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Hitzige Diskussion um einen Herzenswunsch der Kirchdorfer Kinder

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Einen Teilerfolg haben die Kirchdorfer Kinder Paula Schmied (9), Josefine Pittner (9), Samuel Nawo (9) und Raffael Nawo (6) zu verbuchen, die stellvertretend für rund 100 Kinder eine Unterschriftenliste für die Seilbahn überreicht hatten.
Einen Teilerfolg haben die Kirchdorfer Kinder Paula Schmied (9), Josefine Pittner (9), Samuel Nawo (9) und Raffael Nawo (6) zu verbuchen, die stellvertretend für rund 100 Kinder eine Unterschriftenliste für die Seilbahn überreicht hatten. © Lorenz

Die Kirchdorfer Kinder wünschen sich sehnlichst eine Seilbahn. Und sie haben es geschafft, dass die Gemeinde erneut darüber nachdenkt und Gespräche führt.

Kirchdorf - Die Kirchdorfer Gemeinderatsentscheidung vom Juni, am Spielplatz „Quellenweg“ die von den Kindern sehnlichst gewünschte Seilbahn nicht zu bauen, stieß auf gewaltigen Widerstand beim Kirchdorfer Nachwuchs. Weil eine Liste mit rund 100 Unterschriften für die Seilbahn bei Bürgermeister Uwe Gerlsbeck (CSU) auf dem Tisch gelandet war, nahm der kurzerhand das Thema erneut auf die Tagesordnung. Das stieß Elisabeth Hörand (CSU/FW) sauer auf, denn für sie lägen keine neuen Informationen vor, um einen demokratisch gefassten Beschluss „auszuhebeln“.

Hörand strikt dagegen, den Beschluss auszuhebeln

Noch bevor die Gemeinderatssitzung Fahrt aufnehmen konnte, rief Hörand schon zum Antrag zur Geschäftsordnung, um so die erneute Behandlung der Spielplatzgestaltung zu verhindern. „Ich verstehe einfach nicht, was das jetzt soll. Es gibt einen rechtlichen Beschluss zur Sache“, erklärte Hörand. Eine Unterschriftenliste der Kinder würde ihrer Meinung nach das Kippen des Beschlusses vom Juni überhaupt nicht rechtfertigen.

Hörand habe im Landratsamt Freising nachgefragt, ob das so überhaupt möglich sei. Ergebnis der Rechtsauskunft laut Hörand: ein Beschluss kann gekippt werden, zu empfehlen sei es nicht. Auch der Bürgermeister war nur mäßig begeistert, den Beschluss zurückzuziehen, obwohl er den Punkt erneut auf die Tagesordnung gebracht hatte. „Dafür braucht es triftige Gründe – nur eine knappe Entscheidung reicht da nicht aus“, sagte Gerlsbeck.

Gemeinderat findet, den Wunsch der Kinder sollte man ernst nehmen

Für Martin Heyne (Grüne) sei die deutliche Willensbekundung via Unterschriftenliste durchaus ein neuer und starker Aspekt – diese Kinder wollen eben keinen Kleinkinderspielplatz, wie es von der Planerin angedacht wurde, sondern einen Abenteuerspielplatz. Auch Anton Pittner (CSU/FW), der sich federführend in die Materie eingearbeitet hatte, sprach sich für eine Neubehandlung aus. In der Juni-Sitzung sei für ihn der falsche Eindruck vermittelt worden, dass die nötigen Erdbewegungen einen erheblichen Kostenfaktor ausmachen würden. Es gebe örtliche Unternehmen, die einen großen Teil kostenlos übernehmen würden. Die Abstimmung verlief knapp: Neun Räte stimmten für eine Neubehandlung – sieben, darunter auch Gerlsbeck, dagegen.

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Für Regina Elzenbeck (CSU/FW) sei es gar nicht offensichtlich gewesen, dass die Seilbahn ein derart großes Herzensprojekt der Kinder sei. In Richtung der Kinder meinte sie: „Ihr hättet die Liste früher vorlegen müssen – dann wäre es anders ausgegangen!“

Ein großes Thema, das erneut auf den Tisch kam: das Schichtwasser auf dem Grundstück, von dem allerdings kein Rat so recht wusste, ob es nun wirklich da ist oder nicht. „Ich kann das nicht einschätzen“, sagte Gerlsbeck. Auch die beauftragte Planerin Daniela Bücking konnte diesbezüglich keine Garantie geben, allerdings plädierte sie erneut stark für die Variante 2, also einem Spielplatz, der mit den natürlichen Gegebenheiten arbeitet. Auch ohne Seilbahn könnte dort laut Bücking nämlich ein Abenteuerspielplatz entstehen – es müssten halt die richtigen Spielgeräte dafür angeschafft werden. Weiterhin strikt gegen eine Seilbahn war Helmut Wildgruber – auch wegen dem Lärm, das dieses Gerät bei Benutzung verursache. In die gleiche Kerbe schlug Andreas Schmitz (FWG): „Das macht einen Höllenlärm – wir handeln uns damit Ärger ein!“

Was Schmitz auch nicht gefiel, weil er die Liste genauer studiert hatte: „Auf der Unterschriftenliste sind ja auch Kinder drauf, die nicht am Spielplatz wohnen!“ Die Erklärung von Pittner: „Es wohnen ja auch nicht 100 Leute in der Straße – natürlich haben sie auch andere Kinder unterschreiben lassen!“

Auf die rettende Idee kam Gerlsbeck selbst: „Wir haben ja unseren Bauausschuss, der kann sich ja mit den Eltern und Kindern auseinandersetzen.“ Für Heyne eine perfekte Lösung: „Herr Gerlsbeck, ich bin jetzt ganz gerührt von diesem Vorschlag.“

Und so wurde der Beschluss mit 12:4 Stimmen aufgehoben. Jetzt wird der Bauausschuss ins Boot geholt – der Beschuss fiel ebenfalls mit 12:4 Stimmen. Die anwesenden Kinder waren sichtlich erleichtert. Der Bürgermeister gab ihnen aber noch eines mit auf dem Heimweg: „Das ist aber jetzt keine Garantie für eine Seilbahn!“

Richard Lorenz

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