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Gerade noch trockenen Fußes erreichte der Festzug von der Wippenhausener Kirche aus das Zelt, bevor ein Wolkenbruch niederging. Das Feiern ließen sich die Gäste des KSV Wippenhausen-Thalhausen aber nicht nehmen.

100 Jahre Krieger- und Soldatenverein Wippenhausen-Thalhausen

Böllerschüsse und Donnerschläge: Der Festzug wurde zum Wettlauf gegen das Unwetter

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100. Geburtstag feierte der Krieger- und Soldatenverein Wippenhausen-Thalhausen. Und eins steht fest: Der rührige Verein hätte sich besseres Wetter verdient. Schön war‘s trotzdem.

Das Ehrenfahnenband In Treue fest verlieh Otto Radlmeier (l.) dem Vorsitzenden Wolfgang Heller.

Wippenhausen – Der Festzug von der Wippenhausener Kirche zum Festzelt wurde auf den letzten hundert Meter zum Festlauf, um nicht nass zu werden, danach prasselte der Regen so laut auf die Zeltplane, dass die Redner selbst über Mikro und Lautsprecher nur schwer zu verstehen waren. Der Krieger- und Soldatenverein Wippenhausen-Thalhausen hätte sich zu seinem 100. Geburtstag am Samstag ohne Zweifel ein besseres Wetter verdient als Gewitter, Wolkenbrüche, Regengüsse und Dauerregen. Doch weil der Verein in seiner Historie schon ganz andere Widrigkeiten überstanden hat, konnte schlechtes Wetter die Feier nicht trüben.

Die Kohlstatt Musikanten und schwere Böllerschüsse kündigten das Kommen der Vereine und Gäste an. Am Himmel hatten sich inzwischen bedrohlich schwarze Wolken aufgetürmt. Der Festgottesdienst mit Anton Erber hätte keine drei Minuten länger dauern dürfen, dann wären die Gäste auf ihrem Weg von der Kirche zum Feuerwehrhaus in Wippenhausen patschnass geworden. So aber erreichte man das Zelt, in dem man geschützt war, gerade noch rechtzeitig, konnte trocken den Braten mit Knödel genießen und mit einer ersten halbe Bier auf das Geburtstagskind, den KSV Wippenhausen-Thalhausen anstoßen.

Der sei, so sagte Vorsitzender Wolfgang Heller, „ein ganz besonderer Verein“. Man erstrecke sich auf zwei Gemeinden (Kirchdorf und Kranzberg), man habe zwei Kriegerdenkmale und man könne eine steigende Mitgliederzahl verzeichnen. Die Aufgabe des KSV, zum Frieden zu mahnen, sei angesichts der derzeitigen politischen Lage in der Welt „wichtiger denn je“, betonte Heller.

Zwei Gemeinden – das bedeutete am Samstag auch Grußworte von zwei Bürgermeistern. Da war zunächst der Kirchdorfer Rathauschef Uwe Gerlsbeck, der humorig das miserable Wetter der Tatsache zuschrieb, dass man keinen Schirmherren gefunden habe. „Jetzt haben wir den Dreck.“

Weiß-blaue Tischdecken und Uniformen prägten am Samstag das Bild im Festzelt. Viele Gäste waren gekommen, um dem KSV zu gratulieren.

Dann wurde Gerlsbeck ernst, erinnerte an bewegte und bewegende Ereignisse aus der 100-jährigen Geschichte des KSV. Dass der KSV 1936 den Nazis getrotzt und sich nicht dem Kyffhäuserbund angeschlossen hatte, zeuge davon, dass die Männer und Frauen des KSV schon immer „großes Verantwortungsbewusstsein und Weitsicht“ besessen hätten. Der KSV genieße heute „größten Respekt und großes Ansehen“ in der Gemeinde, sei „eine der tragenden Säulen des Gemeindelebens“.

Sein Kranzberger Kollege Hermann Hammerl erinnerte daran, dass der Verein vor 100 Jahren von Teilnehmern des Ersten Weltkriegs gegründet worden sei, damit die ihre schrecklichen, traumatischen Erlebnisse „untereinander ausmachen“ konnten. „Jeder, der Krieg beginnt, kann nur verlieren“, formulierte Hammerl die Aufgabe des KSV.

Otto Radlmeier, der Vorsitzende des Kreis-Krieger- und Soldatenvereins lobte die KSV’ler aus Wippenhausen und Thalhausen als „die Kümmerer aus der Provinz“ – eine Zeitungsschlagzeile, die ausschließlich positiv gemeint war. Wegen einer steigenden Zahl von Kriegsopfern seien die Themen der Kriegervereine „eher nicht cool“, bedauerte Radlmeier.

Robert Kraft, Vorsitzender des Patenvereins aus Kirchdorf, sah sich und seinen KSV auch ganz im Dienst des Friedens und hoffte, „dass der Herr Trump nicht auf den roten Knopf drückt“.

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