Längst verschwunden ist der Streichelzoo an der Sternstraße in Kirchdorf – zum großen Bedauern der Kinder. Die Tiere haben längst ein neues Zuhause gefunden. 
+
Längst verschwunden ist der Streichelzoo an der Sternstraße in Kirchdorf – zum großen Bedauern der Kinder. Die Tiere haben längst ein neues Zuhause gefunden. 

Diskussion im Gemeinderat

Sternstraße in Kirchdorf: Streichelzoo muss Mammutprojekt weichen

Acht Häuser sollen an der Sternstraße in Kirchdorf entstehen. Für dieses Mammutprojekt musste der bei den Kindern beliebte, private Streichelzoo weichen.

Kirchdorf – In der Kirchdorfer Sternstraße wird sich vermutlich schon bald einiges ändern. Der private Streichelzoo von Anwohnern auf dem großen Gelände ist längst verschwunden, jetzt stehen die Zeichen auf Nachverdichtung. Und die hat es in sich: Acht Häuser will ein Investor im Herzen von Kirchdorf hinstellen. Bereits bei den Vorbescheids-Anträgen haben die Grünen eine deutliche Position bezogen – sie hätten nämlich gern eine Bauleitplanung gehabt, um eine so massive Bebauung besser lenken zu können.

Das Areal an der Sternstraße war einst über Jahre Anziehungspunkt für die Kinder – denn dort gab es so allerlei Tiere zu sehen und zu streicheln, wie zum Beispiel Schafe. Auch frischgelegte Eier waren dort gegen eine Spende abzuholen. Damit ist jetzt aber Schluss – denn der Grund wurde verkauft und die Tiere haben ein neues Zuhause gefunden. Bereits heuer im März war das Großbauprojekt Thema für die Kirchdorfer Räte. Und auch schon damals stieß es den Grünen ziemlich sauer auf.

Ein Grund damals: Der Investor teilt das Areal auf und umgeht so galant die bayerische Spielplatzverordnung. Was die Grünen allerdings am meisten stört: Die Gemeinde lässt nach ihrer Meinung zu, dass inmitten von Kirchdorf massiv gebaut wird, ohne als Gemeinde ein Wörtchen mitzureden. Und das wäre laut den Grünen halt mit einer Bauleitplanung nicht so einfach gegangen.

Zum Sachverhalt: Jetzt lagen dem Rat die Bauanträge vor, insgesamt also acht Stück – davon sechs Doppelhäuser. Dabei hat das Landratsamt noch nicht einmal dem Vorbescheid zugestimmt.

Notar-Unterschrift steht noch aus

Laut Bürgermeister Uwe Gerlsbeck liege das unter anderem auch an der Causa „Gangerl“, die bis dato nicht eindeutig geklärt sei – oder anders gesagt: Es fehlt noch die Notar-Unterschrift. Zum Hintergrund: Neben dem Baugebiet läuft ein schmaler Weg entlang, der von den Kirchdorfern gerne und oft benutzt wird und bei ihnen „Gangerl“ heißt. Das Problem: Ein Stück dieses Wegs gehört aktuell dem Investor, sodass der Durchgang in Zukunft auf der Kippe stehen kann. Eigentlich, und so gibt es auch die Beschlussvorlage des Tagesordnungspunkts her, sollte die „Abtretung des Fußweges“ noch bis zur Sitzung notariell bekundet sein. Geklappt habe das laut Gerlsbeck aber leider nicht. Außerdem braucht es für das Großbauprojekt eine neue Zufahrtsstraße zum Areal, die dann als Eigentümerweg dringend gewidmet werden muss. Diese „Stichstraße“ kann dann auch von der Öffentlichkeit als Gehweg genutzt werden, die Straßenlast liegt allerdings bei den Grundstückseigentümern.

Helmut Wildgruber (FWG) wollte wissen, ob denn schon die anderen Eigentümer des Rest-Gangerls gefragt worden seien. Erst einmal, so Gerlsbeck, wolle er dieses Stück „haben“, im nächsten Schritt folgen dann die Gespräche mit den anderen Eigentümern. Ein Recht auf diesen Weg gäbe es aber laut Rathauschef keineswegs, weil eben nix notariell eingetragen sei.

Auch Andreas Schmitz (FWG) hakte nach, wann denn dann ein Notar-Termin sei – aber auch hier musste Gerlsbeck abwinken: „Wissen wir nicht!“ Für Heyne war das alles recht unbefriedigend: Erneut verwies er auf die fehlende Bauleitplanung und drängte darauf, dass der Einwand der Grünen explizit im Protokoll aufgenommen werde. Denn, so Heyne, das Baugebiet bringe für keinen Kirchdorfer etwas, denn zu der massiven Bebauung im Ortskern komme dazu, dass sämtliche Häuser und Wohnungen für die Kirchdorfer vermutlich „unerschwinglich“ seien.

Was Heyne auch wissen wollte: Ob der Neuerlass der Satzung über abweichende Maße zur Abstandsflächentiefe mit der ganzen Sache etwas zu tun habe. Der Änderungsantrag stand nämlich an erster Stelle der Tagesordnung. Gerlsbeck verneinte das – sämtliche Bauanträge dieser Sitzung würden noch nach den „alten“ Regelungen beschlossen werden.

Trotz Einwänden und dem noch fehlenden Ja vom Landratsamt stimmte die Mehrheit des Rates für dieses Mammut-Bauprojekt in der Sternstraße. Allein die Grünen hoben hier nicht die Hand.

Richard Lorenz

Freising-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser brandneuer Freising-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region Freising – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Das Landkreiswetter

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare