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Der Nikolaus und seine Begleiter: (v. l.) FT-Reporterin Laura Czypull, Matthias Hagn, Christian Fischer und Lisa Ziegltrum.

FT-Reporterin begleitet den Heiligen Mann

Der Nikolaus im Stress

Der Nikolaus eilt durch die Straßen, zwei Engel und der Krampus folgen ihm. Die vier müssen einen straffen Zeitplan einhalten: Zahlreiche Kinder warten auf den Heiligen Mann und seine Begleiter. Von ihren Besuchen nehmen die Vier einiges mit – heuer sogar einen Schnuller. FT-Reporterin Laura Czypull durfte als Engel verkleidet Mäuschen spielen.

Kirchdorf Seit vier Jahren bietet die Landjugend Kirchdorf einen Nikolausdienst am 5. und 6. Dezember an. Ein „Nikolaustrupp“, bestehend aus zwei Engeln, dem Krampus und natürlich dem Nikolaus, kann an diesen zwei Tagen gebucht werden. „Wir sind stolz, die Tradition des Nikolausbesuchs in der Vorweihnachtszeit aufrechterhalten zu können“, sagt Stefan Springer, männlicher Vorstand der Landjugend Kirchdorf.

Nikolaus – der Vorbote der Weihnachtszeit – besucht jedes Jahr Anfang Dezember mit dem Krampus die Kinder, um ihnen Geschenke zu übergeben oder ihre Stiefel mit Süßigkeiten zu füllen. Er lobt die Kinder, lässt es sich jedoch nicht nehmen, bei Unartigkeit auch mal ein bisschen zu schimpfen. Und das macht der Kirchdorfer Heilige Mann ganz sanft, Angst soll freilich kein Kind vor ihm haben. Wenn er sein großes rotes Buch aufschlägt, stellt sich heraus, ob die Kinder das Jahr über brav waren. Mitglied der Landjugend, Engerl und Landjugendmitglied Lisa Ziegltrum blickt positiv auf die beiden Tage zurück: „Seit vier Jahren bieten wir diese Aktion nun schon an und es kommen jedes Jahr neue Familien hinzu, die gerne von uns besucht werden möchten. Auch dieses Jahr war es wieder ein voller Erfolg.“

Bevor es zur ersten Familie geht, treffen sich die Vier im Pfarrheim, ziehen sich das Nikolaus-, Krampus- und Engelskostüm an und sprechen ein letztes Mal die von den Eltern vorbereiteten Texte durch.

„Nicht trödeln!“

Dann geht’s los: Der Zeitplan ist straff, die gebuchten Termine müssen unbedingt eingehalten werden. „Auf geht’s Leute“, treibt Nikolaus Matthias Hagn seine Leute an: „Nicht trödeln!“

Wie davor mit den Familien ausgemacht, liegen die Geschenke vor dem Gartentürchen. Mit lauten Schritten stampft der Nikolaus die Treppe im Vorgarten hinauf und klopft unüberhörbar gegen die Haustüre, ehe er mit seinem Gefolge eintritt. Verschüchtert sitzt ein kleiner Junge auf dem Schoß seiner Mama. „Vor mir brauchst du doch keine Angst haben“, versichert ihm der Nikolaus mit tiefer Stimme. Um den Kindern etwas von ihrer Angst zu nehmen, fragt der Nikolaus zu Beginn jedes Besuches, wer seinen goldenen Stab halten möchte. Im ersten Haus drückt er dem vierjährigen Tom den schweren Bischofsstab in die Hand. Laut liest er dann aus seinem dicken, roten Buch vor, was der kleine Tom in diesem Jahr besonders gut, aber auch, was er nicht so gut gemacht hat.

Was der Nikolaus da zu lesen bekommt, reicht von „Hat in diesem Jahr gerne der Mama beim Kochen geholfen“, bis hin zu: „Ist manchmal gemein zu den kleinen Geschwistern“.

Ein Versprechen

Vielen Kindern kann der Nikolaus sogar ein kleines Versprechen abluchsen: „Bis zum nächsten Besuch des Nikolauses trägst du keine Windel mehr“, oder, „Das Daumenlutschen lässt du jetzt sein.“ Am Ende werden die, von den Eltern zuvor bereitgestellten Geschenke, an die Kinder verteilt und der Nikolaus zieht mit seinen Engeln und dem Krampus weiter zum nächsten Haus. Nicht selten wird der Trupp rund um den Nikolaus dabei vom lauten Gesang der Familie begleitet.

Leberkas „to go“

Fester Bestandteil der Nikolausaktion der Landjugend Kirchdorf, ist ein kleiner Umtrunk – meist mit dem Familienvater – nach dem Besuch. Auch eine kleine Stärkung wird den Vieren von den Familien angeboten. Doch es ist keine Zeit zu verlieren – die nächsten Kinder warten schon. „Ob Leberkassemmel to go, oder ein Bier zum Mitnehmen – dieses Jahr war wieder einiges dabei“, erzählt Christian Fischer, der Krampus in diesem Jahr, und lacht. „Bei einer Familie durften wir sogar die Schnuller des kleinen Buben mitnehmen, da er dem Nikolaus versprochen hat, diese nicht mehr zu benutzen“, erzählt Lisa Ziegltrum. Matthias Hagn beeindruckt immer besonders, wie unterschiedlich die Kinder den Besuch aufnehmen. „Die meisten Kinder sind sehr schüchtern.“ Es gibt aber auch die, die ein Bild für den Heiligen Besuch gemalt haben oder ihm ein Lied auf der Blockflöte vorspielen. Erst schauen die meisten aber ängstlich drein und trauen sich kaum, ein Wort zu sagen. Solange, bis es um ihre Geschwister geht: „Da sind dann alle gleich“, weiß Stefan Springer und findet das lustig:

„Sobald ein schlechtes Wort über den Bruder oder die Schwester verloren wird, nicken die Kinder eifrig oder erzählen noch mehr witzige Geschichten über ihre Geschwister.“

Der Nikolaus und sein Gefolge fällt spät abends in den Straßen von Kirchdorf natürlich auf. Die vorbeikommenden Kinder bleiben häufig mit offenem Mund stehen und starren den Nikolaus an. Dieser lässt es sich dann nicht nehmen, trotz des durchgetakteten Abends, mit den Kleinen zu reden oder schnell ein gemeinsames Foto zu machen. Schließlich sieht man so etwas ja nicht alle Tage.

Laura Czypull

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