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Aktiv für ältere Menschen: Marianne Kraft (M.) und Gertraud Hilpert (r.) sind zwei von zwölf Damen im Sozialkreis. Im Gespräch mit FT-Redakteurin Andrea Beschorner berichten sie von ihrer Arbeit.

Wertschätzung auf vielen Ebenen

Niemand muss im Alter einsam sein – dafür sorgt der Sozialkreis Kirchdorf

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Einsamkeit oder Langeweile im Alter? Das muss in Kirchdorf nicht sein. Zwölf aktive Frauen sorgen dafür, dass die Senioren regelmäßig „rauskommen“. Ein Besuch beim Sozialkreis Kirchdorf.

Kirchdorf – 600 Bürger der Gemeinde Kirchdorf sind 65 Jahre oder älter. Langeweile im Alter muss nicht sein: Zwölf aktive Frauen sorgen das ganze Jahr über dafür, dass die Senioren regelmäßig „rauskommen“. Seniorennachmittage zu bestimmten Themenschwerpunkten, Gymnastik, eine Bürgerversammlung für die Generation 65plus, eine Theatervorführung, ein Jahresausflug: Das Angebot des Sozialkreises ist vielfältig und wird von etwa zehn Prozent der älteren Bürger gerne angenommen. Das Freisinger Tagblatt hat sich mit Gertraud Hilpert und Marianne Kraft vom Sozialkreis getroffen, um mit ihnen über ihre ehrenamtliche Arbeit mit Senioren zu sprechen. Fazit: Es ist eine erfüllende Arbeit. Ans Aufhören haben beide noch nie gedacht.

Wie sind Sie beide zur Seniorenarbeit in Ihrer Heimatgemeinde gekommen?

Kraft: Ursprünglich waren wir beide im Pfarrgemeinderat aktiv. Wir haben uns da ganz intensiv mit einer Frage auseinandergesetzt: Was wollen wir künftig in Kirchdorf verbessern? Wir dachten uns, für die Senioren passiert zu wenig in der Gemeinde. 2002 ist aus dieser Frage und der Idee daraus der Sozialkreis entstanden.

Keine Nachbarschafshilfe im klassischen Sinn

Wie ist die Seniorenarbeit in Kirchdorf organisiert?

Hilpert: Wir sind eine Sparte des Pfarrgemeinderats.
Kraft: Weil wir aber bestimmte Dinge nicht abdecken können – häusliche Pflege beispielsweise – sind wir keine Nachbarschaftshilfe im klassischen Sinn. Wir konzentrieren uns ausschließlich auf die Arbeit mit und für Senioren.

Mehr als 100 ältere Bürger sind in diesem Jahr der Einladung von Seniorenkreis und Gemeinde Kirchdorf zur Adventsfeier gefolgt.

Und die Unterstützung durch die Gemeinde, gibt es die?

Hilpert: Die Gemeinde übernimmt zum Beispiel die Kosten für die Adventfeier, die wir einmal im Jahr für Senioren am 1. Advent organisieren. In diesem Jahr waren wir mal wieder beim Burgerwirt mit gut 100 Senioren. Die Amperthaler Sängerrunde hat die musikalische Gestaltung übernommen. Schön war es wieder! Das haben uns alle bestätigt. Die Einladung für die Adventsfeier geht von der Gemeinde und von der Pfarrei St. Martin gemeinsam an die Bürger. Bürgermeister Uwe Gerlsbeck hat für uns immer ein offenes Ohr, ist bei den Adventsfeiern auch immer dabei.

Sie bieten Vorträge an, es gibt das Seniorenturnen am Montag und einen Jahresausflug. Woher wissen Sie, was bei den Senioren besonders gut ankommt?

Hilpert: Indem wir mit den Leuten reden und ihnen aufmerksam zuhören.
Kraft: Man denkt sich in die älteren Menschen rein. Wir haben ja auch alle selbst Senioren in der Verwandtschaft, wissen um deren Sorgen, sehen, was sie umtreibt. Und das greift man dann auf. Am 17. Januar kommt eine Kräuterpädagogin.

„Unsere Senioren sind recht bescheiden“

Gibt es Bereiche, in denen Sie mit Ihrer Arbeit an Ihre Grenzen stoßen? Dinge, die Sie nicht leisten können?

Hilpert: Manchmal geht es um Fahrdienste, das können wir aber immer unbürokratisch, quasi auf dem kurzen Dienstweg, schultern.
Kraft: Aber man muss dazu sagen: Unsere Senioren sind recht bescheiden, die fordern nichts.

Was gibt Ihnen die Arbeit mit älteren Menschen?

Kraft: Vor allem viel Freude! Wenn sich etwa die Besucher nach einem Seniorennachmittag von uns verabschieden, sagen sie, wie schön es wieder war. Da ist eine unmittelbare Anerkennung und Wertschätzung, das tut gut und motiviert, weiterzumachen.

Fit im Alter: Ein beliebter Treffpunkt für aktive Senioren in Kirchdorf ist die Montagsgymnastik mit Helene Kirchbauer.

Es gab also noch nie den Gedanken, dass es Ihnen zu viel wird und Sie kürzertreten möchten?

Hilpert: Nein, nicht einmal, als ich beruflich sehr eingespannt war. Wir sind mittlerweile mehr als zehn Aktive, tauschen uns über alles in einer WhatsApp-Gruppe aus. Bei uns kann sich auch jeder mal rausnehmen.
Kraft: Die Überlegung, aufzuhören, gab es tatsächlich noch nie.

Wollen sich die Senioren in Kirchdorf lieber berieseln lassen oder tragen sie aktiv zur Gestaltung der Nachmittage bei?

Kraft: Sie lassen sich schon gerne berieseln. Manchmal werden sie aber auch dazu aufgefordert, mitzumachen. So hatten wir beispielsweise eine Physiotherapeutin da, und die hat Übungen gezeigt. Grundsätzlich wird aber nicht viel verlangt. Die Nachmittage sind nämlich schon auch dazu da, sich einfach zu unterhalten. Sie sind bewusst so gestaltet, dass die Senioren sich berieseln lassen können.
Hilpert: Es geht auch darum, Kontakte zu knüpfen und zu pflegen. Das ist gerade im Alter sehr wichtig.

„Wir erfahren vielfältig Unterstützung“

Und die Aufgaben im Seniorenkreis sind alle streng verteilt? Gibt es eine Vorsitzende?

Hilpert: Wir machen immer wieder aus, wer was macht. Die Aufgaben sind schon verteilt. Eine kümmert sich beispielsweise um die Öffentlichkeitsarbeit, eine andere um die Kasse, wir besprechen, wer sich um Kuchenspenden kümmert und so weiter. Die längste Erfahrung in unserer Runde hat Marianne Kraft, sie stand bis vor Kurzem noch an der Spitze – 16 Jahre war sie Vorsitzende und ist nach wie vor die gute Seele der Gruppe, und immer noch höchst aktiv. In ihre Fußstapfen trat Elisabeth Schuhbauer. Ansonsten sind noch Marielle Ball aus Palzing, Elisabeth Schuhbauer und Christine Obermeier aus Helfenbrunn, Brigitte Wagner und Hilde Haller aus Hirschbach, Barbara Gerlsbeck, Sonja Huber, Elisabeth Wendl aus Kirchdorf, Theresia Raith und Christa Wastl aus Nörting neben uns beiden aktiv.

Gibt’s denn eine Zusammenarbeit mit anderen Vereinen der Gemeinde?

Hilpert: Wir erfahren da ganz vielfältig Unterstützung, etwa durch den Theaterverein. Einmal im Jahr gibt es nur für die Senioren eine Aufführung an einem Sonntagnachmittag – der Eintritt ist frei, das ist immer sehr gut besucht. Außerdem besucht uns die Amperthaler Sängerrunde traditionell zum 1. Advent zu unserer Feier und gestaltet den Nachmittag musikalisch.
Kraft: Auch die Macher des Hirschbachschleiferls sind unsere Gönner: Alois Portz organisiert das Bürgerfest in diesem Rahmen, der Erlös geht an den Sozialkreis. Das Wirtshaussingen mit Peter Wondra und Martin Wagner hat uns schon mehrfach den Erlös zukommen lassen. Nicht zu vergessen die Vereine, die uns ihre Räumlichkeiten kostenlos überlassen – wir dürfen ins Sportheim, zu den Eisstockschützen, ins Nörtinger Schützenheim oder ins Schützenheim Wippenhausen.

„Die Senioren wissen immer sehr zu schätzen, was wir für sie tun“

Würden Sie sich – manchmal oder immer – noch mehr helfende Hände wünschen?

Kraft: Wir sind gut aufgestellt. Aber wenn jemand auf uns zukommt, der uns gerne unterstützen würde, nehmen wir den natürlich auf. Denn je mehr, desto besser!

Fühlen Sie sich in Ihrem ehrenamtlichen Engagement wertgeschätzt?

Hilpert: Wie gesagt: Die Senioren wissen es immer sehr zu schätzen, was wir für sie tun. Aber das geht noch darüber hinaus. Oft kommen Angehörige auf uns zu und sagen, wie froh sie sind, dass es uns gibt.
Kraft: Wir hören immer wieder, dass sich die Oma seit Tagen auf den Nachmittag freut. Die Senioren gehen zufrieden nach Hause, freuen sich, dass sie daheim was Neues erzählen können. Da findet Wertschätzung auf ganz verschiedenen Ebenen statt. Auch, dass die Seniorenbeauftragten der Gemeinde, Elisabeth Hörand und 2. Bürgermeister Alois Portz immer wieder bei den Seniorentreffen vorbeischauen, freut nicht nur die Senioren, sondern zeigt auch uns, dass die Gemeinde zu schätzen weiß, was wir tun.

Kirchdorfer Vereine unterstützen die Arbeit des Sozialkreises – wie hier die Amperthaler Sängerrunde, die die Seniorenweihnachtsfeier traditionell musikalisch gestaltet.

In Kirchdorf leben rund 600 Senioren. Wie viele davon kommen durchschnittlich zu den Treffen?

Hilpert: Es sind immer etwa 60 da. Wer 65 Jahre alt wird, bekommt in dem Jahr erstmals eine Einladung zur Adventfeier. In dem Schreiben stellen wir uns als Seniorenkreis offiziell vor. Die Einladung nehmen nicht alle an – wieso, darüber können wir nur spekulieren.
Kraft: Es gibt einfach Menschen, die sind zurückhaltender, wollen es nicht. Es ist einfach ein Angebot, das zehn Prozent annehmen.

Einsamkeit im Alter – ist das ein Thema in Kirchdorf?

Kraft: Versteckte Einsamkeit gibt es sicher auch bei uns. Dagegen können wir aber nur schwer etwas machen. Wir kommen nicht ins Haus. Wir laden herzlich ein, das Haus zu verlassen.
Hilpert: Den ersten Schritt muss jeder Einzelne selbst machen. Das können wir ihnen nicht abnehmen. Wir wissen nur, dass es noch keiner bereut hat, der zu uns gekommen ist.

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