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„Kirchdorf kann sich keine Luftschlösser mehr leisten“: Bürgermeister bringt Senioren auf den neuesten Stand

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Zu Gast beim Seniorennachmittag war Kirchdorfs Bürgermeister Uwe Gerlsbeck, um die ältere Generation auf den aktuellen Stand wichtiger Gemeindethemen zu bringen.
Zu Gast beim Seniorennachmittag war Kirchdorfs Bürgermeister Uwe Gerlsbeck, um die ältere Generation auf den aktuellen Stand wichtiger Gemeindethemen zu bringen.  © Lorenz

Was ist los in Kirchdorf? Diese Frage beantwortete der Gemeindechef nun der älteren Generation bei einem Nachmittagstreffen. Das Thema Verzicht spielte dabei eine Rolle.

Kirchdorf/Wippenhausen – Eine Bürgerversammlung mit allem Wichtigen rund um die Gemeinde Kirchdorf gab es jetzt für die ältere Generation Kirchdorfs. Die erste Nachricht, die es von Rathauschef Uwe Gerlsbeck gab und für die er auch gleich mal tosenden Applaus von den rund 30 Senioren erntete, war eine höchst private: „Ich hab jetzt wieder kurze Haare!“ Dabei war auch eines zu spüren – die Senioren schätzen ihren Bürgermeister sehr, auch weil er gleich zur Sache kommt. „Ich habe Sorge, was grad auf der Welt los ist“, so Gerlsbeck und weiter: „Die Welt geht natürlich nicht unter, aber wir werden es mit Verzicht zu tun bekommen.“

Betreutes Wohnen und Tagespflege

Auf die Gemeinde hätten die schlechten Zeiten natürlich großen Einfluss. „Wir können uns keine Luftschlösser mehr leisten, sondern müssen uns auf das Wichtige konzentrieren“, so das Resümee des Bürgermeisters. Aber es gab freilich auch überaus Positives zu berichten – beispielsweise vom großen Erfolg der First Responder Gruppe Kirchdorf, die mit ganz viel Engagement und Herzblut oftmals die ersten an der Notfall-Stelle sind. Dafür gab es von Gerlsbeck ein berührendes Lob: „Ich bin wahnsinnig stolz auf diese Leute!“ News gab es auch in puncto Seniorenbetreuung: „In Nörting entsteht gerade eine sehr große Einrichtung für Betreutes Wohnen und Tagespflege mit 64 Einheiten“, berichtete Gerlsbeck, der auch darüber froh war, dass ein solches Projekt nicht von der Kommune getragen und somit finanziert werden müsse.

Seniorenwohnheim in Nörting
Betreutes Wohnen und Tagespflege mit insgesamt 64 Einheiten entsteht aktuell im Kirchdorfer Ortsteil Nörting. © Lorenz

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Aber auch für die Jungen würde laut dem Bürgermeister im Gemeindegebiet Kirchdorf einiges getan werden – beispielsweise durch die Ermöglichung von Baugrund für Einheimische durch Ortsrandsatzungen und einen starken Fokus auf Nachverdichtungen im Innenbereich.

PV-Anlagen und Windkraft

Auch das Thema Energie wollte Gerlsbeck dringend auf den Tisch bringen. Sein Wunsch: „Wir müssen energietechnisch autark werden.“ Um das zu erreichen, sei das Kirchdorfer Kommunalunternehmen vergrößert worden, um beispielsweise zügig den Ausbau von Photovoltaik-Anlagen voranzutreiben. „Aber auch Windkraft ist ein Thema“, erklärte Gerlsbeck, der aber auch daran erinnerte, dass Kirchdorf vor zwölf Jahren schon mal „sehr nahe“ dran war an einem Windradl, das allerdings aufgrund der nahen Radar-Anlage nicht in die Höhe gezogen werden durfte.

Der Bürgermeister ist sicher: „Die 10H-Regel wird in den nächsten Wochen fallen und dann werden Windräder so privilegiert sein wie ein Kuhstall.“ Umso mehr sei es für ihn plausibel, sich jetzt die Frage zu stellen: „Wo macht ein Windrad Sinn und wo nicht?“ Gerlsbeck konnte die Senioren aber beruhigen: „Im Gemeinderat haben wir sehr viele kluge Köpfe, die sich für euch einsetzen.“

Dauerbrenner Vereinszuschüsse

Überhaupt ist Gerlsbeck vom aktuellen Kirchdorfer Gemeinderat sehr begeistert: „Unsere Räte haben einen eigenen Kopf – und das ist auch gut so.“ Dennoch schwierig könnte es für alle aber bei Punkten wie beispielsweise der Ganztagsbetreuung für Kinder werden, da dieses Angebot zwar rechtlich ab 2026 verpflichtend sein werde, aber dafür unter anderem schlicht und einfach das Personal fehle.

„Wer bekommt mehr Zuschüsse, der Schützenverein oder der Schwammerl-Club?“ Das Thema Vereinsförderrichtlinien beschäftige ihn und den Gemeinderat schon derart lange, dass im Oktober bei einer Klausurtagung nun ausgiebig darüber diskutiert werden soll. „Ich bin ja ein Vereins-Meier, aber es muss sich jetzt klären, wie wir es letztendlich machen“, so Gerlsbeck, der allerdings auch eines betonte: „Alle Vereine gleich zu behandeln, bedeutet natürlich auch Einschnitte für einige Vereine.“

Doch was lag eigentlich den Senioren am Herzen? Das Thema Friedhof stand ganz oben auf der Wunschliste – und zwar eine Verschönerung mit Bäumen mit wenig Laubabwurf und Ruhebänken. Eine Dame würde sich auch einen Altglas-Container außerhalb des Wertstoffhofs wünschen, um nicht auf die Öffnungszeiten angewiesen zu sein. „Wir hatten das Thema schon mehrmals im Rat“, so Gerlsbeck, allerdings könnte er sich jetzt doch unter Umständen mit einem Feldversuch von ein bis zwei Containern außerhalb des Zauns anfreunden, damit wenigstens Glas jeden Tag weggebracht werden könne.
Richard Lorenz

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