1. Startseite
  2. Lokales
  3. Freising
  4. Kirchdorf an der Amper

„Ich mache Frauen Mut“: Kirchdorfer Bloggerin gibt Stilsuchenden mit ihrem Buch wertvolle Modetipps

Erstellt:

Von: Andrea Beschorner

Kommentare

Susanne Ackstaller aus Kirchdorf
„Die beste Zeit für guten Stil“ ist jetzt: Susanne Ackstaller aus Kirchdorf gibt Stilsuchenden wertvolle Tipps. Regelmäßig seit 2009 in ihrem Blog „Texterella“, aber auch in ihrem Buch. © Martina Klein

„Die beste Zeit für guten Stil“ heißt das Buch von Susanne Ackstaller aus Kirchdorf - eine Liebeserklärung an die Mode und eine Schatzkiste für starke Frauen.

Kirchdorf – Sie ist Texterin, Bloggerin, Kolumnistin, Modeliebhaberin, Kommunalpolitikerin, sie ist Ehefrau, Mutter. Und sie hat Stil. Susanne Ackstaller schreibt auf ihrem Blog „Texterella“ seit Februar 2009 über Themen, die die modebewusste Frau ab 40 bewegen. Ihre Kolumnen richten sich an Frauen, die ihren Weg voller Freude und Lebenslust gehen wollen.

Und für sie ist Susanne Ackstaller ein strahlendes Vorbild. Die ehemalige Kirchdorfer Gemeinderätin hat ein Buch geschrieben. Der Titel: „Die beste Zeit für guten Stil“ – eine Liebeserklärung an die Mode, an starke Frauen und an die Leichtigkeit, die weder etwas mit Alter, noch mit Konfektionsgröße zu tun hat. Susanne Ackstallers Buch ist eine Schatzkiste, prall gefüllt mit Inspiration. Das FT hat die Autorin zum Interview getroffen.

(Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem regelmäßigen Freising-Newsletter.)

Frau Ackstaller, wann haben Sie Ihren Stil gefunden? Und vor allem: wie?

Eigentlich in den letzten Jahren erst. Ich war schon immer jemand, der es gerne ein bisschen auffälliger mochte – auch schon als Schülerin. Aber: Ich war nie jemand, der trendig unterwegs war. Das lag damals daran, dass ich etwas pummelig war – und die trendigen Sachen gab es nur für die Schlanken. Mit Anfang 40 habe ich angefangen zu bloggen, da ist die Lust für auffällige Mode wieder erwacht. Als ich dann zum ersten Mal Fotos von mir veröffentlichte, sind viele Frauen darauf angesprungen. Weil da eine Frau ist, die sich mit 40 traut, modisch aus der Rolle zu fallen, nicht klassisch elegant oder in beige unterwegs zu sein. Das war der Moment, als ich endgültig begriffen habe: Der ausgefallene, farbenfrohe und ausdrucksstarke Stil ist mein Stil. Manche finden das vielleicht over the top – aber viele Frauen spricht das an.

Was sind denn die gravierenden Unterschiede zwischen Stil suchend und gefunden?

Die Unterschiede gehen einher mit einer gewissen Zufriedenheit. Heute schaue ich in den Spiegel und gefalle mir. Es passt – den einen Tag mehr, den anderen weniger. Ich mag mich heute so, wie ich aussehe. Davor, also in der Phase der Suchenden, war das oft anders. Vor allem als Jugendliche, mit ein paar Pfunden zu viel – aus heutiger Sicht war ich damals gertenschlank.

Sehen Sie Ihre Aufgabe als Bloggerin auch, das gängige Schönheitsideal infrage zu stellen?

Dieses gängige Schönheitsideal ist zum Glück schon etwas in die Kritik gekommen und wird nicht mehr als das Nonplusultra gesehen. Das ist eine gute Entwicklung. Und ja, das ist Frauen zu verdanken, die sich in die Öffentlichkeit wagen und den jungen Menschen vorleben: Jeder ist okay, so wie er ist. Das hätte ich mir in meiner Kindheit und Jugend auch gewünscht.

Dafür machen Sie den Frauen heute Mut . . .

Frauen sagen mir, sie finden es toll, dass ich mich in Größe 48 so präsentiere. Und ja, sie sagen, ich mache ihnen damit Mut. Mut, es mir gleich zu tun, sich auch zu zeigen.

In Ihrem Buch porträtieren Sie elf völlig unterschiedliche Frauen. Nach welchen Kriterien haben Sie Ihre Protagonistinnen ausgewählt?

Mir war wichtig, möglichst divers zu sein. Die Jüngste ist 46, die Älteste 68. Es sind die inspirierendsten Menschen, die ich kenne. Sie sind aber auch mutmachend mit ihren Geschichten. Es sind attraktive Frauen. Da ist etwa eine, die sich aus ihrer Krankheit heraus neu er- beziehungsweise gefunden hat. Eine wahnsinnig interessante Persönlichkeit.

Wer durfte das fertige Buch als Erstes lesen?

Das erste gedruckte Exemplar hat mein Mann gelesen. Den ersten Entwurf hingegen eine der Beteiligten, Anette Bopp: Sie hat Erfahrung, hat mir ihre Meinung gesagt – am Ende hatte die Lektorin kaum noch etwas zu tun.

Nach der Lektüre Ihres Buches ist man davon überzeugt, Mode ist das Gegenteil von Oberflächlichkeit. Ziel oder Nebeneffekt?

Ich hatte überhaupt kein Ziel. Mit dem Klischee der Oberflächlichkeit hat man als Modebloggerin immer zu kämpfen. Jemand, der sich mit Mode beschäftigt, kann auf keinen Fall politisch interessiert sein, dieser Meinung begegne ich immer wieder. Als ich die Anfrage des Verlags bekommen habe, habe ich ohne zu zögern zugesagt – war es doch ein Punkt auf meiner Bucket List. Dass ein Verlag auf mich zukommt und mir das anträgt, hat sich zunächst angefühlt wie ein Wunder. Was ich auf keinen Fall wollte: ein Buch zu schreiben mit „Dos and Don’ts“, also Dingen, die zu tun und die zu lassen sind. Es sollte ein Buch werden, das Frauen inspiriert und Mut macht, im höheren Alter das zu tragen, wozu sie Lust haben – und nicht, was die Gesellschaft ihnen zugestehen möchte. In der Konstellation mit den elf Protagonistinnen hat es sich eigentlich von selbst geschrieben, und es freut mich, wenn es zu dieser Überzeugung führt.

Frauen, die viel Wert auf ihr Erscheinungsbild legen, wird immer noch fehlender Tiefgang attestiert. Wie gehen Sie damit um?

Ich trete den Gegenbeweis an. Daraus ergibt sich auch mein eigenes politisches Engagement. Sich gut anziehen und etwas im Kopf haben: Da gibt es genug Politikerinnen. Michelle Obama, Kamala Harris – schöne Frauen, gut gekleidet, mit sehr viel Köpfchen.

„Fashion for Women – not Girls“, so der Untertitel Ihres Buches. Wieso sollten es aber auch junge Frauen lesen?

Das Buch ist absolut zeitlos, man kann es in jedem Alter lesen. Mehr noch: Es ist ein gutes Buch für Frauen in jedem Alter, die sich mit sich selbst und dem Thema Mode auseinandersetzen. Es geht um Selbstbestimmung und die Frage „Wie gestalte ich mein Leben?“. Auch Nachhaltigkeit war mir sehr wichtig. Langsam gibt es nachhaltige Plus-Size-Mode – auch wenn da noch viel zu tun ist.

Ist guter Stil ein Türöffner?

Auf jeden Fall. Es macht schon einen Unterschied, wie jemand zur Tür reinkommt. Da bildet man sich eine erste Meinung. Wenn eine Frau mit Jeans, Hemd und Sneakers den Raum betritt, hat es natürlich eine ganz andere Wirkung, als wenn sie ein extravagantes Kostüm oder einen eleganten Hosenanzug trägt. Kleidung per se hinterlässt einen Eindruck. Stil bedeutet auch immer eine Antwort auf die Fragen: Wie will ich wirken? Wie will ich wahrgenommen werden? Aber vor allem bedeutet der eigene Stil, sich wohlzufühlen – und wenn ich mich wohlfühle in meiner eigenen Haut, habe ich eine andere Ausstrahlung und werde anders wahrgenommen, als wenn ich das nicht tu’.

Sie sagen aber auch ganz klar, dass Stil das Gegenteil von Perfektion ist. Macht guter Stil unabhängiger?

Stil hat mit Trends relativ wenig zu tun. Man wird unabhängiger von dem, was Internet und Frauenmagazine mir verkaufen wollen. Ich persönlich weiß nie, welcher Modetrend gerade angesagt ist. Ich kaufe mir natürlich auch neue Dinge. Aber ob die im Trend liegen oder nicht, das ist mir egal. Ein Kleidungsstück muss mich berühren – egal, ob es angesagt ist oder nicht. Wenn ich meinen Stil gefunden habe, bin ich unabhängig von der Meinung anderer. Ich habe zum Beispiel kniehohe rote Stiefel. Ich liebe sie. Mein Sohn hasst sie. Aber das war mir immer wurscht. Wenn ich sie anziehe, werde ich immer darauf angesprochen. Ich weiß, die sehen gut aus.

Hand auf Herz: Wie haben Sie die Lockdowns verbracht? Wie sieht Ihr Zuhause-Stil aus?

Manchmal gibt es wichtigere Themen als die Frage „Was zieh ich an?“. Es war die Zeit, in der man andere schützen konnte, indem man zu Hause bleibt. Natürlich gab es kaum Gelegenheit, Schönes auszuführen. Aber das war nicht besonders schlimm. Zu Hause trage ich gerne Jeans und T-Shirt.

Welche Rolle spielt Konfektionsgröße bei gutem Stil?

Keine – theoretisch. Das Problem ist nämlich, dass es zu wenig gute Angebote in großen Größen gibt. Es ist auffällig, wie billig Kleidung in größeren Größen produziert wird. Das sind oft Polyesterfähnchen. Körperfülle und soziale Schicht haben etwas miteinander zu tun. Und die Modebranche ist davon überzeugt, alle dicken Menschen leben von Hartz IV. Luxus in großen Größen gibt es kaum. Es gibt das italienische Modehaus Marina Rinaldi – aber das war’s dann schon. Die Auswahl ist gering. Frauen in meinem Alter wollen sich nicht in Polyester hüllen. Ich habe nicht so die Auswahl an Dingen, die ich hätte, wenn Konfektionsgröße kein Thema wäre. Man ist eingeschränkt. Also zurück zur Frage: Wenn man den Idealfall nimmt, in der man genau das findet, was man sucht und gerne tragen möchte, kann eine dicke Frau genauso tollen Stil haben wie eine dünne.

In Ihrem Buch geht es auch um Nachhaltigkeit: Sie appellieren, weniger zu kaufen, dafür qualitativ hochwertig. Sie geben Tipps, wo man gebrauchte Mode shoppen kann. Wie sehr spiegelt sich Nachhaltigkeit in Ihrem eigenen Kleiderschrank wider?

Ich kaufe auch aus diesem Grund sehr gerne Second Hand. Accessoires – Taschen etwa – fast ausschließlich. Dinge, die größenunabhängig sind eben. Ich verkaufe meine Kleidung auch wieder, um anderen Frauen die Möglichkeit zu geben, schicke Sachen in großer Größe zu tragen. Ich würde mir wünschen, dass auch andere Plus-Size-Bloggerinnen Sachen verkaufen. Ich liebe Second Hand, stelle mir vor, wer es vor mir hatte. Ich habe etwa einen Louis-Vuitton-Weekender. Die Reisetasche habe ich gebraucht gekauft und frage mich immer: Welche Städte wird sie wohl schon gesehen haben?

Stil ist nicht gleich Trend. Wann blutet einer stilsicheren Frau wie Ihnen das Herz? Stichwort „No-Gos“.

Was ich wirklich grässlich finde, ist, wenn Frauen meinen, sie könnten Stil durch teure Sachen zusammenkaufen. Wenn sich die Münchner Maximilianstraße in der Garderobe abbildet: Unten die neuesten Schuhe von Gucci und dann einfach alles von teuren Luxusmarken, on top noch eine Hermès-Tasche: Das ist kein guter Stil, das ist nur teure Sachen anziehen und ziemlich einfallslos. Das stößt mich wirklich ab. Toll ist, wenn Frauen sich mit denselben Sachen immer wieder neu erfinden können, neue Accessoires kombinieren. Kurz: Teure Sachen sammeln ist für mich ein No-Go.

„Die beste Zeit für guten Stil“ ist ein Buch von einer stilsicheren Frau über Frauen für Frauen. Wie wichtig ist guter Stil für Männer?

Das hab’ ich mich auch gefragt. Aber darauf eine Antwort zu geben, dazu fühle ich mich nicht berufen. Es wird sich schon ein Mann dafür finden. Immerhin gibt es stilsichere Männer.

Gibt es genug stilsichere Männer?

Ich glaube nicht. Aber da fällt es nicht so auf. Mit Hose und Hemd kann man wenig falsch machen.

Gut zu wissen

„Die beste Zeit für guten Stil“ von Susanne Ackstaller ist im Knesebeck Verlag erschienen. ISBN 978-3-95728-444-0.

Auch interessant

Kommentare