+
Ein Kran hätte das Erdgeschoß und den Loftbereich des Tiny-Houses eigentlich aufeinander bringen sollen. Am Ende übernahm die Arbeiten aber doch ein Gabelstapler – dicke Regenwolken mahnten zur Eile.

Florian Dittmar und sein besonderes Projekt

13-Jähriger aus Freising feiert Tiny-House-Hebweih

  • Armin Forster
    vonArmin Forster
    schließen

Florian Dittmar baut ein Tiny-House. Mit seinem ehrgeizigen Projekt ist er schon ganz schön weit. Auf der Hausbaustelle des 13-Jährigen war jetzt etwas ganz besonders Spannendes geboten. 

Stolz auf sein Großprojekt: Florian arbeitet seit Ostern an seinem Tiny-House und hat schon viel geschafft.

Kirchdorf – Es würde alles so schön bereitstehen: Das 7,4 Meter lange und 2,5 Meter breite Holzgerippe des Erdgeschoßes, das Florian Dittmar in den vergangenen Monaten auf den Anhänger geschraubt hat. Der bereits mit Isolierung verkleidete obere Teil seines Tiny Houses, bei dem der 13-Jährige von „Loftbereich mit Dachterrasse“ spricht. Selbst helfende Hände gäbe es mit dem knappen Dutzend Familienmitgliedern und Freunden genug. Seit Ostern werkelt der Jugendliche an seinem ehrgeizigen Projekt, das er sich für seine „Große Arbeit“ an der Freisinger Montessorischule ausgesucht hat (wir haben mehrfach berichtet). Doch an diesem Tag fehlt der entscheidende Mann: Der Nachbar mit dem Kran.

Für 15 Uhr war an diesem Herbsttag geplant, die beiden Holzkonstruktionen zu verbinden, die auf dem Kirchdorfer Firmenhof von Florian Dittmars Vater Ulli in einer Halle und im Freien lagern. „Der ist eigentlich absolut zuverlässig“, murmelt der Vater nach dem zweiten vergeblichen Handyanruf bei seinem Nachbarn, während der Sohn nervös auf- und abschreitet. Der Uhrzeiger wandert langsam Richtung halb vier, und dass es so pressiert, liegt am Wetter: Wolken ziehen über dem Gewerbegebiet auf.

Florian Dittmar erleichtert: Die große Katastrophe blieb auch ohne Kran aus

Schon einmal wäre das Projekt beinahe vom Regen zunichte gemacht worden. Der 13-Jährige deutet auf verbogene Metallböcke, die in einer Ecke liegen. „An einem Tag hat es so stark geschüttet, dass sich das Wasser in der Abdeckplane auf dem Obergeschoß gesammelt hat und die Böcke unter der Last eingeknickt sind“, erzählt Florian. Die große Katastrophe blieb aus, aber noch einmal will er nichts riskieren – weder einen Einsturz, noch feuchte Isolierung oder Balken.

Also wird ein Ersatzplan geschmiedet: Statt des Lastwagens mit dem Kranaufbau rollt ein Gabelstapler auf den Hof. Der Betreiber des Getränkemarkts gegenüber sitzt am Steuer. Höhe und Gewicht sind für seinen Stapler kein Problem, doch die Zinken sind zu kurz. Es wird kurz unübersichtlich, weil jeder der knapp zehn Anwesenden, vom Schüler bis zum gestandenen Handwerker, eigene Vorschläge in die Runde wirft. Doch dann steht die Strategie fest: Eilig fixieren die einen dicke Balken mit Spanngurten auf den Zinken, als Verlängerung. Derweil sausen die anderen mit Zollstock und Maßband umher, um auszurechnen, ob der Plan aufgeht und am Ende alles durchs Hallentor passt. Denn weil ja die Staplerzinken wieder zwischen den beiden Baukörpern heraus müssen, braucht es zentimeterdicke Zwischenklötze.

Tiny-House-Baustelle: Der Nachbar mit dem Gabelstapler springt ein

Während sich der Himmel immer weiter zuzieht, und sich alle in Stellung für den Hebeakt bringen, taucht plötzlich der Mann im Kran-Lkw auf. Zu spät – die Gruppe entscheidet, die Aktion jetzt mit dem Stapler durchzuziehen. Die Spannung steigt: Stimmen die Berechnungen? Halten die Balken am Stapler und am Dachgeschoß der Last stand? Langsam hebt sich alles. Mit Gurten ziehen Florian und seine Helfer am Korpus, um die Balance zu halten. Eine Querstrebe biegt sich bereits besorgniserregend nach oben – doch dann ist es geschafft: Die beiden Baukörper liegen vereint aufeinander. Jubel brandet auf, während Florian ehrfürchtig vor seinem Haus steht. „Oh Gott, das ist ja richtig hoch!“

Mit vereinten Kräften wird der Anhänger in die schützende Halle geschoben. Kein Blatt hätte mehr dazwischen gepasst, die Oberkante schrammt bereits an der Hallenöffnung entlang. Erleichterung macht sich breit. Und draußen fallen die ersten Regentropfen vom Himmel. 

Vielleicht geht er als jüngster Tiny-House-Bauer in die Geschichte ein.

Wissenswertes zum Hintergrund - Unterstützung für Florian

Mit dem Projekt ist Florian Dittmar der jüngste Tiny-House-Bauer Deutschlands. Bei dem Vorhaben, das bis zur Präsentation seiner „Großen Arbeit“ an der Montessorischule Freising in rund einem Jahr noch einiges an Zeit, Material und somit Geld verschlingen wird, ist der 13-Jährige auf Hilfe angewiesen. 

Wer Florian mit einer Finanzspritze unter die Arme greifen möchte, kann das mit einer PayPal-Zahlung an flo.dittmar06@gmail.com tun. Wer tatkräftige Unterstützung anbieten kann, wird vom FT unter Tel. (08161) 186-24 vermittelt. Der Baufortschritt kann auf Florians Instagram-Channel oder seiner Facebook-Seite verfolgt werden

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Mann packt Buben (11) am Hals und beleidigt ihn - „Das nächste Mal zünde ich dich an!“
Weil er vermutete, dass ein Bub sein Auto beschädigt hatte, packte ein Freisinger den Elfjährigen am Hals, zerrte ihn herum und beleidigte ihn rassistisch.
Mann packt Buben (11) am Hals und beleidigt ihn - „Das nächste Mal zünde ich dich an!“
Vollsperrung in der Freisinger Innenstadt - Marienplatz bis Oktober nicht mehr anfahrbar
Die Baumaßnahmen in der Freisinger Innenstadt laufen nach Plan. Ab Montag kommt es zu einer Vollsperrung in der Innenstadt.
Vollsperrung in der Freisinger Innenstadt - Marienplatz bis Oktober nicht mehr anfahrbar
Mit grauem Mercedes unterwegs: Vermisster Freisinger (82) wieder aufgetaucht
Aufatmen in Freising: Der seit Dienstagvormittag vermisste 82-Jährige ist wieder aufgetaucht.
Mit grauem Mercedes unterwegs: Vermisster Freisinger (82) wieder aufgetaucht
Coronafall in Marzlinger Seniorenheim: Reihentestung am Mittwoch
Eine Mitarbeiterin des Vitalis-Senioren-Zentrums in Marzling ist positiv auf Corona getestet worden. Am Mittwoch findet dort eine Reihentestung statt.
Coronafall in Marzlinger Seniorenheim: Reihentestung am Mittwoch

Kommentare