Robert Zellner: Wohnungssuchende fühlen sich oft benachteiligt.

Lage wird immer prekärer

Probleme mit dem Sozialwohnraum: Nur 15 Leute vom freien Markt übernommen

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Freising - Die Lage ist prekär: Nur 59 öffentlich-geförderte Wohnungen konnte die Stadt Freising in den vergangenen zwölf Monaten zuweisen. Grund für diese ernüchternde Bilanz im Finanzausschuss: Es gab weder neuen noch modernisierten Sozialwohnraum.

Ein viele Millionen umfassendes Sanierungs- und Neubauprogramm für Sozialwohnungen fährt die Stadt Freising seit zehn Jahren. Und es wird weiter gehen. Dennoch reicht der zur Verfügung stehende öffentlich-geförderte Wohnraum nicht aus. „Das macht uns zu schaffen“, sagte Sozialamtsleiter Robert Zellner am Dienstag im Finanzausschuss der Stadt.

Hatte man im vergangenen Jahr noch 123 Zuweisungen vornehmen können, so waren es in den vergangenen zwölf Monaten nur noch 59. In 35 Fällen davon wurden Wohnungen getauscht, in neun Fällen konnte Bewohnern aus Notunterkünften eine Sozialwohnung zugewiesen werden. Nach Adam Riese waren es also lediglich 15 Bewerber vom freien Wohnungsmarkt, die eine städtische Sozialwohnung bezogen, rechnete Zellner vor. Prekär sei die Lage auch deshalb, weil die Mieten auf dem freien Wohnungsmarkt im vergangenen Jahr abermals angestiegen seien. Empfänger von Sozialleistungen hätten also laut Wohnungsvergabebericht kaum ein Chance, eine Wohnung zu finden.

Wie schwierig die Lage ist, zeige auch die Tatsache, dass die Anzahl der Zwangsräumungen weiterhin steigend sei. Zudem wird es laut Zellners Bericht auch immer schwieriger, mietfähige Haushalte aus den Notunterkünften in normale Mietverhältnisse zu vermitteln. Ebenfalls bedenklich: Die Zahl der Vorsprachen von Personen, die von Obdachlosigkeit bedroht seien, sei auf 350 gestiegen. Dabei sei „nach wie vor eine erhöhte Aggression der Wohnungssuchenden feststellbar“, heißt es im Bericht Zellners. Die Wohnungssuchenden seien verzweifelt, weil sie kein Wohnung fänden, und sich benachteiligt fühlten. Hinweise, sich dort, wo es billiger sei, nach einer Wohnung umzuschauen, würden meist empört zurückgewiesen. Und das sei verständlich, denn dies würde doch oft den Verlust des Arbeitsplatzes und des sozialen Umfelds bedeuten.

Zellner verwies außerdem auf derzeit 419 anerkannte Asylbewerber in der Stadt Freising, die noch allesamt in den Asylbewerberunterkünften lebten und von denen noch keine Anträge auf eine öffentlich-geförderte Wohnung vorlägen.

Da werde der Druck bald zunehmen, prophezeite Heidi Kammler (SPD). Eva Bönig (Grüne) sagte, die Situation auf dem Wohnungsmarkt werde sich angesichts der geltenden Bodenrichtwerte und der sich darauf gründen Preise immer weiter verschärfen. Rosemarie Eberhard (Grüne) sagte, es gehe nicht an, dass außer der Stadt Freising die anderen Gemeinden des Landkreises „buchstäblich nichts machen“, um öffentlich-geförderten Wohnraum bereitzustellen.

Kommentar von Anton Hirschfeld

Eine traurige Statistik: Unter dem Strich wurden 2016 nur 15 Bewerber vom freien Wohnungsmarkt in eine sozial geförderte Wohnung übernommen. Über 20 mal so vielen droht die Obdachlosigkeit, von denen, die schon jetzt jahrelang auf eine Sozialwohnung warten, ganz zu schweigen. Eine Stadt wie Freising, die jetzt und in Zukunft viel Geld in die Infrastruktur steckt, muss auch in der Lage sein, seine sozial Schwachen irgendwie unterzubringen. Da kommt der Bau an der General-von-Stein-Straße zwar gerade recht – kann und darf aber nur der Anfang sein. Denn: Auch da sind es noch rund 16 Monate, bis das Gebäude bezugsfertig ist. Spatenstich war am 30. September. In der Zwischenzeit wird die Stadt Freising oft sagen müssen: „Geht leider derzeit nicht.“

Die 35 geplanten Wohnungen werden aber auch in Zukunft nicht reichen.

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