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Nach Brand bei Kirchdorf: Hier wurde mehr als nur ein Hobby zerstört

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Von: Andrea Beschorner

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Sie gehen von Brandstiftung aus: Georg Lachermeier sen. und Georg Lachermeier jun. stehen mitten in den Trümmern ihres geliebten Hobbys. Dass es „einfach so“ angefangen hat zu brennen, glauben sie nicht. 
Sie gehen von Brandstiftung aus: Georg Lachermeier sen. und Georg Lachermeier jun. stehen mitten in den Trümmern ihres geliebten Hobbys. Dass es „einfach so“ angefangen hat zu brennen, glauben sie nicht.  © Beschorner

Für Außenstehende ist es vielleicht nur ein Hobby. Für die Familie Lachermeier ist es eine Familientradition in der fünften Generation. Und die ist jetzt Flammen zum Opfer gefallen.

Kirchdorf – „Einfach nur traurig“: So fühlt sich Georg Lachermeier sen., wenn er auf seinem Freizeitgrundstück an der FS 7 in der Nähe von Helfenbrunn vor den Trümmern seines geliebten Hobbys steht. Ein Feuer hat in der vergangenen Woche, am frühen Mittwochabend, einen Gesamtschaden zwischen 40 000 und 45 000 Euro angerichtet. Sieben Bienenvölker sind den Flammen zum Opfer gefallen, die Imkerhütte mit umfangreichem Zubehör rund um Lachermeiers Leidenschaft – alles zerstört. Inklusive vieler Erinnerungen wie Bilder, Listen über die Bienenköniginnen der vergangenen zehn Jahre und einem Messer, das Georg Lachermeier vor 50 Jahren von einem Freund geschenkt bekommen hat: „Das kann mir keine Versicherung ersetzen“, sagt der 74-Jährige. Schwer mitgenommen habe ihn das, was da passiert ist. Richtig krank fühle er sich seitdem, hat Magenschmerzen und gerade gar keinen rechten Antrieb mehr, wie er erzählt.

Dass das Feuer „einfach so“ ausgebrochen sei, daran glaubt er nicht. „Wie soll das denn gehen?“, fragt er frustriert. Bei den Temperaturen. Da war einer am Werk, „der einfach nur krank sein muss“, vermutet Lachermeier. Hinweise darauf, dass es Brandstiftung gewesen sein könnte, hat er auch. Vor drei Monaten wurde in 300 Metern Luftlinie ein Bauwagen abgefackelt, der im Wald als Arbeiterschutzhütte diente. Da sich der Schaden in Grenzen hielt und die Hütte auch nicht versichert gewesen sei, sei der Vorfall vom Eigentümer damals gar nicht gemeldet worden.

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Der Schaden, der auf dem etwa einen Hektar großen Grundstück angerichtet wurde, ist jedoch immens. „Nicht nur das Materielle, vor allem das Ideelle“, sagt Georg Lachermeier jun., der – wie sein Vater – erschüttert ist über den Brand. Denn an der Imkerhütte hingen auch viele schöne Kindheitserinnerungen. „Hier hat mir mein Opa die Grundlagen der Imkerei beigebracht, als ich noch ein kleiner Bub war“, sagt er. Und sein Großvater habe die Bienen schon von dessen Vater übernommen. Jetzt seien es schon seine Kinder und Neffen, die sich für die Imkerei interessieren. „Eine Familienleidenschaft in der fünften Generation“, wie Lachermeier senior zusammenfasst.

Nachdem das Feuer gelöscht war, wurde das Ausmaß sichtbar: Die Flammen haben restlos alles zerstört. 
Nachdem das Feuer gelöscht war, wurde das Ausmaß sichtbar: Die Flammen haben restlos alles zerstört.  © Lachermeier

Dass es nicht „einfach nur ein Hobby“ ist, was die Lachermeiers da betreiben, zeigt sich an der Beliebtheit ihres Honigs. Allein im vergangenen Jahr wurde der Honig aus Lachermeiers Bienenstöcken mit drei Goldmedaillen für seine erlesene Qualität ausgezeichnet. Werbung machen dafür oder ihn in Geschäften verkaufen, das braucht der Imker nicht. „Das spricht sich rum, die Leute kommen zum Teil extra aus München, um sich unseren Honig zu holen.“ In diesem Jahr wird man einige Kunden vertrösten müssen, gilt es doch jetzt erst einmal, alles wieder aufzubauen und zu ersetzen. Drei Bienenvölker auf dem Grundstück, die etwas abseits standen, blieben vom Feuer verschont. Außerdem hat Georg Lachermeier jun. immer bis zu fünf Völker auf seinem Grundstück zuhause – und auch beim Senior stehen einige in dessen Garten in Zolling. „In der Familie betreuen wir immer bis zu 30 Völker“, erzählt er. Dennoch sind die sieben, die verbrannt sind, ein herber Verlust. „Ich kann gar nicht sagen, wie viel Zeit es brauchen wird, bis wieder alles so aufgebaut ist wie davor.“ Bis er wieder auf einen Ertrag von einer Tonne Honig, wie vor drei Jahren, kommen wird, wird noch einige Zeit vergehen. Dass alles wieder aufgebaut wird, ist indes sicher. „Ich will weitermachen.“ Denn neben der Honigproduktion züchtet er Bienen. Und er ist ein gefragter Gastgeber für Schul- und Kindergartenkinder. So mancher Ferienprogrammpunkt ist schon am Imkerhäuschen im Wald an der FS 7 über die Bühne gegangen.

Nichts zu retten: die Hütte brannte komplett aus. 
Nichts zu retten: die Hütte brannte komplett aus.  © FFW Kirchdorf

Was Georg Lachermeier sen. sehr berührt, ist die Anteilnahme seiner Imkerfreunde. Er ist 2. Vorsitzender des Bienenzuchtvereins Freising Neustift, die Nachricht vom Brand hat sich schnell herumgesprochen. „Uns wurde so viel Hilfe angeboten, das ist schon schön“, sagt er und ergänzt: „Imkerherzen schlagen eben anders als etwa die Herzen der Fischer. Unter Imkern hilft man sich, ohne zu zögern.“

Die Hoffnung, dass der oder die Täter geschnappt werden, ist bei den Lachermeiers übrigens groß. Am Montag hat sich eine Frau gemeldet, die am Tag des Brandes ein verdächtiges Fahrzeug hat wegfahren sehen. Die Infos dazu wurden sofort an die Polizei weitergeleitet. Einen Verdacht haben sie nicht. Sie sind sich nur sicher, dass es kein „Jugendstreich“ war. „Hoffentlich hat die Polizei Erfolg. Erst der Bauwagen, dann die Hütte – ehrlich gesagt fragt man sich schon, was als Nächstes kommt.“

Zeugen gesucht

Hinweise nimmt die PI Freising unter Tel. (0 81 61) 5 30 50 entgegen.

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