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Hundling, kongenial unterstützt von Osthold am Piano, präsentierte sich ganz weit weg von der Spaßfraktion des Heimatsounds.

Hundling in Kirchdorf

Ein Momentensammler der besonderen Art

Ein Hundling ist er schon, der Phil Höcketstaller, der unter dieser bayerischen Begrifflichkeit am Donnerstag in Kirchdorf auf der Bühne stand.

Kirchdorf – Zusammen mit dem Pianisten Sebastian Osthold umriss Höcketstaller mit seinen Songs eindrucksvoll die bayerische Seele. Ein Momenten-Sammler der besonderen Art.

Würde man für Hundling ein amerikanischen Pendant finden wollen – lange bräuchte man nicht zu suchen. Den jungen Bruce Springsteen vielleicht oder den reifen Tom Petty mit seinen Vollmondträumen, mit textlichen Querverweisen zu Georg Danzer. Ganz weit weg von der Spaßfraktion des Heimatsounds, die ganz und gar radiotauglich nichts anderes bietet als bayerischen Schlager.

Höcketstaller allerdings gräbt ganz tief in der Seele und hat noch dazu ein ganz besonderes Talent: Er kann Texte schreiben, kann Gefühlswelten auf zwei, drei Zeilen komprimieren und sie zum Leuchten bringen. Damit steht er der frühen österreichischen Liedermacher-Szene viel näher als der bayerischen, wenngleich die Ausstattung seiner Songs auch von einem Franz Xaver Bogner stammen könnte. Natürlich: Der Albumtitel mit „Ois Chicago“ als eine Verneigung zu den Münchner Geschichten, und auch im philosophischen Aspekt ist Hundling oftmals nahe dran am Tscharlie Häusler.

Von den Stolperfallen der Smartphone-Sucht

Ohne Band, reduziert auf das Duo, wurde der Song „Gloane Sachan“ zu einer Perle des Kirchdorf-Abends. Das Stück „Wischkastl-Blues“, das im Herbst auf seinem Tonträger Strawanza di Bavaria erscheinen soll, ein Muddy Waters-Reißer über die Stolperfallen der Smartphone-Sucht. So schwenken die Songs von Hundling zwischen feinen Humor und fragilen Sehnsuchts-Liedern – und auch hier muss der Vergleich zu Wolfgang Ambros bemüht werden mit den späten unplugged Auftritten.

Ganz wunderbar auch „Es brennt die ganze Nacht“ über jenes Mühen, sich von angesammelten Konsumgütern unkonventionell trennen zu wollen – textlich ein Kleinod vom bayerischen Story-Teller. Höcketstaller kann mit Worten leichtfüßig umgehen, benutzt die Sprache galant und zielsicher – eigentlich einer, dem man getrost auch ein Theaterstück zutrauen würde. Zudem beherrscht er virtuos die Gitarre, hat den Blues, den Groove und die bayerische Weltmusik im Herzen. Und ist auch mit einem Schmäh verbandelt, was sein „Hirschgarten Hansl“ bewies, dem „Noagerl“ suchenden Biergarten-Hirsch.

Von Musik-Kabarett möchte er gar nichts wissen

Hundling vermengt virtuos humorige mit tiefgründigen Aspekten, erzeugt ein Vintage-J.J.Cale-Gefühl ohne Schieflage und spart mit Zwischentexten – von Musik-Kabarett möchte er gar nichts wissen. Dafür hat er zu viel Rock ´n´ Roll und den Blues in den Knochen, kongenial unterstützt von Osthold am Piano. Osthold, der auch schon für die Kultband Blumentopf musiziert hat, ist ein Glücksgriff. Sein Spiel ein einziges Wunderwerk zwischen Boogie und Jazz, zwischen Blues und Funk – so einen umwerfenden Piano-Man hat das Publikum lange nicht gesehen. Richard Lorenz

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