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Freuen sich auf die First Responder: die beiden Initiatoren Tobias Kiel (l.) aus Kirchdorf und Heiko Kruschina aus Wolfersdorf. 

Im Gespräch mit den Ersthelfergruppen-Initiatoren

First-Responder-Gruppen in Kirchdorf und Wolfersdorf in den Startlöchern

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Sie sind da, bevor der Rettungsdienst eintrifft. Sie sind die Ersten. Und deshalb heißen sie auch First Responder. In Wolfersdorf und Kirchdorf stehen nun zwei dieser Gruppen in den Startlöchern. Die beiden Initiatoren, Tobias Kiel (39) und Heiko Kruschina (50), kennen sich gut. 

Die Parallelität der beiden Initiativen ist ja kein Zufall.

Kruschina: Nein. Ich bin Zweiter Kommandant der Feuerwehr Jägersdorf und Feuerwehrsanitäter. Als solcher fahre ich oft ehrenamtlich bei Tobias Kiel mit. Der ist nämlich hauptamtlicher Notfallsanitäter und außerdem Erster Kommandant der Feuerwehr Kirchdorf.

Wie kamen Sie auf die Idee, eine First Responder-Gruppe zu gründen?

Kiel: Es gibt Gutachten, nach denen die Einhaltung der Einsatzfristen in Wolfersdorf grenzwertig ist. Und als Notfallsanitäter merkt man in der Praxis schnell, wo etwas zu optimieren ist. In Kirchdorf wird die Einsatzfrist zwar fast zu 80 Prozent eingehalten, was noch in Ordnung ist, aber wir haben im Gemeindegebiet 240 Notfallereignisse pro Jahr. Und rund zehn Mal im Jahr werden wir von der Feuerwehr sozusagen als Vorhut hinbeordert. Aber die Feuerwehrler sind dafür ja gar nicht ausgebildet. Und deshalb ist so eine First Responder-Gruppe so wichtig.

Wie ist der Zuspruch?

Kiel: In Kirchdorf haben 23 Leute ihr Interesse bekundet, da mitzumachen. Davon müssen elf noch die Ausbildung absolvieren. Und das sind zu zwei Dritteln Bürger, die nicht schon in der Feuerwehr sind.
Kruschina:Bei uns in Wolfersdorf sind es 16 Leute, die sich derzeit in der Ausbildung befinden. Vier weitere Freiwillige wollen sich noch anschließen.

Wie weit sind die beiden Projekte gediehen?

Kiel:Noch stecken wir in den Kinderschuhen. Die Gemeinde Wolfersdorf hat die Einrichtung der Gruppe im März beschlossen, in Kirchdorf gibt es sie seit dem 30. Juli.

Und wie sieht es mit den Finanzen aus?

Kruschina:Wir in Wolfersdorf brauchen ein Fahrzeug. Die Gemeinde hat jetzt mal 35 000 Euro zur Verfügung gestellt für Ausrüstung und Ausbildung. Nach unserer Rechnung bleiben rund 13 000 für ein Fahrzeug übrig. Mal schauen, was man dafür bekommt.
Kiel:Wir nehmen erst einmal unser Mehrzweckfahrzeug der Feuerwehr her. Bürgermeister Uwe Gerlsbeck würde aber schon 20 000 Euro für die First Responder-Gruppe zur Verfügung stellen.

Wird es Fördervereine für die First Responder geben?

Kiel:In Kirchdorf haben wir einen Feuerwehr-Förderverein. Unter dessen Dach wird jetzt auch die First Responder-Gruppe laufen.
Kruschina: In Wolfersdorf haben wir am 29. Mai so einen Förderverein gegründet, um auf lange Sicht die Gruppe mit den Mitgliedsbeiträgen und durch Spenden zu unterstützen. Derzeit haben wir 45 Mitglieder. Und wir haben auch schon 5000 Euro aus dem Bürgerfonds der Engie Kraftwerke in Zolling bekommen.

Wann geht es dann wirklich los mit den First Re-spondern?

Kruschina:Wir wollten eigentlich schon im Oktober starten, aber der Rettungszweckverband in Erding muss noch zustimmen – und der tagt erst wieder im Dezember. Vorher geht es also nicht los.
Kiel:Wir wollen unser Personal in Kirchdorf sehr sehr gut und sicher auf die verschiedenen Einsatzlagen vorbereiten, bevor wir die Leute rausschicken. Seit Juli haben wir monatliche Übungen, aber vor Ende dieses Jahres wird es auch bei uns wohl nicht losgehen.

Was sind denn so die typischen Einsatzlagen für First Responder?

Kiel: So ziemlich alles, was akut ist: Blutungen, Kreislaufstillstand, wenn jemand überfahren wurde, Stürze aus mehr als drei Metern Höhe, Herzinfarkt, akute Atemnot und Kindernotfälle.

Was kann und darf ein First Responder denn tun?

Kiel: Er hat einen Defibrillator und ein Beatmungsgerät im Wagen, eigentlich die gesamte Grundausstattung eines Notfallsanitäters. Seine Aufgabe ist es, begünstigende Umstände zu schaffen – will heißen, den Blutkreislauf am Laufen zu halten, Menschen davor zu bewahren, an ihrem Erbrochenen zu ersticken. Er macht alles so, dass wir als Notfallsanitäter und der Notarzt nahtlos an die Behandlung anschließen können. Medikamentöse Behandlung darf er nicht vornehmen.

Wie lange kann so ein First- Responder-Einsatz dauern?

Kiel: Das können schon mal 30 bis 40 Minuten werden.

Gibt es zu wenig Notfallsanitäter? Wird man künftig mehr solche First Responder brauchen?

Kiel: Wir haben nicht mehr Notfalleinsätze für akute Einsatzlagen als früher. Aber wir haben viel mehr Pillepalle-Fälle. Da sind die Zahlen in den vergangenen Jahren um 300 Prozent gestiegen. Und das bindet Kapazitäten.

Darf denn ein First Responder, wenn er feststellt, dass es kein akuter Notfall ist, den Notfallsanitäter oder Notarzt „abbestellen“?

Kiel:Der First Responder darf nichts „abbestellen“. Der Grund ist, dass First Responder als freiwillige und ehrenamtliche Einrichtung kein Ersatz für die öffentlich-rechtlichen Einsatzkräfte sind.

Wie werden die Einsatzzeiten sein, wenn die First Responder in Wolfersdorf und Kirchdorf aktiv sind?

Kruschina:Weil bei uns das Einsatzfahrzeug vor der Wohnung dessen steht, der gerade Bereitschaft hat, schätzen wir mit maximal sechs Minuten, bis wir vor Ort sind.
Kiel: Bei uns wird das ein bisschen länger dauern, weil die First Responder erst zum Feuerwehrhaus kommen müssen, um dort in das Mehrzweckfahrzeug einzusteigen.

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