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Vielseitig engagiert ist Melanie Schaller seit Langem. Nun kam zu den „Jobs“ als Chorsängerin, Kantorin und Organistin eine besondere Aufgabe hinzu: Die 39-Jährige hält Wortgottesdienste – und verkündet dabei das Evangelium.

Vielseitig engagiert

Glaubens-Botschafterin: Darum ist Melanie Schaller Wortgottesdienst-Leiterin geworden

Damit Glaube lebendigt bleibt: Melanie Schaller hat sich zur Wortgottesdienstleiterin ausbilden lassen. Ein Amt, das gerade heute besonders wichtig ist, findet sie.

Kirchdorf– „Wenn der Glaube weiterleben soll, muss man sich engagieren.“ Das ist einer der Gründe, warum sich Melanie Schaller für das anspruchsvolle Amt der Wortgottesdienstleiterin in ihrer Pfarrei Kirchdorf entschieden hat. Was sich für die 39-jährige Erzieherin seit der offiziellen Aussendung durch Weihbischof Bernhard Haßlberger geändert hat und welche Aufgaben künftig auf sie zukommen, erzählte die engagierte Nörtingerin dem Freisinger Tagblatt.

„Das war ein ganz besonderer Moment“

Frau Schaller, die Aussendung zur Wortgottesdienstleiterin fand im September in St. Peter und Paul Landshut statt. Wie haben Sie diesen Tag in Erinnerung?

Er steckte voller Überraschungen. Eigentlich hatte ich mit einem normalen Gottesdienst gerechnet, bei dem wir frischgebackenen Wortgottesdienstleiter erwähnt werden. Mit einem großen Einzug samt Chor und bestimmt 15 Ministranten habe ich nun wirklich nicht gerechnet. Das war schon ein ganz besonderer Moment. Mir ist bei der Zeremonie auch nochmal so richtig bewusst geworden, wie wichtig meine neue Aufgabe ist. Im Herzen behalten möchte ich mir die Worte des Weihbischofs Bernhard Haßlberger: „Das was man predigt, muss vorher durch das eigene Herz gegangen sein“ – genau so möchte ich es halten.

Nur Mut! Diakon Arsatius Regler (Pfarrverband Allershausen) und Weihbischof Bernhard Haßlberger (r.) mit Melanie Schaller nach der Aussendung.

Wie darf man sich die Ausbildung vorstellen?

Man wird bei einem mehrtägigen Kurs, in Theorie und Praxis, auf den theologischen Dienst vorbereitet.

„Ab November wird es ernst“

Was sind Ihre Aufgaben?

In meinem neuen Amt darf ich Wortgottesdienste abhalten, das Evangelium verkünden und sogar die Kommunion austeilen, vorausgesetzt die Hostien sind bereits geweiht. Bisher habe ich allerdings noch keinen Wortgottesdienst alleine abgehalten, sondern immer gemeinsam mit einer meiner Kolleginnen. Ab November wird es ernst, und ich bin das erste Mal alleine für eine Wort-Gottes-Feier verantwortlich.

Ist Nervosität für Sie ein Thema?

Ein bisschen im Fokus zu stehen, bin ich bereits gewöhnt, da ich im Kirchenchor singe und als Kantorin sowie aushilfsweise als Organistin tätig bin. Aber es ist halt schon ein gewaltiger Unterschied, ob man an der Orgel sitzt und die Menschen von hinten sieht, oder ob man aus der Sakristei herausgeht und alle Blicke sind auf einen gerichtet. Nervosität ist also durchaus ein Thema. Eine meiner größten Ängste ist, mit einem Kelch voller Hostien zu stolpern, aber das wird hoffentlich nie passieren.

Gibt es etwas, das Ihnen besonders schwerfällt in ihrem neuen Amt?

Ja, das gibt es tatsächlich. Es kostet mich noch unglaublich Überwindung, die gleichen Gesten zu machen wie ein Pfarrer. Ich bin allerdings auch der Meinung, dass diese Befangenheit richtig ist, weil es doch etwas mit Respekt gegenüber einem Geistlichen zu tun hat.

„Ich wollte es richtig lernen“

Gab es einen Auslöser, sich als Wortgottesdienstleiterin ausbilden zu lassen?

Allerdings. Ich bin seit Längerem im Kindergottesdienstteam tätig, das heißt, wir bereiten die Gottesdienste für die Kleinen vor und kümmern uns um den Ablauf. Irgendwann musste ich völlig spontan einspringen und eine Andacht halten. Damals wurde mir heiß und kalt, und ich weiß noch, dass ich mir auf die Schnelle einige Tipps beim Mesner geholt habe, um nicht völlig unwissend dazustehen. Von da an war der Wunsch geboren, mich als Leiterin für Wort-Gottes-Feiern ausbilden zu lassen. Ich wollte es richtig lernen.

Wieso sind Wortgottesdienstleiter in der heutigen Zeit so wichtig?

Durch unsere Arbeit entlasten wir die Priester. Vergessen darf man auch nicht, dass in Zeiten des Priestermangels und der Pfarreizusammenschlüsse den Menschen dennoch die Möglichkeit gegeben werden sollte, sich zu Gottesdiensten zusammenzufinden. Unsere Arbeit ist wichtig, um den Glauben weiterzugeben, weshalb mir persönlich auch unsere Kindergottesdienste so am Herzen liegen.

„Mich interessiert das Thema Theologie sehr“

Was sagt Ihre Familie zu Ihrer Berufung?

Mein Mann und meine Kinder unterstützen mich natürlich, aber dadurch, dass wir in Kirchdorf gleich drei Wortgottesdienstleiter sind, werde ich nur alle sechs bis neun Wochen zum Einsatz kommen. Das ist durchaus machbar. Die Arbeit macht mir ja viel Freude und ist unglaublich vielseitig. Mich interessiert das Thema Theologie so sehr, dass ich vor Kurzem sogar ein Theologiestudium im Fernkurs an der Domschule Würzburg begonnen habe. Theoretisch könnte ich danach auch Religionslehrerin, oder Gemeindereferentin werden, was ich aber in nächster Zeit nicht vorhabe. Denn meine Aufgabe als Wortgottesdienstleiterin und mein Beruf als Erzieherin füllen mich ganz aus.

Interview: Rosi Strasser

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