Vortrag von Ernst Pernicka

Goldfund von Bernstorf: "Kein Indiz für Echtheit"

Freising - Das Thema bewegt die Gemüter: Sind die Goldfunde von Bernstorf eine Fälschung? Der Mann, der dieser These feste Nahrung gibt, war jetzt in Freising.

Kein Platz war mehr frei im großen Hörsaal 14 im Löwentorgebäude. Alle wollten den Mann hören, der mit seinen Analysen der Goldfunde von Bernstorf die Szene in helle Aufregung versetzt: Ernst Pernicka, Chemiker, Geologe und Archäologe, Professor an der Uni Heidelberg und Leiter des Curt-Engelhorn-Zentrums Archäometrie, acht Jahre Leiter der Ausgrabungen in Troja, und und und. Sein Vortrag war Wasser auf die Mühlen all derer, die schon immer skeptisch waren.

Pernickas Fazit: Für die Echtheit des Bernstein-Goldes aus dem 16. Jahrhundert vor Christus spreche nichts. Und es gebe kein einziges Indiz, das dagegen spreche, dass es sich um modernes Gold handele. Pernicka, der als guter Wissenschaftler durchaus zugab, dass „nichts unangreifbar“ sei, forderte, dass weitere, noch aufwändigere Untersuchungen an dem Bernstorfer Fund durchgeführt werden müssten.

Das ist so eine Sache mit der Metallurgie: Man könne eine Fälschung leicht erkennen, wenn in dem Metall etwas vorhanden sei, „was da nicht reingehört“, so Pernicka. Die Echtheit von Metall nachzuweisen sei allerdings nur möglich, indem man eine Fälschung Stück für Stück ausschließe.

Und da sieht es für Bernstorf und das dort gefundene Gold nicht so rosig aus: Gold mit einer Reinheit von 99,99 Prozent könne nämlich nur mit einer Methode (Zementation) hergestellt werden, die man erst ab dem 6. Jahrhundert vor Christus kenne. Außerdem: Bei dieser Methode würde zwar der Silbergehalt auf 0,01 Prozent reduziert (und zwar nach vier Durchgängen). Das Problem: „Das Kupfer macht nicht mit.“ Will heißen: Der Kupferanteil wäre dann anders als in dem Bernstorfer Gold. Das Argument, dass es bei den Pharaonen durchaus so reines Gold schon gegeben habe, erschütterte Pernicka ebenfalls: So reines Gold gebe es nur auf dem sogenannten „Echnaton-Sarg“. Der stamme aber aus keiner Grabung, sondern aus dem Antikenhandel und sei deshalb mit Vorsicht zu genießen. Also: Auch ägyptisches Gold sei nicht so rein, weise stets einen Silbergehalt zwischen 5 und 50 Prozent auf.

Und dann eine Tabelle, bei der sich laut Pernicka „die Waage neigt“ - und zwar hin zu der ganz starken Vermutung, die Goldfunde von Bernstorf seien eine Fälschung: Ein Vergleich mit modernem, hochreinen Gold zeige ein „täuschend ähnliches Spurenmuster“.

Und es gebe noch weitere Indizien, die für eine Fälschung sprechen würden: Das auf einem Objekt aus Bernstorf entdeckte harzartige Material dürfte mittelalterlich sein. Eine Koniferennadel, die in dem Erdklumpen gefunden wurde, in dem ein Fund eingewickelt war, stamme aus der Zeit nach 1950. Und auch die eingravierten Muster seien weder bronzezeitlich noch mykenisch.

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