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Redner am Nachmittag des Landfrauentags war der Theologe Josef Epp. Er machte den Landfrauen Mut und äußerte sich deutlich zum Umgang mit Flüchtlingen.

Landfrauentag in Helfenbrunn

"Wir müssen sprachlich abrüsten": Ein Theologe spricht Klartext

Helfenbrunn - „Schätzen Sie sich selber!“ Dieser Appell war deutlich. Er stammte von einem der wenigen Männer, die gestern beim Landfrauentag in Helfenbrunn zugegen waren. Es war ein Tag wie Balsam für die Seele der Bäuerinnen des Landkreises.

Kreisbäuerin Rosa Westermair bot sich gestern ein Bild, das sie gerne sieht und das ihr Herz höher schlagen lässt: ein großer Saal, fast zur Gänze besetzt mit Bäuerinnen. Die Männer, die da zum Landfrauentag in den Burgerwirt zu Helfenbrunn geladen waren, waren Repräsentanten des BBV, Politiker wie zum Beispiel Landrat Josef Hauner, der Geschäftsführer der Lebenshilfe Freising, Michael Schwaiger, der seine Institution vorstellte, ein Pfarrer und Klinikseelsorger, Josef Epp. Der hielt vor den Bäuerinnen einen beeindruckenden Vortrag. Thema: „Vielfalt erleben – die Mitte nicht verlieren.“

Teilweise gab sich der Theologe Epp humorig. So war er froh, dass es Kuchen erst nach seinem Vortrag gebe. Grund: Dann könne er für seine Aussage „Sie alle sind auch einmalig doof“ nicht mit Torte beworfen werden. Die Botschaften, die Epp mit nach Helfenbrunn gebracht hatte, waren freilich bei aller Lockerheit ernst und wichtig: „Jede von Ihnen ist genial“, sagte Epp, und stimmte damit die Bäuerinnen wieder freundlich. Denn, so sein Credo, das Leben sei dazu da, seine Fähigkeiten zu erkennen, aber auch festzustellen, „wo die Grenzen sind“. Vor allem Frauen, so die These Epps, müssten nach dieser Maxime leben, seien es doch sie, denen oft eingeredet worden sei, wenig können zu müssen.

Epp – eindeutig ein Allgäuer – gab aber nicht nur Tipps für das Leben („Schauen wir alles – auch uns und unser Gegenüber – genau an!“), sondern hatte auch deutliche Worte zu derzeitigen gesellschaftlichen Strömungen mitgebracht: Menschen, die ein weniger buntes und weniger internationales Deutschland wollten, seien in den Vorstellungen vom Anfang des 20. Jahrhunderts „stecken geblieben“. Er weigere sich auch, von einer Flüchtlingskrise zu reden. Herausforderung? Ja. Aufgabe? Ja. Aber keine Krise. Man müsse da „sprachlich abrüsten“. Einen Grenzzaun zwischen Mazedonien und Griechenland für eine Lösung zu halten, sei „hirnrissig“. Und sich angesichts dessen, dass Pornoseiten bei weitem die meisten Klicks verzeichneten und Deutschland das Eldorado für Zwangsprostitution sei, sei es „unglaubwürdig“, sich nach den Vorfällen der Silvesternacht in Köln „auf das moralische Ross zu setzen“. Und noch etwas war dem Theologen Epp, dessen Frau und Tochter gestorben sind und der drei Kinder alleine großgezogen hat, wichtig: „Halten Sie Abstand von der Meinung: Früher war alles besser.“ Denn das sei es nicht gewesen.

Andreas Beschorner

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