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Los geht‘s: 3,8 Kilometer wird Niklas Ludwig im Badesee Stoibermühle zurücklegen – und danach aufs Rad steigen.

Er peilt Wahnsinnszeit an 

„Ist mein großer Traum“: Kirchdorfer will an 18. Geburtstag einen Ironman bestreiten

  • Michael Leitner
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Über zwei Jahre hat Niklas Ludwig auf diesen Tag hingearbeitet: Am Sonntag, an seinem 18. Geburtstag, will sich der Kirchdorfer einen Traum erfüllen – und einen Ironman bestreiten.

Landkreis – Das Ziel schien so fern, jetzt ist es so nah. Mehr als zwei Jahre ist es her, dass Niklas Ludwig den Entschluss gefasst hat, Triathlon-Profi zu werden und an seinem 18. Geburtstag einen Ironman in unter zehn Stunden zu finishen. Am Sonntag ist es nun soweit: Niklas wird 18 – und eine insgesamt 226 Kilometer lange Tortur quer durch den Landkreis auf sich nehmen.

„Mix aus Anspannung und Vorfreude“

„So langsam realisiere ich, dass er jetzt ganz unmittelbar bevorsteht“, erzählte der junge Kirchdorfer wenige Tage vor seiner extremsportlichen Reifeprüfung. Er, das ist der Ironman, die Königsdisziplin im Triathlon mit 3,8 Kilometern Schwimmen, 180 Kilometern Radfahren und 42,195 Kilometern Laufen. Ein solcher sollte am Sonntag eigentlich in Klagenfurt stattfinden, Corona durchkreuzte jedoch die Pläne der Veranstalter und damit auch die von Niklas. Was soll’s, dachte er sich, schnitze ich mir eben meinen eigenen Ironman. Und den wird der dann 18-Jährige nun am Sonntag bestreiten. Die Strecke des Ironman, seines Ironman, verläuft durch seine Heimat, den Landkreis Freising.

Vollgas: Das Radfahren zählt zu den Stärken von Niklas Ludwig.

„Wenn ich sagen würde, ich wäre super selbstbewusst, wäre das eine Lüge“, gibt der Triathlet des TSV Jahn Freising zu. „Das wird immerhin ein saulanger Wettkampf.“ Dass er diesen nicht nur in zehn, sondern sogar in neuneinhalb Stunden bewältigen möchte, fußt keineswegs auf grenzenlosem Optimismus, sondern auf sportlicher Analyse. Ende Mai hat er seinen Formcheck über die halbe Distanz nämlich mit Bravour bestanden – nach 4:16:45 Stunden war er im Ziel. „Meine Leistung auf dem Rad war echt gut. Daher denke ich, dass über die volle Distanz eine Zeit von 9:30 Stunden realistisch ist.“ Trotzdem: „Die Aufregung nimmt immer mehr zu – es ist ein Mix aus Anspannung und Vorfreude.“

„Ich denke positiv“

Der Vorteil: Niklas weiß genau, was ihn am Sonntag erwartet. Die Strecke kennt er – nicht zuletzt dank seines Testlaufs – mittlerweile aus dem Effeff. Zuerst geht es im Badesee Stoibermühle ans Eingemachte – vom Nordufer aus um die beiden Inseln herum und zurück, das Ganze viermal. Nach dem Wechsel aufs Triathlon-Rad führt die Route von der Stoibermühle aus über Gaden, Langenbach und Haag ins Ampertal nach Allershausen, den Berg nach Sünzhausen hinauf und anschließend über Pulling, Freising, den Flughafen und das Eittinger Moos zurück zum See. Diese Runde muss Niklas zweimal abstrampeln, damit er auf 180 Kilometer kommt. Spätestens beim Marathon, der ebenfalls in zwei Runden größtenteils in den Isarauen verläuft, wird es richtig hart. Um 7 Uhr wird Niklas ins kühle Nass springen – und sofern alles nach Plan läuft, würde er gegen 16.30 Uhr über die Ziellinie an der Stoibermühle laufen.

Prost! Den Testwettkampf Ende Mai hat der 17-Jährige souverän gemeistert.

Und wenn nicht? Was ist, wenn er aufgeben muss, wenn die Strapazen doch zu groß sind? „Diese Überlegung stelle ich gar nicht an, ich denke positiv“, sagt das Triathlon-Talent. Sollte Niklas aber die magische Marke von zehn Stunden nicht knacken können, wäre ein Start beim Ironman in Klagenfurt womöglich eine Option. Dieser Wettkampf soll – Stand jetzt – am 20. September dieses Jahres nachgeholt werden.

„Ich will es schaffen – für mich, meine Familie und meine Freunde“

In der Vorbereitung auf seinen Ironman am Sonntag hat Niklas Ludwig nichts dem Zufall überlassen. Das Training war bis in kleinste Detail auf dieses, auf sein Event abgestimmt. Um seinem Körper nach beinharten Trainingswochen die nötige Zeit zum Regenerieren zu geben, hat Niklas zuletzt das Volumen der Einheiten heruntergefahren. Um sich bewusst für eine mögliche Hitzeschlacht zu wappnen, hat er am vergangenen Samstag, das war bisher einer der heißesten Tage des Jahres, noch einmal ein intensiveres Training durchgeführt: „Drei Stunden auf dem Rad und sofort danach zehn Kilometer Laufen“, erzählt er. „Seitdem habe ich es aber etwas ruhiger angehen lassen.“ So wie es die Profis vor einem großen Wettkampf machen.

Zwischen Anspannung und Vorfreude: Niklas Ludwig vom TSV Jahn Freising kann sich am Sonntag einen lang gehegten Traum erfüllen – seit über zwei Jahren hat er auf den Ironman hingearbeitet.

Niklas Ludwig hat jedoch keine Angst, dass er scheitern könnte. Er hat berechnet, dass er beim Ironman gut 7500 Kalorien verbrauchen wird, dass er während des Wettkampfs knapp 90 Gramm Kohlenhydrate pro Stunde in Form von Gels und isotonischen Getränken zu sich nehmen muss. Das ist gewiss nicht die Art von Ernährung, die man sich zum 18. Geburtstag wünscht, aber letztlich halt die einzig zweckdienliche.

Das größte Geschenk kann sich Niklas Ludwig am Sonntag ohnehin selbst machen. „Dieser Ironman ist mein großer Traum. Ich will es schaffen – für mich, für meine Familie und meine Freunde“, betont der junge Mann. Wohlwissend, dass er in den langen und qualvollen Stunden nicht allein sein wird: „Bei jeder Disziplin begleiten mich einzelne Triathleten und andere Ausdauersportler, auch vom TSV Jahn Freising werden Leute dabeisein.“ Es ist also alles angerichtet für eine Geburtstagsfeier im Ziel, wie sie nicht jeder 18-Jährige erlebt.

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