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Was kann eine Delegation einer 13-Millionen-Metropole von einer kleinen bayerischen Landgemeinde lernen? Erstaunlich viel!

Chinesische Delegation im Ampertal

Der Ferne Osten so nah

Kirchdorf - Solche Gäste empfangen die Ampertal-Bürgermeister auch nicht alle Tage: Eine hochrangige chinesische Delegation war am Freitag in Kirchdorf zu Gast. Verblüffendes Fazit dieses Besuchs aus Fernost: Eine 13-Millionen-Metropole kann von kleinen Landgemeinden noch lernen. Sogar einiges.

Die Szene könnte auch aus einem Heimatfilm stammen: Eine Menge bayerischer Politiker und eine chinesische Abordnung stehen inmitten einer malerischen Hügellandschaft und im Hintergrund tuckert gemütlich ein Traktor vorbei, der ebenso gut aus dem Museum stammen könnte. Doch derartige Bilder waren nicht auf einer Leinwand zu sehen, sondern spielten sich am Freitag tatsächlich so im Ampertal ab. Wie kam es dazu, dass eine Delegation aus Fernost im Landkreis Freising Station gemacht hat?

An der Stelle wird es ein bisschen kompliziert. Der Sohn des Sprechers für den integrierten ländlichen Raumes (ILE), Andreas Springer, ist mit einer chinesischstämmigen Politikstudentin liiert. Diese stellte schließlich den Kontakt zu der Universität in der chinesischen Großstadt Tianjin her und war als Dolmetscherin dabei unverzichtbar. Stets interessiert an neuen Beziehungen, beschloss man dort, die Gelegenheit wahrzunehmen und entsendete gleich mehrere Professoren zur Begutachtung deutscher Hochwasserschutzanlagen. Dass dieser Besuch auch von deutscher Seite sehr ernst genommen wurde, wurde bereits bei der Begrüßung vor dem Kirchdorfer Rathaus deutlich. Alles, was in der Region Rang und Namen hat, war vertreten. Da war zum Beispiel der Gastgeber und Kirchdorfer Bürgermeister Uwe Gerlsbeck, oder der Bürgermeister Hermann Hammerl aus Kranzberg und der Allershausener Gemeindechef Rupert Popp. Aber auch das Amt für ländliche Entwicklung durch Guido Romor und mehrere Vertreter des Wasserwirtschaftsamts waren dabei.

Auf dem Plan stand der Besuch einiger Maßnahmen zum Hochwasserschutz, aber auch neue Techniken zur Energiegewinnung, wie etwa eine Hackschnitzelheizung. Doch wie passt das zusammen? Der durchschnittliche Deutsche verbindet China eher nicht mit effizientem Hochwasserschutz und umweltfreundlicher Energieerzeugung. Allerdings bewegt sich im Reich der Mitte gerade eine ganze Menge. „Bereits seit 1998 ist die Regierung sich schon der Problematik bewusst, dass gegen die alljährlichen Überflutungen mit zahlreichen Toten Maßnahmen ergriffen werden müssen“, erklärt Liang Jun, ein leitender Angestellter im Katastrophenschutz Tianjins. „Es wurden Überflutungsgebiete geschaffen und die Zahl der Toten sank, aber wir sind immer auf der Suche nach neuen Ideen, Pum diesen Schutz noch effektiver gestalten zu können“ so Jun weiter. Neben den bayerischen Landmaschinen war die Abordnung auch entsprechend beeindruckt von der Lösung des integrierten Kulturraums Ampertal, die sich besonders durch eine Integration aller Faktoren, wie Landschaftsbeschaffenheit, Bewirtschaftung und Bepflanzung auszeichnet.

Der Professor für Soziologie Xi Weijian zeigte sich auch begeistert über die Entscheidungsfindungsprozesse im Ampertal. Neben den Investoren und Politikern wurden nämlich auch die betroffenen Landwirte direkt in die Planung mit einbezogen. Ein in China momentan noch undenkbarer Ansatz, was allerdings auch den ungleich größeren Dimension dort geschuldet sein könnte. Während die Region des Kulturraums Ampertal rund 80 000 Einwohner hat, sind es alleine in der Metropolregion Tianjins rund 13 Millionen. Doch der Soziologe ist überzeugt, in seinem Land ein Umdenken erreichen zu können. Und die Gelegenheit dazu hat er allemal. Die staatlich geführte Uni, an der Weijian unterrichtet, bildet alle angehenden Funktionäre der Region aus, wodurch sich die Eindrücke aus dem fernen Deutschland dort bald in realen politischen Maßnahmen niederschlagen könnten. Bis es zurück ins Heimatland geht, wird sich die Delegation auch mit den vergnüglicheren Seiten bayrischer Kultur vertraut machen. Die bei der Verabschiedung erhaltenen Maßkrüge im stilechten Kirchdorfdesign wurden nämlich anschließend im Münchener Hofbräuhaus ausgiebig getestet. Neben einer Bierseligkeit blieb so auch das gute Gefühl, mit dem Know-How aus dem winzigen Ampertal bald Menschenleben im riesigen China schützen können. 

Johannes Rami

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