Katholische Landjugendbewegung Kirchdorf

Diese jungen Kirchdorfer halten die Traditionen hoch

Stefan Springer (24) und Laura Ziegltrum (21) sind zwei junge Kirchdorfer, die die Fahne des Brauchtums hochhalten. Nicht nur im übertragenen Sinn.

Kirchdorf Es ist das Jahr 2013, als Stefan Springer und Laura Ziegltrum der schlafenden Landjugend neues Leben einhauchen. Und schon bei der Wiedergründung des Vereins haben die beiden ein Ziel vor Augen: eine eigene Vereinsfahne. Eine, die Bestand hat. Eine, die auch in 100 Jahren noch existiert.

Fünf Jahre sind vergangen, viel Arbeit haben die beiden und ihre sieben Festausschusskollegen hinter sich gebracht. Es gibt noch viel zu tun, aber ihr Ziel ist in greifbarer Nähe: Am Sonntag, 10. Juni, wird die Fahne feierlich geweiht. Und das wird zum Ereignis in Kirchdorf, ist eingebettet in einen viertägigen Festakt. „Endlich sind wir am Ziel!“, wie Stefan sagt. „Jetzt wird’s wirklich Zeit“, fügt Laura an. Denn nach zwei Jahren Vorbereitung zehre das alles schön langsam richtig an den Nerven. „Aber wir haben es uns ja selbst ausgesucht“, meint sie mit einem Augenzwinkern.

Viel Arbeit für das Brauchtum

Was motiviert zwei junge Leute, sich für einen Traditionsverein wie die Landjugend zu engagieren, sich damit wirklich viel Arbeit aufzutun? BWL-Studentin Laura und Elektrotechniker Stefan erinnern sich zurück an die Anfänge. „Wir waren von den Ministranten herausgewachsen, nicht im Sportverein aktiv und hingen irgendwie in der Luft“, erzählt die Vorsitzende. Eine neue Beschäftigung musste her, eine Heimat. Es sollte aber weder Burschen- noch Mädchenverein sein, da man ja für beide Geschlechter eine gemeinsame Anlaufstelle bieten wollte. Da lag es auf der Hand, die vor vielen vielen Jahren in Kirchdorf schon einmal aktive Landjugendbewegung zurück ins Hier und Jetzt zu holen. 13 Leute fanden sich damals zur Gründung zusammen. Die beiden Vorsitzenden von heute – ein männlicher und eine weibliche, wie das in der KLJB so üblich ist – waren schon damals an der Spitze des Vereins. Mit Vorurteilen, die Landjugend sei uncool oder ähnliches, habe man sich nie konfrontiert gesehen. Im Gegenteil. „Es ist absolut in, Brauchtum am Leben zu halten“, finden beide.

Und zum Brauchtum gehört eine Vereinstracht – auch hier gibt es zum großen Ereignis was Neues, wie die Chefin ankündigt. Und eben auch eine Fahne.

Vor zwei Jahren hat man dieses Projekt in Angriff genommen, hat sich, auf der Suche nach Inspirationen, auf zu anderen Vereinen gemacht. Schnell war man sich darüber einig, dass die eine Seite der Fahne den Heiligen St. Martin mit Pferd und Bettler zeigen soll – passend zur Kirchdorfer Pfarrei St. Martin. Auf der anderen Seite – und hierfür hat Hanna Springer, KLJB-Schriftführerin, den Entwurf gezeichnet, ist ei Feldkreuz mit Pflug und Feldweg zu sehen, sowie ein Ährenfeld und Mohnblumen mit Landschaft im Hingergrund. Mit diesen genauen Vorstellungen hat man sich auf nach Schierling zu Fahnen Kössinger gemacht und alles Wichtige in die Wege geleitet. „Davor haben wir tage- und wochenlang über einem Spruch gesessen, bis wir uns endlich auf einen geeinigt hatten.“ Es sollte ja etwas sein, mit dem sich alle ihnen nachfolgenden Mitglieder auch in Jahren noch identifizieren können. „Verbunden durch die Freundschaft, gemeinsam in die Zukunft“ soll jetzt die Fahne aus französisch-blauem Samt zieren.

Nicht alle 70 Mitglieder durften bei der Entscheidungsfindung mitwirken. „Mit so vielen Leuten hätte man sich wohl nie geeinigt“, sagen die beiden Chefs und lachen. Die wichtigen Fragen wurden im neunköpfigen Festausschuss geklärt.

So auch die Sache mit dem Fahnennagel. Dahinter verbirgt sich eine schöne Tradition, dank derer so eine Fahne mitfinanziert werden kann. Immerhin kostet das Prachtstück, der künftige Stolz des Vereins, stolze 10 000 Euro. Im Sinne der Gleichbehandlung mit anderen Vereinen, übernimmt die Gemeinde Kirchdorf zehn Prozent. Bleiben stolze 9000 Euro, die die Landjugend selbst stemmen muss – ein satter Betrag für so einen jungen Verein. Edle Spender, die das ehrgeizige Projekt der Landjugend mit mindestens 150 Euro unterstützen wollen, bekommen einen Fahnennagel, der, mit ihrem (Vereins)-Namen versehen, einen Platz auf einem Fahnenband findet. „So bleiben diejenigen, die uns großzügig unterstützen, allen in Erinnerung.“ Und die Spender werden hoffentlich noch mehr (Details zum Spenden siehe unten).

Die Arbeit seit der Gründung im Jahr 2013 hat sich – nicht nur wegen der Fahnenvorbereitungen – verändert. Die 13 Gründungsmitglieder haben ordentlich Zuwachs bekommen. Aktuell sind die 70 Mitglieder zwischen 14 und 30 Jahre alt. Eine Altersgrenze gibt es nicht. Einziges Kriterium, das das Ende der Landjugendzeit besiegelt: die Heirat. Und selbst Verheiratete KLJB-ler stehen in Kirchdorf nicht auf der Straße: Gibt es doch den Förderverein, in dem aber auch andere, der Landjugend wohlgesonnene Mitglieder, willkommen sind.

Anlaufstelle für alle jungen Kirchdorfer

Und wer ist nach Ansicht der beiden Vorsitzenden bei der KLJB richtig? Daran wiederum habe sich nichts geändert: alle jungen Kirchdorfer. Denn der Verein bietet Dinge, die man im Freundeskreis nie machen würde: Gemeinsame Erste-Hilfe-Kurse, bestens organisierte Ausflüge, das jährliche Weinfest in Kirchdorf, das die Jugend ausrichtet: „Bei uns lernt man was“, sagt Laura Ziegltrum. Vor allem bei so einem Fest, bei dem es vier Tage hoch her geht, wenn die jungen Leute zumindest an zwei Tagen die Bewirtung komplett selbst übernehmen.

Ein absoluter Glücksfall für das Spektakel im Juni ist die Tatsache, dass die Landjugend dafür das Freigelände, auf dem auch das Kirchdorfer Mittelalterfest über die Bühne geht, nutzen dürfen. „Wir wissen, das das keine Selbstverständlichkeit ist“, sagen die beiden Chefs, die dem Landwirt unendlich dankbar sind, für ihr Fest einen perfekten Platz gefunden zu haben.

Und vom Kabarettabend mit Da Bobbe am Donnerstag, 7. Juni, der Meter-Party am Freitag, 8. Juni, mit DJ Enargy, dem Festzeltbetrieb mit Nachtstark am Samstag, 9. Juni, und dem Höhepunkt, dem Festsonntag, mit Weckruf, Empfang der Vereine, Kirchenzug und der Fahnensegnung ist an diesen vier Tagen ordentlich was geboten. Nicht nur für die jungen Kirchdorfer – aber von ihnen.

7. April ist der interne große Tag

Da das Fest für sämtliche Mitglieder Stress pur wird, zelebrieren die Vereinsmitglieder einen anderen Termin groß: Am 7. April wird die Fahne abgeholt. Für den Tag hat man einen Bus gebucht, zwei Musikanten sind mit an Bord, ebenso wie Schirmherr und Bürgermeister Uwe Gerlsbeck und die Fahnenmutter Claudia Hermann. „Das wird richtig griabig“, sagt Stefan Springer. Die beiden Vorsitzenden freuen sich riesig auf den Tag: „Das wird für uns das Schönste.“ Dann sehen sie die 10 000 Euro-teure Fahne zum ersten Mal.

Spende

Wer die Fahne gerne unterstützen möchte, kann spende an: Katholische Kirchenstiftung Kirchdorf Bank: Freisinger Bank e.G. IBAN: DE 75 7016 9614 0000 6013 73 Verwendungszweck: Spende Fahne KLJB.

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