Einer „Buckelpiste“ gleicht der Radweg zwischen Netto und der Amperbrücke in Kirchdorf.
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Einer „Buckelpiste“ gleicht der Radweg zwischen Netto und der Amperbrücke in Kirchdorf.

500 Meter lange Asphalt-Welle

Kuriosität in Kirchdorf: Darum wurde dieser Radweg unfreiwillig zur Buckelpiste

Ein Fahrrad-Erlebnisweg? Die Teststrecke eines Herstellers? Wie die Gemeinde Kirchdorf zu einem buckeligen Radweg kam, erklärt jetzt der Bürgermeister.

Update vom 10. Juli: Inzwischen ist der Buckelpisten-Radweg von Kirchdorf deutschlandweit Thema.

Erstmeldung vom 4. Juni: Kirchdorf - Die Gemeinde Kirchdorf scheint ihrer Zeit bezüglich einer Fahrrad-Erlebniswelt weit voraus. Begnügen sich andere Kommunen noch mit einfachen Asphaltwegen, folgt Kirchdorf dem österreichischen Vorbild: die Aufwertung von Fahrradstrecken durch kleine Hügel. Eigentlich schade, dass es nur ein Planungsfehler war.

Bürgermeister Uwe Gerlsbeck (CSU) nimmt es gelassen – trotz einiger schadenfreudiger E-Mails aus der Bürgerschaft, frei nach dem Motto: Gibt es jetzt Berge in Kirchdorf? Auch, weil es den Verantwortlichen erst nach der Asphaltdecke so richtig aufgefallen war: Statt eines geraden Fahrradwegs zwischen Netto und Amperbrücke können Neugierige aktuell einen hügeligen Parcours betrachten. Zur Ehrenrettung: Es sieht schlimmer aus, als es ist – beim Fahrradfahren selbst bemerke man die „Huckel“ kaum, bestätigte Gerlsbeck. Nur schön sei es halt nicht sonderlich. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats wurde dieses Thema kurz angerissen, weil Gerlsbeck ein Meinungsbild des Rats einfangen wollte.

Die Frage lautet nun: So belassen oder erneuern?

Aufgrund der Feldeinfahrten sei der Radler-Weg angehoben worden, aber eben nicht überall gleichmäßig – die Fehlleistung liege eindeutig beim Planenden. Für den Rathaus-Chef stellt sich nun die Frage: so belassen oder erneuern? In Österreich gestaltet man längere Strecken mit künstlichen Steigungen, um den Fahrspaß zu erhöhen – allerdings misst die betroffene Ampertal-Innovation nur um die 500 Meter, danach verläuft der Fahrradweg wieder ganz normal.

Zu bedenken wäre laut Gerlsbeck auch eine Erneuerung plus die Ausweitung zu einem etwas breiteren Wirtschaftsweg, den sich dann Landwirte und Fahrradfahrer teilen könnten. Dass sich Traktor und Mountainbike später allerdings ins Gehege kommen, schließt Gerlsbeck aus: Die Wirtschaftsweg-Nutzung sei überschaubar niedrig. Gespannt darf man auf jeden Fall sein, wie sich das Gremium in der nächsten Sitzung entscheiden wird – für eine kleine Sensation im Ort oder eben für den geraden Weg.

Gerlsbeck hofft auf ein Lastenrad

Das Fahrrad beschäftigt Gerlsbeck auch in einer anderen Sachlage, die ebenfalls in der jüngsten Gemeinderatssitzung auf den Tisch kam: Unter 2000 Kommunen sollen sechs Gemeinden für ein Lastenrad-Förderprogramm ausgewählt werden. Gefallen würde es dem Bürgermeister sehr gut, damit eine „Vorzeige-Kommune“ zu werden. Einen großen Bonus-Punkt sieht Gerlsbeck beim Mobilitäts-Konzept der ILE Ampertal, die ja sowieso einen innovativen Weg einschlägt. Denkbar wäre es laut dem Bürgermeister, verschiedene Stellplätze anzubieten, um dort via Miet-System den eigenen Drahtesel gegen ein Lastenrad für beispielsweise größere Einkäufe einzutauschen. Wie schon mit der kompletten gemeindlichen LED-Umstellung könnte Kirchdorf damit sogar vielen anderen Gemeinden einen Riesenschritt voraus sein. Selbst oder vielleicht sogar wegen eines sehr ungewöhnlichen Fahrradwegs.

Der Lastenrad-Antrag wurde jedenfalls gestellt, die Gemeinde wartet nun ab, ob man dabei zum Zug kommt.

Richard Lorenz

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