Keine "Alpenmilch" mehr aus Freising

Freising - Eine Vielzahl von Prozessen hat man schon gewonnen. Trotzdem verzichtet die Molkerei Weihenstephan jetzt - mehr oder weniger freiwillig - auf die Verwendung des Begriffs „Alpenmilch“. Zum einen hat man die ständigen Anfeindungen satt. Zum anderen ist man auf Wachstumskurs. Und braucht Milch aus ganz Bayern.

„Das war schon was. Wir Milchbauern waren richtig stolz.“ Der Begriff „Alpenmilch“ sei auch bei den Rohstofflieferanten gut angekommen, als er vor vielen Jahren eingeführt wurde, erinnert sich Georg Steinberger (63), Chef der Milcherzeugergemeinschaft Weihenstephan (MeG). Die Begeisterung teilten nicht alle.

Rivalisierende Molkereien wollten die Verwendung des Begriffs immer wieder verhindern. Freising - das liege weder in den Alpen noch im eigentlichen Alpenvorland. Die Argumente zogen aber nicht. Der frühere Direktor der damals noch Staatlichen Molkerei, Heinrich Haisch, habe allein 14 Prozesse gewonnen, erinnert sich Steinberger. Als Alpenvorland definierten die Richter die Region südlich der Donau - und daher kommt die „Weihenstephaner“ Milch auch. Beim Einzugsgebiet gibt es drei Schwerpunkte: Die Region um Freising, nordöstlich von Freising (Reichertshausen, Pfaffenhofen) und südlich von München. Hier reicht ein „Finger“ des Einzugsgebiets (Schwerpunkt Dietramszell) bis fast ins Gebirge. Rund ein Drittel der Milch kommt von dort. „Das wurde sehr strikt eingehalten“, weiß Georg Steinberger, „Milch aus Niederbayern etwa gab es bei uns nie.“

Doch dieses „Stammgebiet“ reicht der rasch expandierenden Molkerei jetzt nicht mehr. In den nächsten Jahren werden 20 Millionen Euro in den Standort Freising investiert, wo vor allem das Milchbasis-Sortiment (Milch, Butter, Sahne) produziert wird. 2014 waren das 200 Millionen Packungen. Bis 2019 soll sich der Absatz in diesem Segment verdoppeln. Das derzeitige Gebiet genügt nicht mehr, „um die stetig steigende Nachfrage der Verbraucher nach Qualitätsprodukten der Marke Weihenstephan befriedigen zu können“, heißt es in einer „Verbraucherinformation“. Man werde daher nun zusätzlich auch Milch aus „anderen bayerischen Regionen erfassen“ - und verzichte auf die „Auslobung Alpenmilch und Alpenschlagrahm“. Nur so seien neue Vertragsbeziehungen mit Milchbauern außerhalb der jetzt „engen Grenzen“ möglich.

Das schmerzt Georg Steinberger: „Schade drum.“ Aber er verstehe die Geschäftsführung der Molkerei auch: „Wir wurden ständig angefeindet - vor allem im Internet“. Selbst bei Versammlungen von Milcherzeugergemeinschaften sei man als Lieferant angegangen worden. Steinberger: „Ich hoffe, dass jetzt Ruhe einkehrt.“

Die Molkerei verspricht weiterhin „Premiumqualität“. Auch MEG-Chef Steinberger betont: Der Rohstoff, der in der Freisinger „Milchstraße“ angeliefert werde, gehöre der höchsten Milchgüteklasse an. Ob sich die Weihenstephaner Milchprodukte auch ohne Alpenflair verkaufen lassen? Eine Blitzumfrage bei Kunden in Freisinger Verbrauchermärkten ergab ein einheitliches Bild: Die Verwandlung der „Alpenmilch“ in „Milch“ hatte noch niemand bemerkt.

Gut zu wissen

Im Jahr 2000 übernahm die Unternehmensgruppe Theo Müller (Müller Milch) die damals Staatliche Molkerei Weihenstephan. Seitdem investiert man in den Standort als „Premiummolkerei“. 125 Mitarbeiter veredeln an der Milchstraße 1 jährlich 160 Millionen Kilo Rohmilch.

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