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Er hat Schlimmes erlebt: Andreas Hollstein, Bürgermeister von Altena, erzählte am Freitag in Helfenbrunn von der Messerattacke.

Bürgermeister Andreas Hollstein aus Altena erzählt

Die Zeit nach der hinterhältigen Messerattacke: „Es passte den Rechten nicht, dass es ein Deutscher war“

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Er setzte sich für Flüchtlinge ein und wurde Opfer einer Messerattacke: Andreas Hollstein, Bürgermeister von Altena, reist  durch die Republik, um seine Geschichte zu erzählen. Eine bewegende Geschichte.

Helfenbrunn – „Ich war das rote Tuch für die Rechten“, schildert Andreas Hollstein das, was ihm da am 28. November 2017 widerfahren ist und was er danach erleben musste: Ein 56-Jähriger passte ihn abends in einem Dönerimbiss ab, zog ein 30 Zentimeter langes Fleischermesser und hielt es Hollstein mit den Worten „Ich stech dich ab!“ an den Hals. Hollstein selbst und die Inhaber des Dönerladens konnten den Angreifer überwältigen. „Ich habe großes Glück und die richtigen Menschen um mich gehabt“, betont Hollstein am Freitag vor den rund 20 Zuhörern im Burgerwirt.

Telefonat mit Bundeskanzlerin Merkel, Interview mit Sandra Maischberger

Was dann kam, war aufreibend, aufregend, nervenzehrend: Polizeischutz, der ihm angeboten worden sei, habe er nicht angenommen, Telefonate mit Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet und Bundeskanzlerin Angela Merkel seien gefolgt, dazu Pressetermine, sogar ein Telefoninterview mit Sandra Maischberger, der „Fall“ sei durch die Internationale Presse gegangen. Rund 1800 Briefe und Mails von Menschen, die mit ihm mitfühlten, die ihm den Rücken stärkten, habe er erhalten, aber auch rund 200 beleidigende Drohbriefe bis hin zu Morddrohungen. „Das passte den Rechten nicht, dass ein Deutscher auf mich losgegangen war“, schildert Hollstein diese zermürbende Zeit.

Die Frage, ob er danach sein Amt niederlegen sollte, habe man damals im Familienrat besprochen, erzählt der heute 56-jährige CDU-Politiker. „Ich bin froh, dass ich durchgehalten habe“, kann Hollstein heute sagen. Hätte er das Handtuch geschmissen, „hätte ich alle Ehrenämtler verraten“. Vorträge wie den am Freitag in Helfenbrunn, zu dem ihn die Seniorenunion und der CSU-Kreisverband Freising eingeladen hatten, seien wichtig. Denn: „Man muss das Thema aus der dunklen Ecke rausholen.“

Hollstein engagiert sich für Flüchtlinge - und wird Opfer eines hinterhältigen Angriffs

Der Vorfall vom 27. November 2017 hatte freilich eine Vorgeschichte. Altena, in den 70er Jahren eine von Industrie geprägte Stadt mit 32 000 Einwohner habe sich bis heute fast halbiert: 17 000 Einwohner zähle die Stadt heute. Man hatte Probleme, berichtet Hollstein, der seit 1999 Bürgermeister in Altena ist. Doch es gab einen positiven Nebeneffekt: „Wir haben die Kraft der Bürgerschaft kennengelernt“, die Bürger hätten selbst angepackt, der Umbau der Innenstadtstraße sei von den Geschäftsleuten selbst durchgeführt worden. Die Folge: In Altena wurde das „Stellwerk“ gegründet, eine bürgerschaftliche Agentur. Und die war dann auch entscheidend, als es ab 2014 um die Integrationspolitik ging. Denn sie war mit dabei, als dann 2015 „die Welle“ auf Deutschland zurollte, wie es Hollstein nennt, und als er es nach Verhandlungen mit dem Innenministerium erreichte, dass seine Stadt 100 Flüchtlinge mehr aufnehmen durfte als eigentlich vorgesehen.

Altena erhält 2017 Nationalen Integrationspreis: wichtiges Signal

Auch als zwei Jugendliche den Dachstuhl eines Hauses in Brand steckten, in dem Asylbewerber wohnten, habe man sich nicht vom Kurs abbringen lassen. Freilich: „Wir wurden schon angefeindet“, als die Flüchtlinge kamen. Schon da gab es beleidigende Anrufe. Und auch wenn es ganz viele Mut machende Geschichten von engagierten und tollen Bürgern gebe, die sich um die Flüchtlinge kümmerten, habe sich die feindliche Stimmung vor allem in den sozialen Medien aufgeladen, sogar eine Postkarte vom III. Weg habe ihn erreicht. Der Höhepunkt dann: der Messerangriff, den Hollstein mit leichten Verletzungen überstand. Da war es ein wichtiges Zeichen, dass 2017 Altena von Merkel mit dem Nationalen Integrationspreis ausgezeichnet wurde.

Lesen Sie hier die bizarren Argumente des Täters beim Prozessauftakt; der Angreifer wurde zu einerBewährungsstrafe verurteilt

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