Eine Freiflächenfotovoltaikanlage.
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Erneuerbare Energien waren Thema im Gemeinderat Kirchdorf.

Die Mehrheit ist gegen teure Variante

Ökostromdebatte im Kirchdorfer Gemeinderat: „Auf der Welt ist die Kacke am Dampfen“

Soll Kirchdorf Ökostrom ohne oder mit Neuanlagenquote beziehen – oder ist die Kommune bereits Vorbildgemeinde in Sachen regenerative Energien?

Kirchdorf – In Kooperation mit dem Bayerischen Gemeindetag ist auch Kirchdorf mit dabei bei der Bündelausschreibung für die kommunale Strombeschaffung in Bayern. Dabei kann die Gemeinde entscheiden, was sie möchte: Normalstrom, Ökostrom oder Entscheidung via Losbildung.

Beim Ökostrom gibt es eine besondere Wahl-Möglichkeit: Ökostrom ohne oder mit Neuanlagenquote – was sich im Preis niederschlägt. Die Mehrkosten von Ökostrom ohne Neuanlagenquote gegenüber Normalstrom betragen bis zu 0,5 Cent pro Kilowattstunde, mit Neuanlagenquote bis zu 1,2 Cent pro kw/h. Bei den Ausschreibungen für den Zeitraum von 2020 bis 2022 hat sich Kirchdorf für Ökostrom ohne Neuanlagenquote entschieden. Nun war es Zeit, für 2023 bis 2025 eine Wahl zu treffen.

Was ist der Unterschied zwischen den beiden Varianten? Ökostrom ohne Neuanlagenquote stammt oftmals aus uralten und in der Regel bereits abgeschriebenen Großwasserkraftwerken – was deshalb keinen großartigen Umweltnutzen in puncto Neubauanlagen ergibt und deshalb häufig auch als „Alibi-Ökostrom“ bezeichnet wird. Ökostrom mit Neuanlagenquote hingegen stammt zu einem Drittel aus Anlagen, die nicht älter als sechs Jahre sind, ein weiteres Drittel aus Anlagen, die nicht älter als zwölf Jahre sein dürfen. Durch die Nutzung dieses Ökostroms wird letztendlich der Anreiz geschaffen, neue Erzeugungsanlagen zu bauen, sodass damit auch die Energiewende letztendlich vorangetrieben wird.

Für Michael Firlus (FWG) ist deshalb eine Ökostrom-Nutzung ohne Neuanlagenquote eindeutig „eine Mogelpackung“. Die zusätzlichen Kosten möchte Anton Pittner (CSU/FW) aber lieber in der Gemeinde lassen, wie auch Gerlsbeck selbst. Der Plan des Rathauschefs: Mit dem gesparten Geld lieber etwas vor Ort auf die Beine stellen, etwa eine Photovoltaikanlage im Bereich der Kläranlage. Überhaupt habe seiner Meinung nach Kirchdorf im Bereich regenerative Energien schon viel bewegt.

„Ich gehe da nicht mit!, erklärte auch Elisabeth Hörand (CSU/FW) – sie möchte auf keinen Fall Ökostrom mit Neuanlagenquote für die Kommune haben, die ja sowieso schon „auf einem guten Weg“ sei. Außerdem gelte nach wie vor die Haushaltssperre. „Wir wissen nicht, wie sich die Zahlen entwickeln. Wir werden von den Kosten aufgefressen!“

Martin Heyne (Grüne), der dringlich für Ökostrom mit Neuanlagenquote plädierte, fasste es kurz: „Auf der Welt ist die Kacke am Dampfen!“ Seiner Meinung nach müsse deshalb an jeder Stelle das Beste in Sachen regenerative Energien herausgeholt werden. Gerlsbeck erinnerte abschließend daran, dass Kirchdorf sehr wohl in diese Richtung gehe. Beispiel: In Freising würde eine einzige Peitschen-Straßenlampe so viel Strom verbrauchen wie in Kirchdorf ganze Straßenzüge. Die Entscheidung gegen Ökostrom mit Neuanlagenquote fiel mit 12:4 Stimmen deutlich aus.

Richard Lorenz

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