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Geniale Zusammenarbeit: Sänger Sebastian Horn und Musiker Gerd Baumann.

Konzert zwischen Leben und Tod

Klangvoll schaurig: Dreiviertelblut tanzt auf dem schmalen Grat zwischen Glück und Unheil

Ein Konzert zwischen Leben und Tod präsentierte die Band Dreiviertelblut in der ausverkauften Tenne im Rahmen der Schuhbauers-Showtime-Reihe in Kirchdorf.

Kirchdorf – Ein Konzert zwischen Leben und Tod präsentierte die Band Dreiviertelblut in der ausverkauften Tenne im Rahmen der Schuhbauers-Showtime-Reihe. Keiner anderen bayerischen Band gelingt der Tanz auf dem schmalen Grat zwischen Glück und Unheil so filigran wie der Formation um Sänger Sebastian Horn. Ein Abend im Taumellicht der Diskothek Maria Elend.

Hohe Empathie für die Verlorenen und Suchenden

Es sind die November-Songs und der Friedhofs-Kapellen-Echoklang, der den Glanz von Dreiviertelblut ausmacht. Die Eröffnungs-Nummer „Bei da Nacht“, als Verneigung für den erst kürzlich verstorbenen Regisseur Joseph Vilsmaier, ein Soundtrack-Fragment aus dem Kneißl-Film.

Dreiviertelblut zog das Publikum in der bis auf den letzten Platz gefüllten Schuhbauers-Tenne in den Bann.

Ein Lied, das auch gleich die Nuancen des Abends auslotete und zugleich die Herzschläge der Band hörbar machte: Eine hohe Empathie für die Verlorenen, die Toten und die Suchenden. Horn steht als Texter seiner musikalischen Träume in direkter Nachfolge eines Ludwig Hirsches, insbesondere der dunkelgrauen Lieder – aber nie als lose Kopie, sondern vielmehr als Neubebilderung der menschlichen Abgründe.

Natürlich tanzt da auch ein später Leonard Cohen in den Walzer-Stücken von Dreiviertelblut, aber noch viel mehr atmen ihre Songs den Spirit von Nick Cave. Gerade die langsamen, die ganz dunklen Stücke könnten in Caves „Boatman´s Call“ Unterschlupf finden. So auch das gespenstische „Löcher“ aus den Finsterlieder-Aufnahmen in dramatischer Dynamik mit fiebrigen Texten, untermalt von Luke Cyrus Goetze an der Lapsteele wie Daniel Lanois in seinen besten Zeiten. Rabenschwarz der Song „Lied vom unbekannten Soldaten“, eine Ansprache aus dem Grab heraus – inspiriert von Kriegerdenkmälern und falschem Heldentum. Und auch hier: Liegt bei Ludwig Hirsch der fremde Soldat noch tot auf der Wiese, lässt ihn Horn aus der Vergessenheit heraus noch flüstern, beinahe wie „I lieg am Ruckn“.

Band in virtuoser Hochform

Eindrücklich zeigt sich bei jedem Lied die geniale Zusammenarbeit mit dem Mitstreiter Gerd Baumann, der für die einzigartige musikalische Bemalung verantwortlich ist. Baumann ist kein Unbekannter: Als Filmkomponist hat er bereits mit den Songs für beispielsweise „Wer früher ist stirbt ist länger tot“ für Furore gesorgt.

Das vielleicht eindrucksvollste Lied „13 Minuten“ zeigte dann mit aller Brillanz, welch ein großer Texter Sebastian Horn ist. Seine traumwandlerische Reise führte zu den letzten Stunden des Hitler-Attentäters Georg Elser. Zwischen Einsamkeit, der Todesnähe und einem imaginären Brief an seine große Liebe eröffnet Horn mit diesem Lied die deutsche Seele und das Herz zugleich. „Eines wollte ich dir noch sagen, bevor sie mich den Schornstein hinausjagen“, rührt zu Tränen, die Verknappung von Sehnsuchts-Momenten auf das Fundamentalste ist in keinem anderen Lied so mächtig und so liebevoll.

Es ist zu spüren, dass Horn die dunklen Seiten des Lebens kennt, so wie auch das Glück eines Sommertages. Ein charismatischer Sänger mit der Liebe, wie einst Hans-Dieter Hüsch, zu den seitlich Umgeknickten. Die Band in virtuoser Hochform: Florian Riedl an der Klarinette, an der Trompete Dominik Glöbl, am Bass Benjamin Schäfer, an den Drums Flurin Mück und an der Gitarre Gerd Baumann.

Richard Lorenz

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