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Ihre ersten Schritte als Projektmanagerin der Öko-Modellregion Kulturraum Ampertal macht Theresa Hautzinger (28) gerade. 

Im Gespräch mit Theresa Hautzinger 

Bio aus der Region voranbringen: „Die Öko-Modellregion ist eine Chance für alle“

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Bislang muss der Verbraucher sich oft entschieden: Bio oder regional. Das will Theresa Hautzinger ändern. Sie ist die neue Projektmanagerin für die Ökomodellregion Kulturraum ILE Ampertal. Und sie hat einiges vor. 

Der Kulturraum ILE Ampertal hat seit November eine Projektmanagerin für die Ökomodellregion eingestellt. Theresa Hautzinger ist 28 Jahre alt und kennt die Ökomodellregion Ampertal so gut wie kein anderer, hat sie doch das Konzept erarbeitet. Im Gespräch mit dem Freisinger Tagblatt erzählt sie, welcher Maßnahmenkatalog nun abzuarbeiten ist, was sie konkret an dem Projekt so sehr begeistert und was das Gute daran ist, so nah an der Wertschöpfungskette mitarbeiten zu können.

Frau Hautzinger, was hat Sie an dem Job gereizt, wieso haben Sie sich beworben?

Ich war ja bereits in die Konzepterstellung der Ökomodellregion involviert. Auch schon davor, während meines Studiums „Umweltplanung und Ingenieur-Ökologie“ an der TUM, habe meine Masterarbeit zum Thema Ökomodellregion verfasst und dafür die sechs südlichen Ökomodellregionen Bayerns analysiert und eine Erfolgsfaktorenanalyse erstellt. Schon da war für mich klar, ich möchte in einer der Ökomodellregionen in Bayern arbeiten. Dass es nun die des Kulturraums Ampertal geworden ist, ist natürlich umso schöner für mich.

Schön, weil Sie diese Modellregion besonders gut kennen?

Das würde ich schon sagen. Ich habe das Konzept zusammen mit meinem Studienkollegen Jakob Zips und Konrad Springer erarbeitet. Das hat ein halbes Jahr in Anspruch genommen.

Dass der Kulturraum Ampertal den Zuschlag als Ökomodellregion bekommen hat, ist also auch Ihnen zu verdanken?

Unter anderem, ja. Das freut mich natürlich. Weil das Projekt eine wirklich tolle Sache.

Was begeistert Sie so sehr daran?

Ich bin überzeugt von ökologischer Landwirtschaft, aber absolut kein Freund davon, Bioprodukte von weit her zu holen. Meine Aufgabe ist es, Bio und regional zusammenzubringen, an der Basis zu arbeiten. Es wird ja viel in den Ämtern und Ministerien entschieden. Aber das Wesentliche muss vor Ort geschehen. Und es ist schön, so nah an der Wertschöpfungskette dran zu sein, genau da etwas bewegen zu können.

Ökomodell-Region ist für viele noch ein abstrakter Begriff. Was konkret bedeutet er für den Verbraucher?

Der Fokus meiner Arbeit liegt auf regionalen Bioprodukten und deren Vermarktung. Bislang muss der Verbraucher sich ja oft entscheiden: Kaufe ich regional oder kaufe ich Bio. Beides wollen wir verknüpfen. Es sollen die Bioprodukte aus der eigenen Region in die Läden, zu den Verarbeitern, auf die Tische der Menschen gebracht werden.

Und die konventionelle Landwirtschaft aus der Region?

Zunächst einmal geht es nicht nur um die Landwirtschaft, sondern um die gesamte Wertschöpfungskette: Landwirte, Erzeuger, Verbraucher – und dazwischen sollen möglichst kurze Wege liegen. Es geht darum, die Strukturen, die es bereits gibt, zu stärken und auszubauen. Und davon kann freilich auch die konventionelle Landwirtschaft profitieren. Es steckt für alle Erzeuger in der Region eine Chance in der Öko-Modellregion.

Angenommen, ein Bio-Betrieb aus Nandlstadt kommt mit einer Idee zu Ihnen und bittet um Unterstützung? Müssten Sie den wegschicken, weil Nandlstadt keine ILE-Gemeinde ist?

Das kann man pauschal nicht sagen. Aber ich kenne es von anderen Öko-Modellregionen, dass das nicht so streng gehandhabt wird. Freilich müsste ich erst Rücksprache mit meinem Arbeitgeber halten. So etwas muss von Fall zu Fall entschieden werden.

Sie sind die Stelle am 1. November angetreten und in das Büro in Kirchdorf eingezogen – das Sie sich mit der ILE-Regionalmanagerin Nina Huber teilen. Wie sehen die ersten Schritte als Projektmanagerin aus?

Grundsätzlich ist das Konzept meine Arbeitsgrundlage. Wegen dieses Konzepts hat das Ampertal den Zuschlag bekommen, und es wird natürlich auch überprüft, was daraus umgesetzt worden ist. Geplant ist eine ganze Menge.

Können Sie uns konkrete Projekte nennen?

Biofleisch aus der Region soll besser vermarktet werden, ebenso wie Bio-Honig und Bio-Getreide für Backwaren, aber auch für Bier. Da sind viele Gespräche mit Bäckereien und Brauereien zu führen, es ist ein Biobier im Gespräch. Im Konzept verankert ist eine Biozertifizierung des Buchcafés Etappe, und es soll der Anteil bio-regionaler Lebensmittel im Kinderheim St. Klara erhöht werden. Analog dazu wollen wir Gespräche mit Kindergärten und Schulen führen, wollen auch hier den Anteil an Biolebensmittel aus der Region erhöhen. Es stehen Schulklassenprojekte zum Thema Landwirtschaft auf der Agenda, und in Zusammenarbeit mit der Vhs Freising, dem Buchcafé Etappe und regionalen Biobauern sollen Kochkurse zum Thema „Gesunde Ernährung trotz kleinem Budget“ etabliert werden. Der Verein „Solidarische Landwirtschaft Auergarden“ plant interaktive Hofführungen, was wir unterstützen möchten. Zu all den Dingen haben intensive Vorgespräche während der Erstellung des Konzepts stattgefunden. Da gilt es jetzt, wieder intensiv einzusteigen.

Stichwort Klimaschutz. Welche Rolle übernehmen Sie als Projektmanagerin für die Ökomodellregion Kulturraum Ampertal auf diesem Gebiet?

Auch hierzu gibt es ein ganz konkretes Projekt: Dabei geht es um Klima- und Bodenschutz. Erosionsanfällige Böden sollen verbessert werden. Wir wollen CO2-Kompensation für die regionale Wirtschaft ermöglichen und daran auch konventionelle Landwirte beteiligen. Die Landwirtschaft soll aus der Verursacherrolle herausgeholt werden. Vielmehr möchten wir den Landwirt als Partner für den Klimaschutz vorstellen.

Denken Sie, dass Sie mit Ihrer Arbeit bei den Landwirten, die keinen Biobetrieb bewirtschaften, auf Widerstand stoßen?

Da ist oft ein Denkfehler drin: Nur weil der Ökolandbau gestärkt wird, heißt es nicht, dass das andere geschwächt werden soll oder muss. Und wir reden von einem Marktanteil von in etwa acht Prozent Biolandwirtschaft. Das sind also immer noch 92 Prozent konventionelle Landwirtschaft. Ich hoffe und denke nicht, dass es Widerstand geben wird.

Stehen Ihnen denn auch Mittel zur Realisierung der genannten Projekte zur Verfügung?

Nein, da sind die Beteiligten selbst gefragt. Was finanziert wurde, ist meine Stelle – zu einem Viertel von den ILE-Kommunen, zu drei Viertel durch Staatsgelder. Aber es gibt in diesem Zusammenhang keine Projektfinanzierung, die über meine Stelle hinaus geht. Ich bin dazu da, dass ich während meiner Arbeitszeit einzelne Dinge und Vorhaben unterstütze, versuche, dafür Fördertöpfe anzuzapfen und ich werde Projekte beratend begleiten. Ich arbeite vernetzend und unterstützend: Die Landwirte und die verarbeitenden Betriebe wie Bäcker, Metzger etc. müssen so überzeugt von ihren Ideen sein, dass sie dafür auch Geld in die Hand nehmen. Aber wie gesagt: Es gibt für Vieles Fördergelder.

Und das alles passiert in Vollzeit?

Ja. Aber es ist eben einePersonalstelle. Es wird nicht so sein, dass Landwirte, Verarbeiter oder interessierte Verbraucher zu mir kommen und sagen können „Mach mal!“ Vielmehr geht es darum, wenn jemand eine Idee hat, schon in der Umsetzung steckt und merkt, es hakt, den zu beraten, nach Lösungen zu suchen. Ich kann Steine aus dem Weg räumen, meine Kontakte nutzen.

Das Ganze ist befristet?

Auf zunächst zwei Jahre, mit der Option, um weitere drei Jahre verlängert zu werden. Ab dem sechsten Jahr wird die staatliche Förderung zurückgefahren. Aber das ist Zukunftsmusik. Jetzt möchte ich erst einmal durchstarten.

Gut zu wissen

Theresa Hautzenberger kommt aus dem Landkreis Altötting, lebt aber seit ihrem Studium an der TUM in Freising. Sie selbst fühlt sich tief mit der Landwirtschaft verwurzelt, ihr Opa hatte einen landwirtschaftlichen Betrieb und auch ihr Onkel ist Landwirt. Die 28-Jährige möchte ein offenes Ohr für alle Akteure haben.

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