlich stark. Der professionelle Anbau von sehr empfindlichen Gemüsepflanzen findet aber ohnehin nur in den geheizten Gewächshäusern statt.“

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