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Deutlich besserer Tragekomfort: Christian Hemmer von der FFW Wippenhausen in der neuen Schutzkleidung.

Austausch für rund 60000 Euro

Hält bis zu 800 Grad aus: die neue Schutzkleidung der Feuerwehr

Die Schutzkleidung der Kirchdorfer Feuerwehren ist in die Jahre gekommen – bis 2022 soll die 20 Jahre alte Einsatzkleidung ausgetauscht werden. Kosten: rund 60000 Euro.

Kirchdorf – „Der Schutz der Leute soll ganz oben stehen“, betonte Bürgermeister Uwe Gerlsbeck (CSU) bei der letzten Gemeinderatssitzung vor der Sommerpause. Um diesen Schutz weiterhin zu gewährleisten, muss dringend neue Einsatzkleidung angeschafft werden: Bei einer Übung im Brandübungs-Container in Zolling sei es nämlich sogar zu einer leichten Verletzung aufgrund der veralteten Hosen gekommen. Die neuen Schutzanzüge für den Innen-Angriff, also für die Lösch- und Rettungs-Arbeiten in Gebäuden, würden laut dem Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Kirchdorf, Tobias Kiel, jetzt deutlich höhere Temperaturen, bis zu 800 Grad, aushalten.

20 Minuten, dann ist die Sauerstoff-Flasche leer

In das Gebäude werden bei den Einsätzen die Atemschutzgerät-Träger geschickt, in Kirchdorf selbst haben 16 Kameraden diese Zusatz-Ausbildung absolviert. Für den oftmals heiklen Einsatz vor Ort gibt es auch ein Zeitfenster: 20 Minuten, dann ist die Sauerstoff-Flasche leer. Aber nicht nur die speziellen Kräfte werden neu eingekleidet, sondern auch die Floriansjünger für die technische Hilfeleistung – auch ihre Schutzkleidungen sind nicht mehr auf dem neuesten Stand.

Einen deutlich besseren Tragekomfort der Neuanschaffungen bescheinigt auch der Kommandant der Wippenhausener Wehr, Christian Hemmer. Er zeigt sich erleichtert über die deutlich bessere Ausrüstung – einzig und allein die alten Helme seien noch zu gebrauchen. Wippenhausen ist mit einer Atemschutz-Truppe von zwölf Mann gut aufgestellt – insgesamt wird in diesem Ortsteil jährlich um die 15 Mal die Feuerwehr alarmiert. In Kirchdorf hingegen, der Feuerwehr mit dem größten Einzugsgebiet, müssen die Floriansjünger jährlich um die 60 Mal, in Nörting 15 Mal ausrücken.

Wie auch die beiden anderen Kommandanten berichtet der Chef der Nörtinger Wehr, Rudolf Firlus, dass Gebäudebrände insgesamt nicht mehr Hauptursache für einen Notruf seien. Grund hierfür: Eine allgemein bessere Ausrüstung der Haushalte wie Rauchmelder oder anderen Bauschutz-Maßnahmen – wenn es brennt, so Firlus, dann wurde klassischerweise einfach der Herd oder eine Kerze vergessen. Kommt es zu Innenbränden, betont auch Kiel, sei der Schaden heutzutage meistens geringer als noch vor Jahren.

Die Bereitschaft, anderen zu helfen, geht immer mehr zurück

Obwohl es weniger brennt, sei jedoch die Notruf-Frequenz angestiegen. Kiel sucht den Grund dafür in der zunehmenden Anonymisierung der Leute und der Rückgang zur Bereitschaft, anderen zu helfen. „Es wird viel mehr die Feuerwehr geholt – und da sind schon auch Sachen dabei, die man selbst machen könnte“, so Kiel in der Rückschau.

Eine Zeitenwende erkennt auch Hemmer: Sich „blöd anreden“ lassen von Passanten, nehme deutlich zu, das habe es früher so nicht gegeben. Als überaus positiv hingegen bewertet Kiel die Akzeptanz und Wirksamkeit der „First-Responder“-Gruppe Kirchdorf, die sich via Dienstplan-Modell täglich um die medizinische Erstversorgung der Bürger kümmert, bis der Notarzt eintrifft: Durch eine früh eingeleitete Reanimation vor drei Wochen in Nörting konnte beispielsweise so ein Mensch gerettet werden.Richard Lorenz

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