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Nanu, ich hab mit dem Vorfall doch gar nichts zu tun.

Prozess

Reh oder Rausch: Kirchdorfer (19) lenkt Auto ins Kornfeld

Kirchdorf - Mit einem doppelten Salto ins Weizenfeld endete die Autofahrt eines 19-Jährigen. Seine Begründung: Ein Reh habe seine Fahrbahn gekreuzt. Das Amtsgericht hatte einen anderen Verdacht.

Fälle, in denen Wildwechsel Ursache für einen Autounfall gewesen sein soll, lassen die Akten im Amtsgericht Freising überquellen. „Die Viecher haben die Angewohnheit, immer dann aufzutauchen, wenn der Verdacht besteht, dass der Fahrer eingeschlafen ist“, sagte die Staatsanwältin bei dem Prozess, bei dem sich ein 19-Jähriger aus Kirchdorf wegen Trunkenheit und Fahrerflucht verantworten musste. „In Bayern gäbe es kein Wild mehr, wären alle Geschichten wahr.“

Die Geschichte des 19-Jährigen: Im Juli 2015 hatte er mit Freunden gezecht – erst auf einem Dorffest in Helfenbrunn, dann bei einer Feier an der Amper. Der Student versicherte, gegen 1 Uhr die letzte von drei Maß Bier geleert zu haben. Er habe sich in der Lage gefühlt, einen Spezl (19) in dessen Auto heimzubringen.

Irgendwo auf der kurzen Strecke zwischen Helfenbrunn und Kirchdorf müsse ein Reh aus dem Wald gesprungen sein. Der mehr oder weniger weggetretener Spezl bestätigte diese Version. Er habe auf dem Beifahrersitz „halb geschlafen“, berichtete der Azubi. Dennoch habe er „irgendwas kommen sehen“. Nachdem beide nach zweifachem Überschlag unversehrt aus dem Kornfeld gekrabbelt waren, entschied der Angeklagte, ein paar Stunden über den unseligen Vorfall zu schlafen. „Nächsten Morgen hätten wir uns dann um die Sache gekümmert.“

Da hatten Polizisten den Halter des Opels bereits ermittelt. Gegen 8.30 Uhr klingelte es an der Tür des Azubi, bei dem sich auch der Angeklagte zum Schlafen niedergelassen hatte. Der Alkoholdunst, den er immer noch verströmte, entging den Beamten nicht.

Im Prozess ließ sich der Trunkenheitsvorwurf dennoch nicht aufrechterhalten. Ein gutes halbes Jahr nach dem Vorfall halfen dem Studenten zwei weitere Freunde mit der Bestätigung aus, wonach dieser zuletzt gegen 1 Uhr Alkohol genossen habe. Ohnehin hatte er sich die Trunkenheitsanklage bloß eingebrockt, weil er bei den Beamten falsche Angaben machte. Zunächst hatte er behauptet, schon gegen 1.30 Uhr heimwärts gefahren zu sein. Ein Gutachter ermittelte für diesen Zeitpunkt einen Wert von über 1,1 Promille. Erst später korrigierte ein zweites Gutachten den Wert auf 0,97 Promille gegen 5 Uhr herunter. Erst ab 1,1 Promille gilt man als absolut fahruntüchtig.

Wegen Unfallflucht wurde der 19-Jährige zu 40 Sozialstunden und einem Monat Fahrverbot verurteilt. Die 0,97 Promille kosteten ihn 500 Euro – allerdings nicht als Strafsache, sondern als Ordnungswidrigkeit.

Andreas Sachse

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