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Fantasievoll: Das Coverbild zum Buch gestaltete eine Schülerin der Klasse 2 b.

Lehrerin bringt Buch heraus

“Alle Erwachsenen gaga“: Zweitklässler aus Kirchdorf schreiben über Lockdown

  • Magdalena Höcherl
    vonMagdalena Höcherl
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Es ist ein ganz und gar ungewöhnliches Buch: Unter der Regie ihrer Lehrerin haben Zweitklässler aus Kirchdorf ihre Erlebnisse im Lockdown niedergeschrieben - gnadenlos ehrlich.

Kirchdorf – In Zeiten der Corona-Krise entdecken viele Menschen ihre kreative Ader. Das gilt auch für die 21 Kinder der Klasse 2 b an der Grundschule in Kirchdorf. Mit ihrer Lehrerin Viola Hilsenbeck haben sie ein Buch geschrieben – über die Schule daheim, was sie bewegt und das Virus aus Kindersicht.

„Was wir zur Zeit erleben, ist einmalig. Das hat noch niemand erlebt“, sagt Viola Hilsenbeck. Gerade für die Mädchen und Buben sei der Alltag ohne Schule etwas völlig Neues. „Sie machen jetzt besondere Erlebnisse, haben ihre eigenen Probleme, Sorgen und Nöte, aber sammeln auch viele schöne Erinnerungen.“ Um diese festzuhalten, beschloss die 49-Jährige, ihre Schüler einen Aufsatz über ihren Corona-Alltag schreiben zu lassen. „Sie sollten als Zeitzeugen ihre Erfahrungen festhalten – vor allem für später, vielleicht auch für ihre eigenen Kinder.“

Lockdown: Auch für Kinder ist nicht alles rosig

So erreichten Viola Hilsenbeck 21 schöne, interessante und anrührende Texte – viel zu schade für die Schublade, dachte sie sich, und kam kurzerhand auf die Idee, daraus ein Buch zu gestalten. Sie selbst schrieb ein einleitendes Vorwort, dann berichten die Zweitklässler und zwei Mamas, wie sie mit dem Homeschooling zurechtkommen, und was sie während der Corona-Zeit alles erleben. „Sie schreiben über Fahrradtouren mit der Familie, dass sie zum Beispiel ein Hochbeet gebaut oder Hühner gekauft haben“, sagt Hilsenbeck. Doch freilich ist nicht nur alles rosig: „Viele haben auch geschrieben, dass sie sich um die Großeltern sorgen oder Angst haben, dass jemand aus der Familie krank wird. Außerdem vermissen sie ihre Freunde – und hoffen natürlich alle inständig, dass das Virus schnell verschwindet.“

Zu Hause statt Schule: Auf dem Bild von Emilia hat Corona das Sagen.

Neben den Texten finden sich auf den insgesamt 84 Seiten selbst gemalte Bilder und Fotos von Gebasteltem. Auch das Coverbild stammt von einer Schülerin: „Das hat mir sehr gut gefallen“, sagt Hilsenbeck. Der große rote Klecks mit Gesicht und Beinchen könnte das Coronavirus sein, so wie es sich die kleine Künstlerin vorstellt. Auch der Buchtitel stammt aus der Feder eines Schülers: „Am Vormittag mache ich Home-Office und am Nachmittag ganz viele Dinge“. Hilsenbeck hat der Satz aus einem Aufsatz überzeugt: „Er fasst die Situation optimal gut zusammen.“

Schüler - gnadenlos ehrlich und mit unverdorbenem Witz

Das Schöne an dem Buch sei ohnehin, dass deutlich werde, dass Kinder die Autoren sind. „Zum Beispiel hat ein Bub geschrieben: ,Alle Erwachsenen um mich rum sind zur Zeit völlig gaga‘“, erzählt Hilsenbeck. „Ich habe die Eltern bewusst darauf hingewiesen, nicht zu pingelig zu sein und den natürlichen Witz der Kinder nicht zu verderben.“ Rechtschreibfehler seien natürlich korrigiert worden. „Aber ansonsten ist es Kindersprache, naturbelassen sozusagen.“ Es geht schließlich um die Situation aus der Sicht der jüngsten Zeitzeugen – und die sind gnadenlos ehrlich.

Bunt und gepunktet: Mit dem selbstbemalten Stein will Tobi zum Fröhlichsein animieren.

Gut zu wissen

Das bebilderte Buch mit 84 Seiten erscheint im BoD-Verlag und ist für 6,90 Euro in jeder Buchhandlung bestellbar.

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