Echt oder nicht? Diese Frage stellte sich ein Mann aus Kirchdorf nicht.
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Echt oder nicht? Diese Frage stellte sich ein Mann aus Kirchdorf nicht.

Gefängnisstrafe

Kirchdorfer geht Betrüger auf den Leim: Münzen mit Blüten bezahlt

Ein Kirchdorfer ist einem Betrüger aufgesessen: Er ließ sich seine wertvollen Münzen mit Falschgeld bezahlen, schöpfte keinerlei Verdacht.

Kirchdorf - Ein Detail hätte ihn stutzig machen müssen: Der Interessent, der sich auf das Angebot eines Münzverkäufers auf eBay hin gemeldet hatte, hat während seines Besuchs die Handschuhe nicht ausgezogen. Doch es sei November gewesen, und der Mann sei noch dazu mit dem Fahrrad gekommen, so der 27-jährige Münzenbesitzer. Zudem habe er sehr sympathisch gewirkt.
„Die werden schon nicht gefälscht sein“, habe er noch gefeixt, als der Käufer ihm für die zwei Goldmünzen sieben 500-Euro-Scheine übergeben habe. „Die waren so was von total gefälscht“, sagte Staatsanwalt Thomas Kunze am Montag vor dem Amtsgericht Landshut.

Der Angeklagte ließ den Tatvorwurf über Verteidiger Johann Kohlschmidt in objektiver Hinsicht einräumen. Seinem Mandanten sei nicht bekannt gewesen, dass es sich bei dem Geld, mit dem er die Münzen bezahlt habe, um Blüten gehandelt habe.

Zur Herkunft des Falschgelds machte der 36-Jährige selbst Angaben. Diese klangen allerdings auch für das Schöffengericht eher nach einer Räuberpistole: Der Vanille-Importeur, der zuletzt auf Mallorca gelebt hatte, wurde wegen Geldfälschung mit Betrug zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt.

Das Schöffengericht mit Richter Christian Lederhofer war damit der rechtlichen Würdigung Kunzes gefolgt. Was die Höhe der Strafe für den mehrfach vorbestraften Landshuter betrifft, so hatte Kunze eine Haftstrafe von zwei Jahren gefordert. Kohlschmidt hatte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten beantragt, da er nach der Beweisaufnahme lediglich eine Hehlerei als erwiesen angesehen hatte; die Einlassung seines Mandanten sei nicht zu widerlegen.

Demnach hatte der 36-Jährige einem Bekannten in Thailand einen Roller verkauft. „Pass auf“, habe der Bekannte ihn bei der Bezahlung gewarnt. Er könne die Scheine nicht überall verwenden, da diese registriert seien. Er habe sich gedacht, dass das Geld gestohlen sei. Aber er habe es für echt gehalten, so der Angeklagte. Er habe es zuhause extra noch mit einem Prüfgerät getestet. Da sei nichts gewesen.

Handschuhe, Handys und zahlreiche SIM-Karten

Auf die Bemerkung Lederhofers, dass er mit dem Tragen der Handschuhe doch offensichtlich versucht habe, keine Fingerabdrücke an den Scheinen zu hinterlassen, als er diese dem Münzverkäufer in Kirchdorf übergeben habe, schwieg der 36-Jährige. Ebenso wenig machte er Angaben zu den von der Polizei sichergestellten sechs Handys, zahlreichen SIM-Karten und Dokumenten, in welchen er mal Schweizer, mal Thailändischer Staatsangehöriger war. Als die Beamten das angemietete Haus des Angeklagten im Februar 2021 durchsuchten, hatte er sich bereits nach Mallorca abgesetzt. Wie ein Beamter der Kripo Erding berichtete, waren aufwendige Handy-Recherchen nötig gewesen, um dem Mann auf die Spur zu kommen.

Wie zu erwarten war, hatte der Angeklagte dem Münzverkäufer – der schließlich auf der Bank sein böses Erwachen hatte – eine falsche Telefonnummer hinterlassen. Doch die Beamten konnten die Gerätenummer für das Handy identifizieren, in dem die SIM-Karte gelegen war. Nach dem dritten Versuch, das Gerät zu orten, erzielten die Ermittler schließlich den Treffer, der den Täter überführte.  

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